Caracalla, 197-217 nach Christus. Römische Provinzialprägungen. Moesia Inferior, Bronze mit Malachitpatina oder: es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen – Bilder sagen mehr, als viele Worte, an denen es hier auch nicht mangeln soll.
Patina, das ist eine mehr oder weniger dünne Schicht, die sich auf Oberflächen von Materialien wie Kupfer, Messing, Bronze, Silber und sogar Gold im Laufe der Zeit durch Alterung, Verwitterung, Oxidation und anderen chemisch-physikalischen Reaktionen bilden kann. Materialaustrag spielt hier auch oft eine Rolle.
Passiert so was unplanmäßig kann eine ganze Menge schief gehen und genau das tut es mit nahezu gesetzmäßiger Wahrscheinlichkeit und Regelmäßigkeit.
Bei Gold und schon weit weniger bei Silber sind die Chancen, dass die Patina dünn und ebenmäßig genug bleibt, ohne dass die Münze zerfressen wird noch am größten.
Je geringer der Silberanteil wird, desto schwerer wird es, nicht korrodierte (nicht zerfressene) Münzen zu finden. Unsachgemäße Reinigung tut ein Übriges. Selbst manche „fachmännische“ Reinigung verschlechtert Münzen deutlich, auch wenn sie noch so sehr den auf Unkenntnis basierenden, mutmaßlichen Eigentümerwillen repräsentiert. Viele Museen machen es auch nicht besser.
Kupfer, Messing und Bronze und das in ansprechender Erhaltung und in Verbindung mit edler, absolut unbehandelter Patina – eine Fiktion, ein Ideal, ein schier unerreichbares Narrativ - das könnt ihr knicken, wenn ihr (nehmen wir mal Rom des 4. Jahrhunderts aus) ein Gebiet wie römische Provinzialprägungen, griechische Bronzen oder römische Bronzen der Republik und des Kaiserreiches bis etwa 250 nach Christus „beackert“ und eine Sammlung zusammenstellen wollt, die mehr als ein, zwei, drei, vier oder fünf Münzen beinhaltet. Die Dicke der Brieftasche kann überhaupt erst dann zum „Problem“ werden, wenn ihr so was zufällig findet. Danach suchen und dann schnell finden, mit dem Glück könnte man - gerade bei den im Vergleich zu den Reichsprägungen teils sehr seltenen Provinzialbronzen besser Lotto spielen.
Was die Patina angeht, so sollte sich jeder lange vor einem Kauf informieren und so die verlässliche Basis dafür haben, seine persönlichen Anforderungen zu definieren und sobald diese erfüllt sind und auch die Qualitätsanforderungen stimmen - freudig zugreifen. Ohne quälende Fragen, ohne Reue. Schließlich sammelt man Münzen und keine Zweifel.
Ich habe mir auch Zeit gelassen.
Spezialsammlern war sie entweder zu teuer oder nicht perfekt genug oder einfach "zu schön, um wahr zu sein" - ich weiß es nicht. Auch möglich, dass sie qualitativ so sehr herasusragte, dass sie - neben anderen Münzen liegend - störende Unterschiede offenbart hätte. Ich kann es mir nicht erklären.
Für mich war es ein Schnapper. Die passt qualitativ zu meinem Quadranten aus dem zweiten punischen Krieg. Den hatte ich in den 90ern beim Kuenker vor Ort besichtigt und am selben Tag für 750 DM plus Zuschlägen im Saal ersteigert. Und danach nie wieder was besseres an Römerbronzen aus der Zeit gesehen, weswegen der lange Zeit sehr einsam war. 750 DM plus Zuschläge waren damals etwa 50 Gramm Gold. So viel habe ich für den Caracalla nicht bezahlt. Weder nominal, noch real.
Auf 2BS habe ich die letzten Wochen etwa 12.000 Provinzialprägungen und hunderte Sesterzen und andere römische Bronzen angesehen, nachdem mir die hier vorgestellte Münze schon vor längerer Zeit „über den Weg gelaufen ist“. Und ich immer wieder drauf gestoßen bin. Erst danach habe ich die gekauft. Der Verkäufer war so freundlich und gestattete mir nach dem Kauf das Foto des Angebotes dort zu verwenden, hat dann aber das Angebot leider gelöscht, sodass es nichts bringt, wenn ich die Nummer hier reinschreibe. Schade drum, denn selten war ich mit einer Münze so zufrieden. Ich respektiere das und nenne den Namen nicht. Spezialsammler wüssten es sowieso. Ich selbst habe es nicht hingekriegt, es so wie es wirklich wirkt zu fotografieren. Weder bei Sonnenlicht aus verschiedenen Richtungen, noch bei Tageslicht ohne direkte Sonneneinstrahlung. In „echt“ ist die Münze sogar noch besser, als das im Vergleich zu meinen drei Fotos qualitativ hervorragende Verkäuferfoto.
Die Mehrzahl von Patina heißt Patina, Patinas oder Patinen. Ich bleibe bei Patina. Ich habe mir nach der Entdeckung der Münze wirklich viel Arbeit gemacht, um rauszukriegen, was eine qualitativ hochwertige, grüne Patina ist und ob und wie man Bearbeitungsspuren erkennt. Letzteres ist schwer. Bei gleichgerichteten, dünnen Kratzern, die immer wieder mal die Richtung ändern, ist alles klar: geglättet, gescharbt, überarbeitet, teils werden sie auch nachgeschnitten und nachpatiniert. Raue Stellen: Gestrahlt oder nicht gestrahlt – das ist hier die Frage. Blankes Metall: Grundwasser-, Quell- oder Flussfund oder Totalreinigung. Fast alles ist möglich.
Prägeriefen in Verbindung mit kräftig ausgeprägten, nach oben hin nicht messerscharf zulaufenden Buchstaben oder anderen Details und fehlenden Kratern/Löchern in den Feldern – deuten (wir kennen es von den antiken Silbermünzen) auf eine hervorragende Substanz hin. Da befinden wir uns bereits gefühlt in den oberen zwei Prozent. Egal, ob die vorher mal blank gemacht wurde und dann schön nachgedunkelt sind oder ob sie so im Boden oder in Gefäßen oder eingemauert gefunden wurden.
Unter allem, was ich auf 2BS gesehen habe sind vielleicht 10 bis 20 Münzen mit gleichermaßen unbearbeiteter und nicht entstellend korrodierter Patina in dem Sinne, dass noch die komplett in Patina übergegangene Münzhaut drauf ist.
24 Ausschnitte je 250 x 250 Pixel in 6 Reihen, extreme Vergrößerungen von patinierten Münzen mit Malachitpatina, immer nur ganz kleine Details als Anregung für weitere wissenschaftliche (metallurgisch-numismatische) Forschungszwecke (für die, die es interessant finden) füge ich an. Nicht die Münze oder das Ursprungswerk und dessen Aussage zählen hier, sondern ausschließlich die Struktur der meiner Ansicht nach wirklich antiken Patina. Zu dem Foto mit den Ausschnitten:
Obere beide Reihen: Mein Stück, extrem vergrößerte, überarbeitete)* Details
3. Reihe: extrem vergrößerte und überarbeitete Ausschnitte eines Netzfundes aus einer Privatsammlung
4. und 5. Reihe: extrem vergrößerte und überarbeitete Ausschnitte eines feinen Sesterzen aus dem www. Das Stück wirkt wie ss-vz ist meiner Ansicht aber schwach ausgeprägt und seinem Wesen nach bankfrisch, leider mit einer deutlichen, antiken Prüfspur auf der Rückseite. Ich nenne diese Qualität der Patina noch authentisch. Wie bei meinem Stück, nur noch deutlich ausgeprägter sind Prägeriefen erkennbar. Ohne die Prüfspur / den Prüfhieb hätte ich den sofort genommen.
6. Reihe: die ersten drei von links: ganz, ganz großes Kino. Meiner Ansicht nach leicht überarbeitet. Dennoch: TOP. Der brachte vor Jahren auf einer Auktion deutlich mehr, als das Jahres-Netto eines Normalverdieners. Da sind die „big boys“ und die „wise guys mit den tiefen Taschen“ ganz unter sich…
Bis hier sind wir gefühlt bei den oberen ein bis zwei Promille, was die Qualität der Patina angeht.
6. Reihe rechtes Bild: ganz klar überarbeitet. Da war vorher vielleicht eine grüne, pulvrige nicht fest anhaftende Patina drauf. Dennoch hat es dieses Stück auf der Titelseite eines der bedeutendsten Museen dieser Welt geschafft, was Antiken angeht. Ich weiß: auch den hätte jeder (mich eingeschlossen) gerne in der Hand und auch in der Sammlung, denn: die Vergrößerungen sind wirklich abartig. Aber so ist das, wenn man es um des reinen Wissens Willen wissen will.
Viel Freude beim Betrachten!
)* Schärfe, Auflösung, Kontraste, Helligkeit, Farbintensität Pixelanzahl – ich hab´s so angepasst, dass man möglichst viel erkennen kann und es dem „Original in der Hand“ sehr nahe kommt – um das Maximum an Information rauszuholen. Weil: was „top“ ist, bleibt „top“.
Patina, das ist eine mehr oder weniger dünne Schicht, die sich auf Oberflächen von Materialien wie Kupfer, Messing, Bronze, Silber und sogar Gold im Laufe der Zeit durch Alterung, Verwitterung, Oxidation und anderen chemisch-physikalischen Reaktionen bilden kann. Materialaustrag spielt hier auch oft eine Rolle.
Passiert so was unplanmäßig kann eine ganze Menge schief gehen und genau das tut es mit nahezu gesetzmäßiger Wahrscheinlichkeit und Regelmäßigkeit.
Bei Gold und schon weit weniger bei Silber sind die Chancen, dass die Patina dünn und ebenmäßig genug bleibt, ohne dass die Münze zerfressen wird noch am größten.
Je geringer der Silberanteil wird, desto schwerer wird es, nicht korrodierte (nicht zerfressene) Münzen zu finden. Unsachgemäße Reinigung tut ein Übriges. Selbst manche „fachmännische“ Reinigung verschlechtert Münzen deutlich, auch wenn sie noch so sehr den auf Unkenntnis basierenden, mutmaßlichen Eigentümerwillen repräsentiert. Viele Museen machen es auch nicht besser.
Kupfer, Messing und Bronze und das in ansprechender Erhaltung und in Verbindung mit edler, absolut unbehandelter Patina – eine Fiktion, ein Ideal, ein schier unerreichbares Narrativ - das könnt ihr knicken, wenn ihr (nehmen wir mal Rom des 4. Jahrhunderts aus) ein Gebiet wie römische Provinzialprägungen, griechische Bronzen oder römische Bronzen der Republik und des Kaiserreiches bis etwa 250 nach Christus „beackert“ und eine Sammlung zusammenstellen wollt, die mehr als ein, zwei, drei, vier oder fünf Münzen beinhaltet. Die Dicke der Brieftasche kann überhaupt erst dann zum „Problem“ werden, wenn ihr so was zufällig findet. Danach suchen und dann schnell finden, mit dem Glück könnte man - gerade bei den im Vergleich zu den Reichsprägungen teils sehr seltenen Provinzialbronzen besser Lotto spielen.
Was die Patina angeht, so sollte sich jeder lange vor einem Kauf informieren und so die verlässliche Basis dafür haben, seine persönlichen Anforderungen zu definieren und sobald diese erfüllt sind und auch die Qualitätsanforderungen stimmen - freudig zugreifen. Ohne quälende Fragen, ohne Reue. Schließlich sammelt man Münzen und keine Zweifel.
Ich habe mir auch Zeit gelassen.
Spezialsammlern war sie entweder zu teuer oder nicht perfekt genug oder einfach "zu schön, um wahr zu sein" - ich weiß es nicht. Auch möglich, dass sie qualitativ so sehr herasusragte, dass sie - neben anderen Münzen liegend - störende Unterschiede offenbart hätte. Ich kann es mir nicht erklären.
Für mich war es ein Schnapper. Die passt qualitativ zu meinem Quadranten aus dem zweiten punischen Krieg. Den hatte ich in den 90ern beim Kuenker vor Ort besichtigt und am selben Tag für 750 DM plus Zuschlägen im Saal ersteigert. Und danach nie wieder was besseres an Römerbronzen aus der Zeit gesehen, weswegen der lange Zeit sehr einsam war. 750 DM plus Zuschläge waren damals etwa 50 Gramm Gold. So viel habe ich für den Caracalla nicht bezahlt. Weder nominal, noch real.
Auf 2BS habe ich die letzten Wochen etwa 12.000 Provinzialprägungen und hunderte Sesterzen und andere römische Bronzen angesehen, nachdem mir die hier vorgestellte Münze schon vor längerer Zeit „über den Weg gelaufen ist“. Und ich immer wieder drauf gestoßen bin. Erst danach habe ich die gekauft. Der Verkäufer war so freundlich und gestattete mir nach dem Kauf das Foto des Angebotes dort zu verwenden, hat dann aber das Angebot leider gelöscht, sodass es nichts bringt, wenn ich die Nummer hier reinschreibe. Schade drum, denn selten war ich mit einer Münze so zufrieden. Ich respektiere das und nenne den Namen nicht. Spezialsammler wüssten es sowieso. Ich selbst habe es nicht hingekriegt, es so wie es wirklich wirkt zu fotografieren. Weder bei Sonnenlicht aus verschiedenen Richtungen, noch bei Tageslicht ohne direkte Sonneneinstrahlung. In „echt“ ist die Münze sogar noch besser, als das im Vergleich zu meinen drei Fotos qualitativ hervorragende Verkäuferfoto.
Die Mehrzahl von Patina heißt Patina, Patinas oder Patinen. Ich bleibe bei Patina. Ich habe mir nach der Entdeckung der Münze wirklich viel Arbeit gemacht, um rauszukriegen, was eine qualitativ hochwertige, grüne Patina ist und ob und wie man Bearbeitungsspuren erkennt. Letzteres ist schwer. Bei gleichgerichteten, dünnen Kratzern, die immer wieder mal die Richtung ändern, ist alles klar: geglättet, gescharbt, überarbeitet, teils werden sie auch nachgeschnitten und nachpatiniert. Raue Stellen: Gestrahlt oder nicht gestrahlt – das ist hier die Frage. Blankes Metall: Grundwasser-, Quell- oder Flussfund oder Totalreinigung. Fast alles ist möglich.
Prägeriefen in Verbindung mit kräftig ausgeprägten, nach oben hin nicht messerscharf zulaufenden Buchstaben oder anderen Details und fehlenden Kratern/Löchern in den Feldern – deuten (wir kennen es von den antiken Silbermünzen) auf eine hervorragende Substanz hin. Da befinden wir uns bereits gefühlt in den oberen zwei Prozent. Egal, ob die vorher mal blank gemacht wurde und dann schön nachgedunkelt sind oder ob sie so im Boden oder in Gefäßen oder eingemauert gefunden wurden.
Unter allem, was ich auf 2BS gesehen habe sind vielleicht 10 bis 20 Münzen mit gleichermaßen unbearbeiteter und nicht entstellend korrodierter Patina in dem Sinne, dass noch die komplett in Patina übergegangene Münzhaut drauf ist.
24 Ausschnitte je 250 x 250 Pixel in 6 Reihen, extreme Vergrößerungen von patinierten Münzen mit Malachitpatina, immer nur ganz kleine Details als Anregung für weitere wissenschaftliche (metallurgisch-numismatische) Forschungszwecke (für die, die es interessant finden) füge ich an. Nicht die Münze oder das Ursprungswerk und dessen Aussage zählen hier, sondern ausschließlich die Struktur der meiner Ansicht nach wirklich antiken Patina. Zu dem Foto mit den Ausschnitten:
Obere beide Reihen: Mein Stück, extrem vergrößerte, überarbeitete)* Details
3. Reihe: extrem vergrößerte und überarbeitete Ausschnitte eines Netzfundes aus einer Privatsammlung
4. und 5. Reihe: extrem vergrößerte und überarbeitete Ausschnitte eines feinen Sesterzen aus dem www. Das Stück wirkt wie ss-vz ist meiner Ansicht aber schwach ausgeprägt und seinem Wesen nach bankfrisch, leider mit einer deutlichen, antiken Prüfspur auf der Rückseite. Ich nenne diese Qualität der Patina noch authentisch. Wie bei meinem Stück, nur noch deutlich ausgeprägter sind Prägeriefen erkennbar. Ohne die Prüfspur / den Prüfhieb hätte ich den sofort genommen.
6. Reihe: die ersten drei von links: ganz, ganz großes Kino. Meiner Ansicht nach leicht überarbeitet. Dennoch: TOP. Der brachte vor Jahren auf einer Auktion deutlich mehr, als das Jahres-Netto eines Normalverdieners. Da sind die „big boys“ und die „wise guys mit den tiefen Taschen“ ganz unter sich…
Bis hier sind wir gefühlt bei den oberen ein bis zwei Promille, was die Qualität der Patina angeht.
6. Reihe rechtes Bild: ganz klar überarbeitet. Da war vorher vielleicht eine grüne, pulvrige nicht fest anhaftende Patina drauf. Dennoch hat es dieses Stück auf der Titelseite eines der bedeutendsten Museen dieser Welt geschafft, was Antiken angeht. Ich weiß: auch den hätte jeder (mich eingeschlossen) gerne in der Hand und auch in der Sammlung, denn: die Vergrößerungen sind wirklich abartig. Aber so ist das, wenn man es um des reinen Wissens Willen wissen will.
Viel Freude beim Betrachten!
)* Schärfe, Auflösung, Kontraste, Helligkeit, Farbintensität Pixelanzahl – ich hab´s so angepasst, dass man möglichst viel erkennen kann und es dem „Original in der Hand“ sehr nahe kommt – um das Maximum an Information rauszuholen. Weil: was „top“ ist, bleibt „top“.
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