Medailleur: Victor Huster

Meine erste Münzmotivprobe von Huster ist heute bei mir eingetroffen.

Huster versteht diese "Proben" als Gegenentwürfe zu den in Deutschland ausgeprägten Gedenkmünzen. Je flacher das Profil bzw. Relief sein muss (da man bei modernen Münzen vor allem auf die Umlauffähigkeit achtet), desto weniger Gestaltungsspielraum bleibt den Künstlern. Ich finde, dass wir bei vielen Ausgaben (wenn nicht sogar allen) bereits im rein zweidimensionalen Grafikdesign angekommen sind.

Huster ist der Meinung, dass auch unsere heutigen Prägeanstalten durchaus in der Lage wären, Münzen im Hochrelief, wie z.B. zu Zeiten der Weimarer Republik, herzustellen. Ich denke, dies würde jedoch höhere Kosten und weniger "Ausstoß" mit sich bringen, weshalb das für ein gewinnmaximierendes "Unternehmen" keine Option darstellt.

Das ist im Übrigen auch einer der Grund, mich wieder vermehrt der Medaillenkunst zuzuwenden. Für mich persönlich war schon immer der ästhetische Aspekt beim Münzensammeln (Patina, Ausprägung, Gestaltung) mit im Vordergrund...

Doch genug der ausschweifenden Vorrede.

Zur Beschreibung der Münzmotivprobe aus dem Jahr 2017 mit dem Titel (Sub)tropische Zone zitiere ich Herrn Huster von seiner Homepage:

Münzmotivprobe als Alternative zur offiziellen Münze mit dem Polymerring. Extremes Hochrelief.
Av: Meeresverschmutzung, Wellen. Korallen, Plastikabfälle, Verschmutzung des Meeres durch Tanker, Radioaktivität, Flugzeuge, Abfälle.
Rv: Adler in Wellenstruktur eingebettet.
Die Währungsbezeichnung ist kryptiert. Extremes Hochrelief, das auch bei der staatlichen Münzprägung durchaus angewendet werden könnte.


Die Silbermedaille hat einen Durchmesser von 30mm und wiegt 21,2 Gramm. Sie ist seitlich nummeriert - meine trägt die Nummer 5.

Wie man sehen kann, hat mein Scanner mit spiegelnden Flächen so seine liebe Müh und Not. Ich habe daher mal mit dem Makro meines Handy ein paar Bilder versucht - auch seitlich, so dass man das Hochrelief besser erkennen kann.
 

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Ich habe mit Husters Medaillen Probleme, und diese hier von Dir gezeigte gefällt mir auch überhaupt nicht. Ich mag Motive, die klar gestaltet sind.
 
Ich habe mit Husters Medaillen Probleme, und diese hier von Dir gezeigte gefällt mir auch überhaupt nicht. Ich mag Motive, die klar gestaltet sind.
Die meisten von Husters Arbeiten sind in der Tat sehr "angereichert";) mit Symbolik und eher "unruhig" gestaltet. Wir Menschen sind zum Glück sehr individuell, was unseren Sinn für Ästhetik betrifft. :)

Mir zum Beispiel gefallen beide Pole: die kühlen, klaren Porträtmedaillen aus dem Klassizismus ebenso wie die zeitgenössischen Arbeiten ala Huster oder Zobl. Dafür sprechen mich MedaiIllen aus dem Barock oder Rokoko nicht an...
 
Ich wünschte, wir würden die gezeigte Medaille im richtigen Thread zu Victor Huster besprechen und nicht hier anlässlich eines Werkstattbesuches. Vielleicht kann ein Moderator diese Diskussion ja entsprechend verschieben.

Was Huster angeht, so bin ich froh, dass B555andi diese Threads jüngst wieder hochgeholt hat, weil ich selbst auch schon daran gedacht hatte, Huster mal wieder zu thematisieren. Ich persönlich halte Huster für den interessantesten Medailleur, der derzeit hierzulande aktiv ist. Über Ästhetik lässt sich natürlich streiten, aber interessant sind seine Arbeiten zweifellos.

Auch wenn Medaillen bisher nicht so mein Sammelgebiet waren, habe ich tatsächlich auch schon überlegt, mir einige Arbeiten von Huster zuzulegen. Man muss allerdings sagen, dass seine Medaillen zu echt hohen Preisen gehandelt werden. Das schmerzt einem dann doch ganz ordentlich im Geldbeutel...

Was die hier vorgelegte Probe angeht, so bin ich ehrlichgesagt froh, dass ein anderer Entwurf den Wettbewerb zur (sub-)tropischen Zone gewonnen hat - nicht etwa weil ich den Entwurf überladen oder unästhetisch fände (was beides wohl so vom Künstler beabsichtigt ist), sondern weil ich ganz einfach finde, dass der Entwurf am Thema vorbeigeht. Es handelt sich ja mehr oder weniger um eine Aufzählung allgemeiner Umweltgefahren für das Meer - unabhängig davon in welcher Klimazone das nun genau Meer liegt. Außerdem finde ich den Entwurf ehrlichgesagt ganz schön dystopisch. Er erinnert mich in seinem Pessimismus an Serien wie "Telerop 2009", siehe hier:

So hat man sich Mitte der 70er Jahre das Leben in 2009 vorgestellt. Grund hierfür waren die düsteren Prognosen des "Club of Rome", welche letztlich geradezu lächerlich weit an der Realität vorbeigingen, was sich auch in der Serie zeigt.
 
Ich wünschte, wir würden die gezeigte Medaille im richtigen Thread zu Victor Huster besprechen und nicht hier anlässlich eines Werkstattbesuches. Vielleicht kann ein Moderator diese Diskussion ja entsprechend verschieben.

Was Huster angeht, so bin ich froh, dass B555andi diese Threads jüngst wieder hochgeholt hat, weil ich selbst auch schon daran gedacht hatte, Huster mal wieder zu thematisieren. Ich persönlich halte Huster für den interessantesten Medailleur, der derzeit hierzulande aktiv ist. Über Ästhetik lässt sich natürlich streiten, aber interessant sind seine Arbeiten zweifellos.

Auch wenn Medaillen bisher nicht so mein Sammelgebiet waren, habe ich tatsächlich auch schon überlegt, mir einige Arbeiten von Huster zuzulegen. Man muss allerdings sagen, dass seine Medaillen zu echt hohen Preisen gehandelt werden. Das schmerzt einem dann doch ganz ordentlich im Geldbeutel...

Was die hier vorgelegte Probe angeht, so bin ich ehrlichgesagt froh, dass ein anderer Entwurf den Wettbewerb zur (sub-)tropischen Zone gewonnen hat - nicht etwa weil ich den Entwurf überladen oder unästhetisch fände (was beides wohl so vom Künstler beabsichtigt ist), sondern weil ich ganz einfach finde, dass der Entwurf am Thema vorbeigeht. Es handelt sich ja mehr oder weniger um eine Aufzählung allgemeiner Umweltgefahren für das Meer - unabhängig davon in welcher Klimazone das nun genau Meer liegt. Außerdem finde ich den Entwurf ehrlichgesagt ganz schön dystopisch. Er erinnert mich in seinem Pessimismus an Serien wie "Telerop 2009", siehe hier:

So hat man sich Mitte der 70er Jahre das Leben in 2009 vorgestellt. Grund hierfür waren die düsteren Prognosen des "Club of Rome", welche letztlich geradezu lächerlich weit an der Realität vorbeigingen, was sich auch in der Serie zeigt.
Oh, danke für den Hinweis :) . Das war mein Fehler, dass ich im falschen Thread gepostet hatte. Ich werde die Posts verschieben.

Übrigens ist der Entwurf von Huster nicht im Wettbewerb gewesen. Diese Arbeiten laufen als Gegenentwürfe außerhalb eigenständig.
 
Bei der Gelegenheit möchte ich eine weitere Medaille von Huster mit der Thematik Münzvereine bzw. Numismatikertreffen vorstellen. Er wurde und wird oft mit Medaillen zu solchen Anlässen beauftragt.

Die nun vorgestellte Medaille wurde vom Württembergischen Verein für Münzkunde in Auftrag gegeben. Anlass waren der 19. Numismatikertag sowie das 36. Süddeutsche Münzsammlertreffen, die 2001 in Stuttgart stattfanden. Die Eule ist übrigens das Signet des Vereines.

Die Kupfermedaille hat einen Durchmesser von 50mm und wieget 51,8 Gramm.
 

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Übrigens ist der Entwurf von Huster nicht im Wettbewerb gewesen. Diese Arbeiten laufen als Gegenentwürfe außerhalb eigenständig.
Achso, alles klar! Ich dachte, der Entwurf wäre im Wettbewerb gewesen. Oft genug ist Herr Huster ja in den Wettbewerben vertreten und ab und an gewinnt er ja sogar, wenn auch (in Anbetracht seiner künstlerischen Schaffenskraft) verhältnismäßig selten.

Nun weiß ich nicht, wie lukrativ diese Wettbewerbe für die Sieger sind, aber manchmal denke ich, dass es einen künstlerisch fast schon beschädigen kann, wenn man diese Wettbewerbe der Münze Deutschland gewinnt. Die meisten Siegerentwürfe gelten ja doch als relativ unkreativ - und in der Tat: Viele Siegerentwürfe von Herrn Huster stehen seinen freien Entwürfen aus meiner Sicht weit nach. Seine wirklich interessanten Arbeiten findet man jedenfalls fernab der Vorgaben durch die Bundesregierung.

Von daher denke ich, dass Herr Huster schon seine Gründe dafür haben wird, an diesen Wettbewerben teilzunehmen (Bekanntgheit, Tantiemen, etc.), wer wirklich an seinen Arbeiten interssiert ist, wird sich aber vermutlich eher seinen anderen Entwürfen zuwenden.
 
Wenn ich das richtig im Gedächtnis habe, so wird nur eine kleine Zahl Künstler direkt aufgefordert, sich am Wettbewerb zu beteiligen. Also ein beschränkter Teilnahmewettbewerb. Für die Teilnahme gibt es eine Aufwandsentschädigung, für einen siegreichen Entwurf natürlich die vollen Tantiemen.

Da die Gedenkmünzen keine Möglichkeit bieten, im Hochrelief zu arbeiten, geht ein Großteil der gestalterischen Möglichkeiten verloren.

Er hat ja nicht nur in Deutschland Münzen gestaltet - in Israel waren/sind(?) Umlaufmünzen von ihm. Auf seiner Homepage hat er da einiges zusammengestellt. Auch Entwürfe, die nicht realisiert wurden.
 
Vielen Dank für die Vorstellung der Stücke. Ich finde Husters Ansatz interessant, von vorneherein Gegenentwürfe zu schaffen. Ich hatte mich manchmal schon gefragt, wieso er so auf seinem individuellen Stil beharrt, wenn er seit der dem Einschekelstück von 1981 und der Umweltschutzmünzevon 1982 nie mehr angenomme wurde.An den Umstand, dass er es gar nicht darauf anlegt, in einem der Wettbewerbe zu gewinnen, sonden nur zeigen möchte, was machbar ist, wäre ich nicht gekommen.
 

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