Meine beiden Neuzugänge aus der vergangenen Grün-Auktion sind eingetroffen.
Nr. 1 ist der
bereits angekündigte Rebellentaler, der erste aus der Reihe der sechs sog. emblematischen Taler, die Herzog Heinrich Julius in den Jahren ab 1595 prägen ließ.
Der Hintergrund für die Prägung dieser Münze liegt in Streitigkeiten zwischen Herzog Heinrich Julius einerseits und der Stadt Braunschweig und einigen Landadligen, insbesondere der Familie von Salder, andererseits. Diese erreichten einen Höhepunkt, als auf einem Landtag der herzogliche Kanzler den braunschweigischen Stadtschreiber festnehmen ließ, der dann wiederum mit Hilfe von Hildebrand von Salder befreit wurde.
Die einzelnen Darstellungen auf der Münze sind nach meinem Kenntnisstand immer noch nicht genau geklärt. Der Wilde Mann, hier nicht mit Baumstamm, sondern mit Spieß und Fackel bewaffnet, verkörpert die „Rebellen“.
Ein Hund leckt den Stachel des Spießes, was mit D C S C erläutert wird. Es könnte für durum contra stimulum calcitrare stehen: Schwer, wider den Stachel zu lecken (wobei dies eine freie Übersetzung für calcitrare ist).
Neben der Blume am linken Bildrand steht N M T, Noli me tangere: Fass mich nicht an.
Auf der Rückseite ist das Geschehen aus dem vierten Buch Mose (
Numeri), Kapital 16, dargestellt.
Korach und seine Anhänger wenden sich gegen Moses und Aaron, woraufhin Gott die „Rebellen“ in einer Spalte im Erdboden versinken lässt. Außerdem werden weitere Männer durch ein von Gott ausgehendes Feuer getötet.
N R M A D I E S steht wahrscheinlich für Non recedet malum a domo ingrati et seditiosi: Das Übel wird vom Haus des Undankbaren und Aufrührers nicht weichen.
Die vom Herzog propadierte Zuweisung der Rollen in diesem Bildnis dürfte klar sein...
Braunschweig-Wolfenbüttel, Reichstaler 1595 (Welter 627)



