Eine wirklich gut ausgeprägte und erhaltene Münze. Gefällt mir gut.
Ich habe allerdings keine Ahnung von den Denaren jener Zeit und den Gestaltungen der Umschriften.
Daher eine Frage: Gibt es eine Erklärung dafür, dass bei DEI GRATIA (bzw. GRATIA DEI auf der Münze) das E durch einen Strich ersetzt worden ist?
Das scheint damals so üblich gewesen zu sein (nachdem ich mir einige Münzen angeschaut habe). Eine Platzersparnis bringt solch eine Vorgehensweise ja nicht.
Ganz ehrlich: sehr gute Frage, da es auf sehr vielen Denaren anderer Münzstätten ebenfalls so steht. Somit war es ganz klar gewollt. Ahnung, warum die das gemacht haben habe ich keine. Ich kann nur spekulieren:
Die Abkürzung D-I für DEI macht keinen Sinn. Ersetzt man DEI durch DOMINI würde so eine Ablürzung Sinn machen. Ähnlich wurde der Strich auch bei den ersten Tournosen verwendet, statt "Jesus Christi" steht da IHV-XPI.
Es gibt sowieso sehr viele Fragen bezüglich der Münzen aus dieser Zeit: beispielsweise ob eine Prägung eindeutig Karl dem Großen oder Karl dem Kahlen zugeordnet werden kann. Da streiten sich in vielen Fällen immer noch die Gelehrten und Preisunterschiede sind extrem. Bei der Prägung aus Rennes habe ich immer nur Karl den Kahlen gefunden.
Fest scheint dür mich zu stehen, dass manche Prägungen von Karl dem Kahlen vor dem Prägen weißgesotten oder anderweirig versilbert wurden, vgl. 2 BS Nr. 242902346: erkennbar an mechanischem Abtrag, 25022602300010 und 30006000898: erkennbar an Abnutzung erhabener Details, 13605700898: erkennbar durch Korrosion). Schaut man die Prägungen auf 2BS durch, sieht man sogar ein gefüttertes Stück, also eine Münze mit einem Kupferkern (Nrn.: 32748000898 und ). "Primitive" Machwerke waren das nicht. Da steckte die Obrigkeit dahinter oder zumindest ein regionaler Teil davon. Wenige Silbermünzen weisen daher woh auch Prüfhiebe (Schnitte mit einem Messer auf; da wollte jemand sehen, woraus die Münze innen besteht). Bei dem hier: Nr. 23460500898 von Ludwig dem Frommen (dem Vorgänger Karls des Kahlen) ist der Betrug mit dem Kupferkern eindeutig.
Hier noch einer von Ludwig dem Frommen mit abgeplatzter Versilberung: 33635000898. Darunter ist auf jeden Fall Material, in dem weniger Silber steckt.....
Beim Fotografieren auf dem Buchdeckel klang meiner nach Silber. Einen "ploppenden" Kupferkern hat der schon mal nicht. Ich vermute mal, dass der auch vor dem Prägen auch mindestens ordentlich weißgesotten, wenn nicht gar versilbert wurde.
Worum es sich ging? Karl der Große hatte im Frankfurter Kapitular von 794 festgelegt, dass sein Denar den Wert von 12 Broten aus Weizen oder 15 Broten aus Roggen, 20 Broten aus Gerste oder 25 Broten aus Hafer haben sollte.... Rund 75 Euro nach heutiger Kauftraft.