Theodosius II als "Bleibronze": Vielleicht haben wir hier & heute eine doppelte Premiere. In meiner Sammlung ist es eine, ob hier im Forum? Gewiss Goldmünzen und auch Silbermünzen von Theodosius II wurden hier bereits vorgestellt, aber eindeutig eine Kupfer- oder Bronzemünze dieses Kaisers habe ich mit der Suchfunktion nicht finden können.
Geprägt 406 bis 408 n. Chr., als Theodosius II. noch ein Kleinkind und Mitkaiser seines Vaters war.
VS: DN THEODOSIVS PF AVG, Büste des Kaisers nach rechts und kleiner Stern links hinter der Büste.
RS: GLORIA ROMANORVM, drei Kaiser stehen nebeneinander in militärischer Rüstung: Links und Rechts: Seine älteren Verwandten, die Kaiser Arcadius (sein Vater) und Honorius (sein Onkel), die größer dargestellt sind und sich einander zuwenden.
Es ist eine kleine, stark bleihaltige "Bronzemünze", meist als AE3, oder AE, weniger als Follis oder Nummus, beschrieben mit etwa 12 bis 14 mm Durchmesser und einem Gewicht von 1,87 Gramm, geprägt auf zu knappen Schrötling. Teile der Umschrift auf Vorder- und Rückseite fehlen daher.
Auf der Vorderseite kann man den Namen Theodosius erahnen; die Buchstaben "HEODO-SIVS sind gerade so lesbar. Vom Schriftzug GLORIA ROMANORVM sind oben auf der Rückseite die Buchstaben "A ROMA" zu lesen. Damit ist eine Unterscheidung zwischen ähnlichen Stücken der Serie "GLORIA EXERCITVS aus der Zeit von Kaiser Konstantin dem Großen und seinen Söhnen, ca. 330–340 n. Chr., bei dem sich zwei Soldaten gegenüberstehen und in der Mitte Standarten zu sehen sind. Denn: Verwechselungen kommen immer mal wieder vor. Hier aber nicht.
Dieser Typ wurde nur während eines Zeitraums von etwa zwei Jahren geprägt. Am 1. Mai 408 n. Chr. starb der Vater Arcadius. Damit war die Dreiergruppe hinfällig und von 408 bis 423 wurden dann Münzen dieses Typs mit zwei Kaisern drauf geprägt.
Die Prägeanstalt kann man nur dadurch bestimmen, indem man ein Stück findet, bei dem Vorder- oder Rückseite stempelgleich sind und bei dem die Prägeanstalt eindeutig entzifferbar ist. Ich vermute Alexandria. Wegen des hohen Relliefs und auch wegen der dunkelgrün-braunschwarzen Patina.
Die Legierung von Münzen aus dieser Zeit: 70-85% Kupfer, 10-20% Blei, 2-5 % Zinn und 1-3% Zink unterscheidet sich sehr deutlich von früheren Bronzemünzen. Silber wurde bereits vor Jahrzehnten mit Blei aus den Bronze-Legierungen für Münzen geseigert und ist nahezu nicht mehr enthalten. Das Blei wurde nicht zum Seigern, sondern zum Strecken des Kupfers dazugegeben, da viele Kupferbergwerke aufgehört hatten zu produzieren bzw. die Provinzen, in der sie lagen, verloren gegangen waren. Man schmolz ein, was verfügbar war. Die Legierungen mussten unter ständigem Rühren schnell zu Rohlingen verarbeitet werden, um der Trennung von Kupfer und Blei entgegenzuwirken. Das Zink stammt meist von eingeschmolzenen Messingmünzen.
Bei Tageslicht und mit einer guten Brille betrachtet sehe ich ein ss+ bis ein ss-vz und teils auch Fließlinien der Heißprägung im Bereich des Kopfes. Relativ zu anderen "Bronzemünzen" von Theodosius II sieht das ganz anders aus, denn diese, sichtbar mit Kraft geprägte Münze zeigt Details, die viele andere Münzen nicht aufweisen. Die Münze hat eine dünne, grünschwarze Patina und an den erhabenen Stellen Berührspuren (da liegt das Metall blank und sieht von der Farbe her so aus, wie Kupfer).
Zusammen in der Bucht mit einer Bronze von Valentinian II erworben, von dem ich mal die Vorderseite anhänge. Keine Ahnung, warum beide schon seit längerem in einem Lot für 50 Euro angeboten wurden und keiner zuschnappte, zumal beide Münzen zutreffend bestimmt waren - Mir war´s dann Dienstagabends recht.