Meine Themensammlung „EWG-, EG-, EU-Beitritte“ mit vielen Hintergrundinformationen

numisfreund

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Irland feiert dieses Jahr den 50-jährigen Beitritt zu den damaligen Vorgängern der heutigen Europäischen Union und wird dazu eine 2-€-Gedenkmünze ausgeben.

Dieses möchte ich zum Anlass nehmen, euch die von den Mitgliedsländern ausgegebenen diversen Münzen und auch Briefmarken vorzustellen, die sich mit dem Thema „EU-Beitritt“ oder „EU-Beitritts-Jubiläum“ befassen. Zusätzlich zeige ich euch auch, was die derzeitigen potenziellen Beitrittskandidaten zum Thema beizutragen haben.

Das Thema und eine entsprechende Sammlung ist viel umfangreicher als man zunächst vermutet. Als überzeugter Europäer bin ich vor längerer Zeit auf dieses Sammelgebiet aufmerksam geworden und habe mir nach und nach viele Münzen, aber auch themengleiche Briefmarken zugelegt, die die Beitrittsentwicklung vieler Länder dokumentieren. Die Sammler- und auch Umlaufmünzen tragen verschiedene europäische Währungsbezeichnungen, da die Sammlung weit vor der Eurozeit beginnt. Daher habe ich diesen Thread im Unterforum „Ausländischen Münzen“ installiert, obwohl natürlich im späteren Verlauf auch viele Euromünzen zu zeigen sein werden.

Bevor ich euch diese Sammlung nach und nach präsentieren werde, möchte ich euch eine kurze historische Übersicht zum politischen Teil dieses Themas geben. Die folgenden Texte habe ich aus offiziellen Veröffentlichungen der EU zusammengetragen.
 
Historischer Rückblick zur Entstehung und Entwicklung der Europäischen Union

Am 18. April 1951 unterzeichnen sechs europäische Länder einen Vertrag über die gemeinsame Kontrolle von Kohle und Stahl. Kein einzelnes Land soll mehr wie in der Vergangenheit Kriegswaffen herstellen können, um sie gegen ein anderes Land zu richten. Diese sechs Länder sind Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl wird 1952 gegründet.

Angesichts des Erfolgs des EGKS-Vertrags dehnen die sechs Gründungsländer ihre Zusammenarbeit auf weitere Wirtschaftsbereiche aus. Sie unterzeichnen am 25. März 1957 in Rom die „Römischen Vertrage“ und gründen damit die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom), die am 1. Januar 1958 ihre Arbeit aufnehmen.

Am 8. April 1965 wird in Brüssel der sogenannte Fusionsvertrag unterzeichnet: Er besiegelt die Zusammenlegung der Exekutivorgane der drei Gemeinschaften (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und Euratom) und tritt am 1. Juli 1967 in Kraft. Von nun an verfügen die Europäischen Gemeinschaften über eine einzige Verwaltung (die Kommission) und eine einzige Exekutive (den Rat).

Am 1. Januar 1973 treten Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich den Europäischen Gemeinschaften bei, wodurch sich die Zahl der Mitgliedstaaten auf neun erhöht.

Mit dem Sturz der Diktaturen in Griechenland, Portugal und Spanien verbreitet sich die Demokratie in Europa. Mit dem Beginn der Regionalpolitik lenkt die EU riesige Geldsummen in ärmere Gebiete, um dort Arbeitsplätze zu schaffen und die Infrastruktur zu verbessern. 1979 wählen die europäischen Bürgerinnen und Bürger zum ersten Mal direkt die Mitglieder des Europäischen Parlaments.

Griechenland tritt am 1. Januar 1981 den Europäischen Gemeinschaften bei. Das Land wurde beitrittsfähig, nachdem das griechische Militärregime gestürzt und die Demokratie 1974 wiederhergestellt worden war. Am 1. Januar 1986 folgen Spanien und Portugal, wodurch sich die Zahl der Mitgliedstaaten auf zwölf erhöht.

Am 7. Februar 1992 wird im niederländischen Maastricht der Vertrag über die Europäische Union unterzeichnet. Er ist ein Meilenstein in der Geschichte der EU, legt er doch die Vorschriften für die künftige gemeinsame Währung sowie für die Außen- und Sicherheitspolitik und eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres fest. Mit diesem Vertrag, der am 1. November 1993 in Kraft tritt, wird die „Europäische Union“ begründet.

In diesem Jahr 1993 fällt der Startschuss für den gemeinsamen Binnenmarkt mit seinen „vier Freiheiten“, nämlich dem Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr. Das Schengener Übereinkommen – benannt nach einer kleinen Ortschaft in Luxemburg – macht es schrittweise möglich, dass die Menschen ohne Passkontrollen durch weite Teile der EU reisen können.

Am 1. Januar 1995 treten Finnland, Österreich und Schweden der EU bei. Das Gebiet der jetzt 15 Mitgliedstaaten erstreckt sich nunmehr über fast ganz Westeuropa.

Am 1. Mai 2004 treten Zypern und Malta der EU zusammen mit acht mittel- und osteuropäischen Ländern bei: Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Endlich wird die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Spaltung Europas überwunden.

Zwei weitere osteuropäische Länder, Bulgarien und Rumänien, treten am 1. Januar 2007 der EU bei und lassen die Zahl der Mitgliedstaaten auf 27 anwachsen. Kroatien, Nordmazedonien und die Türkei sind potenzielle Kandidatenländer.

Am 1. Juli 2013 tritt Kroatien der EU als 28. EU-Mitgliedstaat bei. Weitere potenzielle Kandidatenländer sind Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Serbien.

In einem Referendum im Juni 2016 stimmen 52 % der britischen Wählerinnen und Wähler im Vereinigten Königreich für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (Brexit) – nach mehr als 40 Jahren Mitgliedschaft. Das Vereinigte Königreich verlässt die EU am 31. Januar 2020.

Nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine verurteilen die EU und ihre internationalen Partner den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands aufs Schärfste. Die Ukraine stellte am 28. Februar 2022 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Seit dem 24. Juni 2022 ist sie zusammen mit der Republik Moldau Beitrittskandidat.
 
Ich zeige euch nun nach und nach in der Reihenfolge ihrer Ausgaben die Sammlerstücke, die ich zum Thema besitze. Meine Datenbank zeigt mir momentan 94 Münzausgaben, darunter 24 Ausgaben aus Gold. Diese habe ich aus finanziellen Gründen nicht in meiner Sammlung, werde sie aber der Vollständigkeit hier auch vorstellen.

Nicht jedes Land hat anlässlich seines Beitritts etwas zum Sammelthema beigetragen. Münzausgaben fehlen, soweit mir bekannt, von Dänemark, Estland, Italien, Litauen, Luxemburg, Schweden und Slowenien. Bei den Briefmarken hat lediglich Dänemark Verzicht geübt. In der Briefmarkendatenbank sind es aktuell 96 Ausgaben, die mir bekannt sind und die ich vollständig besitze. Daher werdet ihr mehr Bilder von Briefmarken als von Münzen sehen. Ich hoffe, es ist in einem Münzenforum trotzdem interessant, was die 27 plus 1 Mitgliedsländer, aber auch die aktuellen Beitrittskandidaten, bislang eben nicht nur an Münzen, sondern auch an themengleichen Briefmarken ausgegeben haben.
 
1951 – 1972

Wie oben beschrieben waren die sechs Gründungsstaaten die ersten zwanzig Jahre „alleine im Club“. Münz- oder Briefmarkenausgaben zum Thema gibt es aus dieser Zeit fast nicht. Lediglich Italien erinnert mit zwei Briefmarkenausgaben zum 20. Jahrestag der ersten Gemeinschaft an die politischen Gründerväter Adenauer, Schuman und de Gasperi.

Italien 1971 20 J. EG Mi IT 1333-34.jpg

Ausgabeland: Italien
Ausgabeanlass: 20. Jahrestag der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1951 - 1971
Ausgabedatum: 28.04.1971
Frankaturwert: 50 L / 90 L
Größe: je 40 mm x 26 mm
Auflage: 15.000.000 / 8.000.000
Michel-Nr.: IT 1333-34
 
1973

In diesem Jahr traten drei neue Länder (Dänemark, Großbritannien, Irland) bei, von denen zwei etwas zur Sammlung beigetragen haben. Dänemark verzichtete.

1973 Großbritannien Mü3.jpg
1973 Großbritannien Mü4.jpg

Ausgabeland: Großbritannien
Ausgabeanlass: Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften
Ausgabedatum: 1973
Metall: CuNi
Nennwert: 50 Pence
Durchmesser: 30 mm
Gewicht: 13,5 g
Auflage: ca. 90 Mio.
KM-Nr.: 918

Der Nennwert unter dem Datum ist von einem Kreis aus neun Händen umgeben, der die neun Mitglieder der EWG symbolisiert, die sich in einer Geste des Vertrauens, der Unterstützung und der Freundschaft aneinander festhalten.
Diese Münze gibt es auch in Proof sowie in Silber-Piedfort (KM P1)

2009 wurde eine Neuauflage als Teil des 16-teiligen Sets zum 40-jährigen Jubiläum des 50-Pence-Stücks neu aufgelegt. Dieses Motiv wurde auch in Silber Proof, Gold Proof und Gold Piedfort geprägt. Limitierte Auflage: 5.000 Stück.

Großbritannien hat also als erstes Land eine Münze zu diesem Thema emittiert. Es lässt sich aber auch nicht nehmen, zum seinem Austritt aus der EU ebenfalls etwas hier beizutragen. Aber davon werde ich 47 Jahre bzw. -zig Beiträge später hier berichten.


Großbritannien 1973 EU-Beitritt Mi GB 612-14.jpg

Ausgabeland: Großbritannien
Ausgabeanlass: Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften
Ausgabedatum: 03.01.1973
Frankaturwert: 3 pence / 5 pence / 5 pence
Größe: je 30 mm x 41 mm
Auflage: 54.812.900 / 5.934.250 / 5934250
Michel-Nr.: GB 612-14

Gibraltar 1973 Beitritte Mi GI 297-8.jpg

Ausgabeland: Gibraltar
Ausgabeanlass: Beitritt Großbritanniens zu den Europäischen Gemeinschaften, Januar 1973
Ausgabedatum: 22.02.1973
Frankaturwert: 5 pence / 10 pence
Größe: je 30,9 mm x 38,4 mm
Auflage:
Michel-Nr.: GI 297-98

Irland 1973 EU-Beitritt Mi IE 287-88.jpg

Ausgabeland: Irland
Ausgabeanlass: Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften, Januar 1973 (Celtic Head Motif)
Ausgabedatum: 01.01.1973
Frankaturwert: 6 pence / 12 pence
Größe: je 40,25 mm x 24,5 mm
Auflage: 2.000.000 / 4.000.000
Michel-Nr.: IE 287-88
 
1976

Deutschland erinnert mit einer Briefmarke an den 25. Gründungstag der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

Deutschland 1976 25 J. EG Mi DE 880.jpg

Ausgabeland: Bundesrepublik Deutschland
Ausgabeanlass: 25. Jahrestag der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, 18.04.1951
Ausgabedatum: 06.04.1976
Frankaturwert: 40 Pfennig
Größe: 43 mm x 26 mm
Auflage: 31.900.000
Michel-Nr.: DE 880
 
1979

Griechenland gibt anlässlich der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft am 28.05.1979 eine Silbermünze aus.

1979 Griechenland Mü1.jpg
1979 Griechenland Mü2.jpg

Ausgabeland: Griechenland
Ausgabeanlass: Aufnahme der Beitrittsverhandlungen zum Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften
Ausgabedatum: 1979
Metall: Ag900
Nennwert: 50 Drachmen
Durchmesser: 31 mm
Gewicht: 13 g
Auflage: 18.000 Proof, xx unc.
KM-Nr.: 122

Inschrift:

ΕΛΛΗΝΙΚΗ ΔΗΜΟΚΡΑΤΙΑ
ΣΤΑΘΜΟΣ ΣΤΗΝ ΠΟΡΕΙΑ ΤΟΥ ΕΘΝΟΥΣ
Κ. ΚΑΡΑΜΑΝΛΗΣ
ΔΡΑΧΜΕΣ 500
28 ΜΑΙΟΥ 1979 10ο ΜΕΛΟΣ Ε.Ο.Κ.

GRIECHISCHE DEMOKRATIE
MEILENSTEIN FÜR DEN FORTSCHRITT DER NATION
K. KARAMANLIS
500 DRACHMEN
28. MAI 1979 10. MITGLIED DER EG

Griechenland hat aus gleichem Anlass eine Goldmünze zu 10.000 Drachmen emittiert (KM123).



- Fortsetzung folgt -

Ergänzungen oder ggf. Korrekturen zu den bereits geposteten Beiträgen lese ich gerne hier.
 
Zuletzt bearbeitet:
1986

Spanien
und Portugal treten am 01.01.1986 der Europäischen Gemeinschaft bei und dokumentieren das mit Briefmarken und Münze.

1986 Portugal 25 Mü4.jpg
1986 Portugal 25 Mü3.jpg

Ausgabeland: Portugal
Ausgabeanlass: Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (EG)
Ausgabedatum: 1986
Metall: CuNi
Nennwert: 25 Escudos
Durchmesser: 28,5 mm
Gewicht: 11 g
Auflage: ins. 5.000.000, davon 10.000 in BU
KM-Nr.: 635

Diese Münze gibt es mit gleichem Motiv auch als Proof-Silbermünze, Auflage 5.000. (KM 635a)

Dargestellt ist auf der Bildseite ein Muster aus 12 gewebten Bändern, die die Verbundenheit der nunmehr 12 EG-Staaten repräsentieren sollen. Dieses Motiv finden wir in abgewandter Form auch auf den themengleichen Briefmarken der beiden iberischen Länder vor:

Portugal 1986 EU-Beitritt Mi PT BL52.jpg

Ausgabeland: Portugal
Ausgabeanlass: Beitritt von Portugal und Spanien zur Europäischen Gemeinschaft (EG)
Ausgabedatum: 07.01.1986
Frankaturwert: 155 $ (2 x 20,00 Esc., 2 x 57,50 Esc.) (Block)
Größe: 127 mm x 91 mm (Block)
Auflage: 150.000
Michel-Nr.: PT BL52

Spanien 1986 1 Mi ES MH0-1.jpg
Spanien 1986 2 Mi ES MH0-1.jpg
Spanien 1986 3 Mi ES MH0-1.jpg

Ausgabeland: Spanien
Ausgabeanlass: Beitritt von Portugal und Spanien zur Europäischen Gemeinschaft (EG)
Ausgabedatum: 07.01.1986
Frankaturwert: 99 Peseta (7 Pta, 17 Pta, 30 Pta, 45 Pta) (Briefmarkenheftchen)
Größe: 123 mm x 51 mm (Briefmarkenheftchen)
Auflage: 4.000.000
Michel-Nr.: ES MH0-1

Spanien und Portugal benutzen bei ihren themengleichen Briefmarken zum Teil gleiche Motive:

Dargestellt ist der Königspalast von Madrid, wo der Beitrittsvertrag unterschrieben wurde (7 Pta.), eine Blume, deren Blütenblätter jeweils die Nationalflaggen der Gemeinschaftsländer tragen (57,50 Esc bzw. 17 Pta), ein Tisch aus Bronze mit einem Mosaik aus dem 19. Jahrhundert, der sich im Königspalast befindet und auf dem der Beitrittsvertrag unterschrieben wurde (30 Pta) sowie eine geometrische Figur, die sich aus der Vereinigung regelmäßiger Sechsecke ergibt, die jeweils die Farben der Flaggen der Länder tragen, die bisher die EG bildeten. Dieser Gruppe nähern sich zwei verbundene Sechsecke mit den Farben der Flaggen Portugals und Spaniens (20 Esc bzw. 45 Pta).
 
1991

Griechenland
gibt anlässlich des 10. Jahrestages des Abschlusses des Beitrittsvertrages zwei Briefmarken heraus.

Griechenland 1991 10 J. EU-Beitritt Mi GR 1790.jpg
Griechenland 1991 10 J. EU-Beitritt Mi GR 1791.jpg

Ausgabeland: Griechenland
Ausgabeanlass: 10. Jahrestag des Beitritts von Griechenland zur Europäischen Gemeinschaft (EG)
Ausgabedatum: 09.12.1991
Frankaturwert: 50 Drachmen / 80 Drachmen
Größe: je 30 mm x 42 mm
Auflage: 8.000.000 / 3.000.000
Michel-Nr.: GR 1790-91

Der Beitrittsvertrag Griechenlands zur Europäischen Gemeinschaft wurde von Konstantinos Karamanlis, dem damaligen Premierminister Griechenlands, am 28. Mai 1979 unterzeichnet. Der Vertrag trat am 1. Januar 1981 in Kraft, und Griechenland wurde somit das zehnte Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.


- Fortsetzung folgt -

Ergänzungen oder ggf. Korrekturen zu den bereits geposteten Beiträgen lese ich gerne hier.
 
1994

Am 13. November 1994 wurde in Schweden eine konsultative, d. h. nicht bindende Volksabstimmung über den Beitritt des Landes zur Europäischen Union abgehalten. Bei einer Wahlbeteiligung von 83,3 % stimmten 52,3 % für den Beitritt und 46,8 % dagegen. Am 1. Januar 1995 wurde Schweden Mitgliedsstaat der Europäischen Union.

Die schwedische Post hat zum Referendum zweimal ein passendes Briefmarkenset (Aufdrucke „ja“, „nej“) herausgegeben. Die Briefmarken sollten das Interesse an der Abstimmung wecken und die Bedeutung des demokratischen Prozesses hervorheben. Wer wollte, konnte als Schwede so seine politische Gesinnung nach außen tragen.

Warum aber das zweite Set, ausgegeben nach dem Beitritts Schwedens und in farblicher Abwandlung des ersten Sets, auch noch erschien, erschließt sich mir nicht:

Schweden 1994 Referendum 1 Mi SE 1852-53.jpg

Ausgabeland: Schweden
Ausgabeanlass: Referendum zum geplanten Beitritts Schwedens zur Europäischen Union
Ausgabedatum: 01.10.1994
Frankaturwert: 2 x 3,20 Schwedische Kronen
Größe: je 32 mm x 24 mm
Auflage: 7.000.000 / 6.800.000
Michel-Nr.: SE 1852-53

Schweden 1995 Referendum 2 Mi SE 1867-68.jpg

Ausgabeland: Schweden
Ausgabeanlass: Referendum zum geplanten Beitritts Schwedens zur Europäischen Union
Ausgabedatum: 02.01.1995
Frankaturwert: 2 x 3,70 Schwedische Kronen
Größe: je 32 mm x 25 mm
Auflage: 13.300.000 / 14.300.000
Michel-Nr.: SE 1867-68


Polen
emittiert 1994 eine Briefmarke, die den Wunsch des Landes erkennen lässt, irgendwann Beitrittskandidat zur EU zu werden.

Polen 1994 Annäherung Mi PL 3517.jpg

Ausgabeland: Polen
Ausgabeanlass: „Polen und die Europäische Union“
Ausgabedatum: 15.12.1994
Frankaturwert: 6.000 zł
Größe:
Auflage: 1.000.000
Michel-Nr.: PL 3517

Polen hatte 1994 noch keine offizielle Mitgliedschaft oder formale Verbindungen zur Europäischen Union (EU). Zu diesem Zeitpunkt befand sich Polen immer noch im Prozess der politischen und wirtschaftlichen Transition nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Polen hatte jedoch bereits 1991 eine Assoziierungsvereinbarung mit der EU unterzeichnet, die im Rahmen des Europa-Abkommens über Handel, Zusammenarbeit und politische Fragen eine engere Beziehung zur EU ermöglichte.

Diese Assoziierungsvereinbarung diente als Grundlage für den politischen Dialog und den wirtschaftlichen Austausch zwischen Polen und der EU. Sie legte den Grundstein für eine stärkere Integration Polens in die europäischen Strukturen und bereitete den Weg für spätere Verhandlungen über eine mögliche Mitgliedschaft in der EU.

1994 war Polen also noch kein offizieller Kandidat für den EU-Beitritt, aber die Beziehungen zwischen Polen und der EU waren im Rahmen der Assoziierungsvereinbarung bereits im Aufbau begriffen. Polen trat der Europäischen Union schließlich am 1. Mai 2004 bei.


Anmerkung: Wenn es euch „Nur-“Münzensammler hier derzeit verständlicherweise etwas zu briefmarkenlastig ist, dann seid versichert: Ihr werdet noch reichlich auf eure Kosten kommen.
 
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