Der Putzteufel war da

Ich nehme Ihren Kommentar zum Anlass, diesen interessanten Artikel, der in einer Fachzeitschrift erschienen ist, zu veröffentlichen.

Moderne Techniken zum Auffinden von Fälschungen​

Von aufgeklebtem „Wüstenschmutz“ bis hin zu Korrosionstests im Labor arbeiten Experten daran, künstlich patinierte Münzen zu erkennen, bevor sie Sammler täuschen.​


Wie erkennt man, ob die Patina einer jahrhundertealten Münze echt ist? Kann man erkennen, ob eine Münze echt ist oder ob es sich um eine geschickt hergestellte Fälschung handelt? Diese Fragen sind nicht neu. Vielmehr geht es um einige Möglichkeiten, wie einer echten oder gefälschten Münze künstliche Patina hinzugefügt werden kann, und um die Methoden zur Erkennung solcher Fälschungen, die sich ständig ändern.

Nicht jeder, der wissentlich Münzen mit künstlicher Patina verkauft, versucht, diese Tatsache zu vertuschen. Doch einige der Möglichkeiten, eine solche Münze ohne Lügen zu beschreiben, sind wenig bekannt. Beschreibungen wie Hispania-Patina oder Wüstenpatina sind oft sorgfältig ausgearbeitete Versuche, die Tatsache zu vertuschen, dass „erdiger Schmutz“ auf einer Münze haftet. Manchmal kann man eine Fälschung erkennen, indem man eine Münze Wasser aussetzt oder Vertiefungen unter starker Vergrößerung auf verbliebenen „originalen“ Schmutz untersucht. Dafür braucht man aber die Ausrüstung und die Zeit.

Leider haben sich die Methoden zum künstlichen Korrosions- oder Patina-Aufbringen auf Münzen verbessert. Manchmal erledigen handelsübliche Chemikalien die Drecksarbeit. Die JAX Chemical Company aus Mount Vernon im Bundesstaat New York stellt beispielsweise Lösungen zur Metallveredelung und -politur her. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „die Heimat der grünen Patina“ und erklärt: „Kunsthandwerker und Handwerker verlassen sich bei Restaurierungen, Reproduktionen und aktuellen Arbeiten auf JAX.“ Leider sind Kunsthandwerker und Handwerker nicht die einzigen, die JAX-Produkte verwenden. Dies tun auch skrupellose Menschen, die ältere Münzen verkaufen.

Moderne Wissenschaft wird eingesetzt, um gefälschte Patina auf Münzen zu erkennen. In einem Artikel des International Journal of Electrochemical Science (IJES) vom Dezember 2021 mit dem Titel „Korrosionsverhalten von Münzen in künstlicher Schweißlösung: Eine Übersicht“ untersuchten die Autoren künstlichen Schweiß auf Münzen mithilfe chemischer und elektrochemischer Techniken.

Laut der Arbeit wurden „die von den Münzen in künstlicher Schweißlösung freigesetzten Ionen analysiert. Die Oberflächenmorphologie der Münzen wurde vor und nach dem Eintauchen in die künstliche Schweißlösung mittels Rasterelektronenmikroskopie und energiedispersiver Röntgenanalyse untersucht . Darüber hinaus wurden die Korrosionsprodukte auf ihren Oberflächen nach dem Eintauchen in die künstliche Schweißlösung mittels Röntgenstreuung analysiert.“

Die Forscher kommentierten: „Das Münzmaterial und die Dauer der Umwälzung beeinflussen den Verlust des ursprünglichen Aussehens, der Farbe und der klaren Vertiefungen auf der Oberfläche. Dieses Verhalten wird hauptsächlich durch menschlichen Schweiß verursacht, der die Oberfläche der Münze allmählich zerstört.“

Das National Institute of Standards and Technology (NIST) geht nun noch einen Schritt weiter und arbeitet an einer Methode, um jahrhundertealte Münzen von Fälschungen zu unterscheiden. NIST begründet die Echtheitsprüfung von Münzen damit, dass „Wissenschaftler sich auf sie verlassen, um die wirtschaftliche, politische und wissenschaftliche Entwicklung von Nationen zu dokumentieren“.

Für ihre Studie verwendeten die NIST-Forscher koreanische Münzen aus dem 19. Jahrhundert und nicht antike Münzen. Mithilfe der Neutronentomographie und der Neutronengitterinterferometrie, zwei sich ergänzenden Bildgebungsverfahren, konnten die Forscher Mikrostrukturen, darunter Lochfraß und Poren, untersuchen – beides Anzeichen von Korrosion.

Moderne Kopien dieser koreanischen Münzen aus dem 19. Jahrhundert wurden ebenfalls zum Vergleich untersucht. Man kam zu dem Schluss, dass die Korrosion tief in den „Körper“ der echten Münzen eingedrungen war, ein Hinweis auf eine allmähliche Verschlechterung der Oberfläche der Münzen. „Die Korrosion der kürzlich geprägten Replik beschränkte sich hauptsächlich auf die Oberfläche, was mit einer schnellen Korrosion über einen kurzen Zeitraum übereinstimmt.“

Obwohl die Studie darauf abzielte, moderne Fälschungen von Münzen aus dem 19. Jahrhundert zu identifizieren, ließe sich mit derselben Untersuchungsmethode auch eine künstlich aufgebrachte Patina auf einer antiken Münze leicht identifizieren. Laut den NIST-Forschern „beginnen jedoch mit der Zeit Umweltverbindungen in die Münzen einzudringen. Diese Verbindungen, darunter Korrosionsnebenprodukte wie Kupfercarbonate, -sulfate und -chloride, verdichten sich und füllen die Poren, wodurch diese kleiner werden. Tatsächlich ergaben die Aufnahmen, dass die historische Münze, die ihrer Umwelt über einen viel längeren Zeitraum ausgesetzt war, im Vergleich zu den millimetergroßen Poren der Replika deutlich kleinere Poren im Mikro- bis Nanometerbereich aufwies.“

Die im IJES-Papier beschriebenen oder von NIST-Forschern eingesetzten Techniken stehen Münzsammlern, Münzhändlern oder unabhängigen Zertifizierungsdiensten derzeit nicht zur Verfügung. Solche Techniken könnten nicht nur zu einem Instrument zur Erkennung künstlicher Patina oder gefälschter Münzen werden, sondern könnten eines Tages, wie NIST erklärt, „Bereiche der Münzen aufzeigen, die eine Schutzschicht benötigen“.

 
Das Wort " Wüstenschmutz " ist Klasse und wird sofort in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen!
 
In diesem Video sieht man sehr schön, wie getauchte und geputzte Münzen aussehen:
Das Video ist gut, soweit darin ganz klar gesagt wird, dass eine (entstellende) Reinigung oder Tauchung bei diesem Münztyp einen erheblichen (genannt wurden 40 %) Wertverlust bedeuten kann.

Tatsächlich (ich habe mir das Video im Original angesehen) wurden alle gezeigten Münzen schon einmal gereinigt. Eine davon so, dass man es auf dem Video nicht anhand der Tauschschäden, sondern anhand der schwarzen Patinareste erkennt, die von einer einst gewachsenen, dicken Patina stammten. Die Münze ist deswegen nicht deutlich erkennbar versaubeutelt, weil man genau diese Reste nicht mit aller Gewalt beseitigt hat.

Bei älteren US-Münzen muss man einfach feststellen, dass fast jedes Stück bei der entsprechenden Vergrößerung Spuren von (Mehrfach-) Tauchung aufweist. Auch solche Stücke in MS 67, oder MS 68. Man erkennt entstellende Tauchung an körnigen Oberflächen und flauen Details und (bei Tönungen) an der Art des Wachstums der Tönung.

Nicht entstellende Tauchung (das Felhlen von körnigen Oberflächen und Metallabschlägen aus dem Tauchbad (Knubbel)) erkennt man am Patinawachstum: diese wächst natürlich immer von den Buchstaben in Richtung Felder und Rand. Bei gereinigten Stücken ist die Tönung der Felder manchmal intensiver, als die unmittelbar um die Buchstaben herum.

Ich hänge mal das Foto einer schwach ausgeprägten (Materialfluss der Buchstaben), mindestens vorzüglich (siehe Materialüberhang und Randstab) erhaltenen Münze (Vierteldollar) an. Auch dieses Stück wurde sicher schon einmal vor längerer Zeit gereinigt, aber eben nicht immer wieder. Es hat daher keine extremen Tauschschäden und auch keine Tauchkorrosion.

Der angehangene Halbgulden, den ich auf 2 BS als "vz" erworben habe, wurde ebenfalls erkennbar gereinigt und die Vorderseite ist sofar minimal berieben, auch er ist nicht derart extrem zerfressen, dass die Wirkung der Münze dadurch entstellt ist. Das wäre der Fall, wenn man versucht hätte, den Berieb "wegzutauchen". Im Laufe vieler Jahre (ich lege es nicht drauf an) wird der Metallglanz verschwinden und es wird sich eine Tönung bilden. "Besser" wird er dadurch nicht, nur eben ist die Wirkung dann mehr dem Alter der Münze entsprechend (so, wie bei dem Gulden von 1847). Im Vergleich zu meinem Halbgulden der nachgeschärfte und leicht kontrastverstärkte Ausschnitt (Rückseite, rechts) einer absolut kaputtgetauchten Münze (1/2 Gulden) dasselben Jahres. Wobei beim Verkauf im Internet in der Regel nicht auf diesen Tauchschaden (Mangel) hingewiesen wird. Dafür gibt es dann ein (unscharfes) Foto. Jemand, der weis, worauf er achten sollte, erkennt es; und jemand, der das nicht weiß blecht irgendwann dafür.

Zum Thema "blechen": den Halbgulden habe ich diesen Monat für 60 Euro zuzüglich Versand erworben. In guter, aber nicht ganz perfekter PP kosteten solche Münzen auf einer Auktion vor einiger Zeit zwischen 3.000 und 5.000 Euro je nach Jahr. Wenn man das weiß und sich anschaut, was am Markt angeboten wird, dann kann man den Preis für ein nicht getauchtes, nicht korrodiertes, altpatiniertes Stück in dem Zustand, in dem sich mein Stück ansonsten befindet (VS: fast St, RS: St) mit etwa 500 bis 1.000 Euro schätzen. Neben dem Preis gibt es noch ein Problem: eine solche Münze zu finden. Alles, was ich auf 2BS in VZ oder besser als original abgebildete Münze gesehen habe ist entweder getaucht worden oder deutlich berieben. Über den Rest (den mit den Musterbildchen) mache ich mir keine ernsthaften Gedanken.....
 

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Moderne Techniken zum Auffinden von Fälschungen​

Von aufgeklebtem „Wüstenschmutz“ bis hin zu Korrosionstests im Labor arbeiten Experten daran, künstlich patinierte Münzen zu erkennen, bevor sie Sammler täuschen.​


Wie erkennt man, ob die Patina einer jahrhundertealten Münze echt ist? Kann man erkennen, ob eine Münze echt ist oder ob es sich um eine geschickt hergestellte Fälschung handelt? Diese Fragen sind nicht neu. Vielmehr geht es um einige Möglichkeiten, wie einer echten oder gefälschten Münze künstliche Patina hinzugefügt werden kann, und um die Methoden zur Erkennung solcher Fälschungen, die sich ständig ändern.

Nicht jeder, der wissentlich Münzen mit künstlicher Patina verkauft, versucht, diese Tatsache zu vertuschen. Doch einige der Möglichkeiten, eine solche Münze ohne Lügen zu beschreiben, sind wenig bekannt. Beschreibungen wie Hispania-Patina oder Wüstenpatina sind oft sorgfältig ausgearbeitete Versuche, die Tatsache zu vertuschen, dass „erdiger Schmutz“ auf einer Münze haftet. Manchmal kann man eine Fälschung erkennen, indem man eine Münze Wasser aussetzt oder Vertiefungen unter starker Vergrößerung auf verbliebenen „originalen“ Schmutz untersucht. Dafür braucht man aber die Ausrüstung und die Zeit.

Leider haben sich die Methoden zum künstlichen Korrosions- oder Patina-Aufbringen auf Münzen verbessert. Manchmal erledigen handelsübliche Chemikalien die Drecksarbeit. Die JAX Chemical Company aus Mount Vernon im Bundesstaat New York stellt beispielsweise Lösungen zur Metallveredelung und -politur her. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „die Heimat der grünen Patina“ und erklärt: „Kunsthandwerker und Handwerker verlassen sich bei Restaurierungen, Reproduktionen und aktuellen Arbeiten auf JAX.“ Leider sind Kunsthandwerker und Handwerker nicht die einzigen, die JAX-Produkte verwenden. Dies tun auch skrupellose Menschen, die ältere Münzen verkaufen.

Moderne Wissenschaft wird eingesetzt, um gefälschte Patina auf Münzen zu erkennen. In einem Artikel des International Journal of Electrochemical Science (IJES) vom Dezember 2021 mit dem Titel „Korrosionsverhalten von Münzen in künstlicher Schweißlösung: Eine Übersicht“ untersuchten die Autoren künstlichen Schweiß auf Münzen mithilfe chemischer und elektrochemischer Techniken.

Laut der Arbeit wurden „die von den Münzen in künstlicher Schweißlösung freigesetzten Ionen analysiert. Die Oberflächenmorphologie der Münzen wurde vor und nach dem Eintauchen in die künstliche Schweißlösung mittels Rasterelektronenmikroskopie und energiedispersiver Röntgenanalyse untersucht . Darüber hinaus wurden die Korrosionsprodukte auf ihren Oberflächen nach dem Eintauchen in die künstliche Schweißlösung mittels Röntgenstreuung analysiert.“

Die Forscher kommentierten: „Das Münzmaterial und die Dauer der Umwälzung beeinflussen den Verlust des ursprünglichen Aussehens, der Farbe und der klaren Vertiefungen auf der Oberfläche. Dieses Verhalten wird hauptsächlich durch menschlichen Schweiß verursacht, der die Oberfläche der Münze allmählich zerstört.“

Das National Institute of Standards and Technology (NIST) geht nun noch einen Schritt weiter und arbeitet an einer Methode, um jahrhundertealte Münzen von Fälschungen zu unterscheiden. NIST begründet die Echtheitsprüfung von Münzen damit, dass „Wissenschaftler sich auf sie verlassen, um die wirtschaftliche, politische und wissenschaftliche Entwicklung von Nationen zu dokumentieren“.

Für ihre Studie verwendeten die NIST-Forscher koreanische Münzen aus dem 19. Jahrhundert und nicht antike Münzen. Mithilfe der Neutronentomographie und der Neutronengitterinterferometrie, zwei sich ergänzenden Bildgebungsverfahren, konnten die Forscher Mikrostrukturen, darunter Lochfraß und Poren, untersuchen – beides Anzeichen von Korrosion.

Moderne Kopien dieser koreanischen Münzen aus dem 19. Jahrhundert wurden ebenfalls zum Vergleich untersucht. Man kam zu dem Schluss, dass die Korrosion tief in den „Körper“ der echten Münzen eingedrungen war, ein Hinweis auf eine allmähliche Verschlechterung der Oberfläche der Münzen. „Die Korrosion der kürzlich geprägten Replik beschränkte sich hauptsächlich auf die Oberfläche, was mit einer schnellen Korrosion über einen kurzen Zeitraum übereinstimmt.“

Obwohl die Studie darauf abzielte, moderne Fälschungen von Münzen aus dem 19. Jahrhundert zu identifizieren, ließe sich mit derselben Untersuchungsmethode auch eine künstlich aufgebrachte Patina auf einer antiken Münze leicht identifizieren. Laut den NIST-Forschern „beginnen jedoch mit der Zeit Umweltverbindungen in die Münzen einzudringen. Diese Verbindungen, darunter Korrosionsnebenprodukte wie Kupfercarbonate, -sulfate und -chloride, verdichten sich und füllen die Poren, wodurch diese kleiner werden. Tatsächlich ergaben die Aufnahmen, dass die historische Münze, die ihrer Umwelt über einen viel längeren Zeitraum ausgesetzt war, im Vergleich zu den millimetergroßen Poren der Replika deutlich kleinere Poren im Mikro- bis Nanometerbereich aufwies.“

Die im IJES-Papier beschriebenen oder von NIST-Forschern eingesetzten Techniken stehen Münzsammlern, Münzhändlern oder unabhängigen Zertifizierungsdiensten derzeit nicht zur Verfügung. Solche Techniken könnten nicht nur zu einem Instrument zur Erkennung künstlicher Patina oder gefälschter Münzen werden, sondern könnten eines Tages, wie NIST erklärt, „Bereiche der Münzen aufzeigen, die eine Schutzschicht benötigen“.

Bei antiken Bronze-, Kupder und Messingmünzen stellen sich neben der Frage nach der Echtheit der Münze auch die Fragen der Art, des Zustandes und das Alters der Patina.

Jede Münze, die direkt im Boden gefunden wurde, hat Anhaftungen dieses Bodens, die auf dieser Münze mehr oder weniger fest haften.

Bei manchen Böden ist die Kruste so fest, dass man sie nur noch mechanisch oder mittels Säuren oder säurehaltiger Öle runterbekommt. Das sieht man dann auch ganz deutlich (feinste Details, wie Prägeriefen fehlen, löcherige, poröse Oberflächen).

Bei ganz wenigen Böden ist es so, dass diese sehr vorsichtig entfernt werden können, wobei (wenn man Glück hat und es richtig macht) selbst feinste Details erhalten bleiben. Meistens bleiben aber dennoch detlich sichtbare Spuren des "Freilegens" der Münze zurück. Manche Stücke werden dann total blank gemacht und laufen später wieder an. Nur ganz wenige Münzen haben noch eine nicht deutlich überarbeitete, originale Patina. Zwei Beispiele für im Boden gefundene Münzen (Rom, Quadrans, 2. Punischer Krieg, Rom, Caracalla, Bronze Mysien) mit einer nahezu unversehrten, originalen Patina füge ich an. Das dritte Stück (Himilitron aus Syrakus) zeigt bei starker Vergrößerung minimale Spuren der Trennung vom anhaftenden Erdreich (am Rand sichtbarer, gelber Lehm oder gleber Ton). Von Münzen mit "Sand- oder Wüstenpatina" habe ich bislang meine Finger gelassen. Aufgrund ihrer in der Regel fehlenden Detailfeinheit sind diese mir suspekt.
 

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Wie erkennt man, ob die Patina einer jahrhundertealten Münze echt ist? Kann man erkennen, ob eine Münze echt ist oder ob es sich um eine geschickt hergestellte Fälschung handelt? Diese Fragen sind nicht neu. Vielmehr geht es um einige Möglichkeiten, wie einer echten oder gefälschten Münze künstliche Patina hinzugefügt werden kann, und um die Methoden zur Erkennung solcher Fälschungen, die sich ständig ändern.

Nicht jeder, der wissentlich Münzen mit künstlicher Patina verkauft, versucht, diese Tatsache zu vertuschen. Doch einige der Möglichkeiten, eine solche Münze ohne Lügen zu beschreiben, sind wenig bekannt. Beschreibungen wie Hispania-Patina oder Wüstenpatina sind oft sorgfältig ausgearbeitete Versuche, die Tatsache zu vertuschen, dass „erdiger Schmutz“ auf einer Münze haftet. Manchmal kann man eine Fälschung erkennen, indem man eine Münze Wasser aussetzt oder Vertiefungen unter starker Vergrößerung auf verbliebenen „originalen“ Schmutz untersucht. Dafür braucht man aber die Ausrüstung und die Zeit.

Leider haben sich die Methoden zum künstlichen Korrosions- oder Patina-Aufbringen auf Münzen verbessert. Manchmal erledigen handelsübliche Chemikalien die Drecksarbeit. Die JAX Chemical Company aus Mount Vernon im Bundesstaat New York stellt beispielsweise Lösungen zur Metallveredelung und -politur her. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „die Heimat der grünen Patina“ und erklärt: „Kunsthandwerker und Handwerker verlassen sich bei Restaurierungen, Reproduktionen und aktuellen Arbeiten auf JAX.“ Leider sind Kunsthandwerker und Handwerker nicht die einzigen, die JAX-Produkte verwenden. Dies tun auch skrupellose Menschen, die ältere Münzen verkaufen.

Moderne Wissenschaft wird eingesetzt, um gefälschte Patina auf Münzen zu erkennen. In einem Artikel des International Journal of Electrochemical Science (IJES) vom Dezember 2021 mit dem Titel „Korrosionsverhalten von Münzen in künstlicher Schweißlösung: Eine Übersicht“ untersuchten die Autoren künstlichen Schweiß auf Münzen mithilfe chemischer und elektrochemischer Techniken.

Laut der Arbeit wurden „die von den Münzen in künstlicher Schweißlösung freigesetzten Ionen analysiert. Die Oberflächenmorphologie der Münzen wurde vor und nach dem Eintauchen in die künstliche Schweißlösung mittels Rasterelektronenmikroskopie und energiedispersiver Röntgenanalyse untersucht . Darüber hinaus wurden die Korrosionsprodukte auf ihren Oberflächen nach dem Eintauchen in die künstliche Schweißlösung mittels Röntgenstreuung analysiert.“

Die Forscher kommentierten: „Das Münzmaterial und die Dauer der Umwälzung beeinflussen den Verlust des ursprünglichen Aussehens, der Farbe und der klaren Vertiefungen auf der Oberfläche. Dieses Verhalten wird hauptsächlich durch menschlichen Schweiß verursacht, der die Oberfläche der Münze allmählich zerstört.“

Das National Institute of Standards and Technology (NIST) geht nun noch einen Schritt weiter und arbeitet an einer Methode, um jahrhundertealte Münzen von Fälschungen zu unterscheiden. NIST begründet die Echtheitsprüfung von Münzen damit, dass „Wissenschaftler sich auf sie verlassen, um die wirtschaftliche, politische und wissenschaftliche Entwicklung von Nationen zu dokumentieren“.

Für ihre Studie verwendeten die NIST-Forscher koreanische Münzen aus dem 19. Jahrhundert und nicht antike Münzen. Mithilfe der Neutronentomographie und der Neutronengitterinterferometrie, zwei sich ergänzenden Bildgebungsverfahren, konnten die Forscher Mikrostrukturen, darunter Lochfraß und Poren, untersuchen – beides Anzeichen von Korrosion.

Moderne Kopien dieser koreanischen Münzen aus dem 19. Jahrhundert wurden ebenfalls zum Vergleich untersucht. Man kam zu dem Schluss, dass die Korrosion tief in den „Körper“ der echten Münzen eingedrungen war, ein Hinweis auf eine allmähliche Verschlechterung der Oberfläche der Münzen. „Die Korrosion der kürzlich geprägten Replik beschränkte sich hauptsächlich auf die Oberfläche, was mit einer schnellen Korrosion über einen kurzen Zeitraum übereinstimmt.“

Obwohl die Studie darauf abzielte, moderne Fälschungen von Münzen aus dem 19. Jahrhundert zu identifizieren, ließe sich mit derselben Untersuchungsmethode auch eine künstlich aufgebrachte Patina auf einer antiken Münze leicht identifizieren. Laut den NIST-Forschern „beginnen jedoch mit der Zeit Umweltverbindungen in die Münzen einzudringen. Diese Verbindungen, darunter Korrosionsnebenprodukte wie Kupfercarbonate, -sulfate und -chloride, verdichten sich und füllen die Poren, wodurch diese kleiner werden. Tatsächlich ergaben die Aufnahmen, dass die historische Münze, die ihrer Umwelt über einen viel längeren Zeitraum ausgesetzt war, im Vergleich zu den millimetergroßen Poren der Replika deutlich kleinere Poren im Mikro- bis Nanometerbereich aufwies.“

Die im IJES-Papier beschriebenen oder von NIST-Forschern eingesetzten Techniken stehen Münzsammlern, Münzhändlern oder unabhängigen Zertifizierungsdiensten derzeit nicht zur Verfügung. Solche Techniken könnten nicht nur zu einem Instrument zur Erkennung künstlicher Patina oder gefälschter Münzen werden, sondern könnten eines Tages, wie NIST erklärt, „Bereiche der Münzen aufzeigen, die eine Schutzschicht benötigen“.

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