Warum großer weißer Streifen auf Münzen diesen Typ's?

Ich würde mich nicht auf eine Augenzeugenaussage verlassen. Vielleicht hat er sich auch vertan...
Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es Justierspuren sind und der Handjustierapparat passt am besten zu den vorhandenen Spuren.
Entschuldige bitte die späte Antwort. Ich bin der Meinung, man kann den Fachbericht eines Münzbeamten nicht leichtfertig abtun.
 
Die Bayernstreifen habe ich auch schon auf MTTs gesehen und nun bin ich beim heraussuchen einer Hafner Nummer über ein Bild eines justierten Rohlings gestoßen.
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wieso ist die Vertiefung bräunlich?

Ganz einfach: bei einem justierten geprägten Rohling (also einer Münze) patiniert nur der Rest des Metalls. Der justierte Bereich bleibt unpatiniert und bildet den weißen Streifen. Hingegen ein justierter ungeprägter Rohling verhält sich genau umgekehrt. :p
 
Ganz einfach: bei einem justierten geprägten Rohling (also einer Münze) patiniert nur der Rest des Metalls. Der justierte Bereich bleibt unpatiniert und bildet den weißen Streifen. Hingegen ein justierter ungeprägter Rohling verhält sich genau umgekehrt. :p
Danke, Du hast meine gedankliche Richtung verstanden. Das Bild zeigt aber noch ein wichtiges Indiz: Die Teilabbildung rechts unten zeigt wohl eine Marerialverdichtung bzw. -Scherung. Wir gehen ja ungeprüft davon aus, dass diese Materialveränderung auch noch erhalten bleibt, nachdem das Metall (Silber und Gold??) nach der druckinduzierten Kaltverflüssigung aus der Prägemaschine kommt. Dazu ist ja auch die Druckverteilung höchst unterschiedlich, die auf das Metall wirkt. Auch da gehen wir davon aus, dass dieser Kraftgradient komplett unabhängig ist von dem letztlich homogenen Erscheinungsbildes des Streifens quer über das Münzfeld. Und die letzte Annahme wäre, dass dieser Silberbereich dann irgendwie "immun" ist gegen umweltbedingte Schwefelionen.

Ihr versteht, dass ich diese Annahmen nicht ungeprüft folgen kann. Ich hoffe, die Sommerpause ist bald vorbei und erreiche mal endlich jemanden bei entsprechenden Instituten. Ich überlege auch selbst justierte Ronden zu prägen und vorher-nachher-Bilder zu machen.
 
Ganz einfach: bei einem justierten geprägten Rohling (also einer Münze) patiniert nur der Rest des Metalls. Der justierte Bereich bleibt unpatiniert und bildet den weißen Streifen. Hingegen ein justierter ungeprägter Rohling verhält sich genau umgekehrt. :p
Moin Moin,
damit das auch gelingt, gehe davon aus, dass man dem Metall für dieses "verdrehte" Verhalten eine entsprechend besondere Vorschrift mit auf den Weg geben musst ;) .
 
Umso mehr man sich mit unseren „Bayernstreifen“ beschäftigt, desto öfter sieht man diese Justierstreifen auch bei anderen Münzen aus der Zeit.
Hier 1 Dinar Serbien 1897
 

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Moin in die Runde,

ich habe Neuigkeiten. Vorweg: Es ist mit allergrößter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Streifen NICHT unsächlich von der Prägestätte stammen, also auch keine "Justirspuren".

Ich selbst hatte die Gelegenheit gehabt mich mit Peter Hammer (Buchautor von Metall & Münze, Metallexperte) u.a. auch über das Thema Bayernstreifen auszutauschen. Ich hatte Bilder im Großformat mitgenommen, ebenso das Bild von AHack von der justierten Ronde des MTT-Talers. Peter meinte direkt, dass es nach typisch chemischen Einfluss aussieht.

Gleichzeitig hatte ich bei Robert Lehmann angefragt, auch ob man die Oberfläche entsprechender Stücke mikroskopisch untersuchen könnte. Robert Lehmann hat mir wie folgt geantwortet (Erlaubnis zum zitieren habe ich erhalten):

Hallo Herr Kreul,

[...] Ich habe mich erkundigt. Es gab hier in München einen Kaiserreichs-Sammler, welcher sich sehr intensiv mit diesen Sreifen beschäftigt hat und dem sogar mit der Münzstätte München nachgegangen ist. Das Archiv der Münzstätte und die Prägetechniker konnten - laut den mündlichen Berichten an mich - die Ursache nicht klären, schließen jedoch eine Entstehung in der Münzstätte als weniger unwahrscheinlich fast [??] aus. Es gab da einen alten Mitarbeiter, der sich intensiv mit der historischen Prägetechnik im alten Gebäude der Kaiserzeit beschäftigt hat und die museualen Prägemaschinen betreute (lebt nicht mehr, bericht der Münzstätte). Auch er sah es offenbar nicht als Folge des Herstellungsprozesses. Meine Theorie, dass es sich um Reste von Klebestreifen handelt, fand man dagegen in der akuellen Diskussion sympathisch, da besonders die Bayern Silbermünzen bekannterweise in Bayern (Bayern überstand die Weltkrieg noch am besten von allen, viel Wohlstand blieb erhalten) viel in zusammengestellten Rollen gehortet wurden, die irgendwie zusammengebunden wurden. Ein Münzhändler erinnerte sich, dass er häufig solche Rollen hatte und die mit Klebestreifen sicherte, so dass die oberste und unterste Münzen einen Abdruck hatten. Die damals benutzen Kleber waren nicht so agressiv wie heute (zB Knochenleim) und schützen laut meiner Einschätzung als Chemiker die Oberfläche vor Patinierung. Ähnliche Streifen habe ich selber bei Morgan Dollars gesehen, welche auch gerne in selbstgedrehten Rollen gehortet wurden. Diese Erklärung halte ich für die wahrscheinlichste, meine Diskussionspartner in München folgten dieser Erklärung weitestgehend. Ich halte eine Oberflächenanalyse für nicht gewinnbringend, da organische Bestandteile längst zersetzt und abgerieben sein dürften. Auch die Ausprägung der Streifen sieht für mich aus wie Klebereste oder Anhaftungsreste einer Verhüllung/Folienanhaftung. Manche Spuren sehen wie Abreißspuren aus, wie typisch für Klebeband. Wie Justierspuren sieht es für mich weniger aus, vor allem weil sie eine große Varianz zeigen und so oberflächlich, ganz ohne für Justierung typische Kratzspuren sind (soweit auf Fotos erkennbar). Bei einem ja nachgewiesenen Apparat müssten die Spuren deutlich ähnlicher sein, vor allem diese Abreißspuren wären damit schwer zu erklären. Aber natülich bleiben andere Erklärungen legitim.

Ich hoffe Ihnen damit ein paar Impulse geliefrt haben zu können.

Viele Grüße,
Robert Lehmann


Peter hatte ich daraufhin auch Lehmanns Antwort weitergeleitet und er bestärkte mich darin, dass ich mich auf seine (Lehmanns) Antwort verlassen könne.

Ich selbst war dem Ausgang offen eingestellt, obwohl ich immer vermutet hatte, das es sich um zwei verschiedenen Dinge handelte: Es gibt sowohl (1) Reste von Justierspuren auf den geprägten Münzen, als auch (2) rein oberflächlich behandelte Metallflächen, die eine nachträglich Patinierung verhindern.

Zu (1) habe ich selbst mit Kees und Peter in der Münzwerkstatt in Zschopau Münzen aus fehlerhaften Rohlingen geprägt. Fazit: gibt es vorher eine Riefe, dann bleibt sie später auch, wenn der Prägedruck (zB am Rand) zu gering war (siehe Anlage "Walzfehler"). Meine hier in #425 vielleicht ironisch anzumutende Bemerkung, warum die Vertiefung auf der MTT-Ronde bräunlich ist, blieb unbeantwortet. Antwort: Sie ist bräunlich, weil durch die unregelmäßige Oberfläche selbige eine viel größere Angriffsfläche ggü. Umweltbedingungen bietet, somit auch eine Patinierung begünstigt wurde. Das Bild ist daher eher ein Beleg dafür, dass man eine Justierung als Ursache von den "Bayernstreifen" ausschließen kann.

Zu (2) Das Metall, was zur Prägung von Münzen genutzt wird, wird durch den Druck des Stempels in seinem Metallgitter plastisch verformt und es bildet sich eine homogene Oberfläche aus, die diesen so schönen irisierenden Stempelglanz aufweist. Wieso sollen ausgerechnet an bestimmten Stellen, wo zuvor eine Justierung des Rohlings stattgefunden hat, eine Patinierung ausbleiben? Wenn wir allerdings an einer fertigen Münze eine Deckschicht aus Vaseline, Kleber oder Lack (Zaponlack!) auftragen würden, dann würden wir die Oberfläche ggü. Umwelteinflüssen abschirmen und isolieren. Als Fazit konservieren wir dort die Oberfläche, jungfräulich wie aus der Präge.

Ich hoffe, ich habe zur Lösung des Themas beigetragen und wir können "die Sache" nun schließen:
Der Bayernstreifen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Resultat von einer unfreiwilligen partiellen, chemischen Konservierungsmaßnahme von fertig ausgeprägten Münzen.
 

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