Thematische Medaillen: Personenmedaillen

Wunderschöne Patina. Liegt ein ungefähres Prägedatum vor?
 
Ich konnte da leider nichts Genaueres recherchieren. Auch zu den Lebensdaten des Medalleurs habe ich nichts gefunden.
 
PS:
Vom Stil her sind wir meines Erachtens klar im 19. Jahrhundert. Das ist eine klasszistische Medaille. Vermutlich also zu Lebzeiten des Earl oder kurz danach geprägt.

Im aufkommenden Art Nouveau ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man diese "strenge" Formensprache eher nicht mehr benutzt.
 
Die Medaille, die ich Euch heute zeigen möchte, kam gestern mit der Post bei mir an und hat einigen detektivischen Aufwand benötigt, um sie zu bestimmen.

Ich hatte bei dem Verkäufer eine größere Plakette gekauft (die ich an einem anderen Tag vorstellen werde) und zufällig dieses Stück in seinem Angebot entdeckt. Ich fand die Medaille ganz witzig und interessant, so dass ich sie für 9 EUR mitbestellt hatte.

Mit der Bezeichnung „Wehrhahn der Siegreiche“ machte ich mich auf die Suche. Zunächst stieß ich nur auf das Angebot eines Händlers, der für diese Medaille 80 EUR :oops: verlangt und sie in die Weimarer Republik verortet. Dort hätte ich sie zeitlich auch gesehen.

Dann stieß ich über einen Link der Münzgalerie München auf einen Artikel der Münsterschen Numismatischen Zeitung vom Juli 2016, in welchem diese Medaille abgebildet war und in dem es um Medaillen und Abzeichen der Schlaraffia ging.

Laut Wikipedia handelt es sich bei der Schlaraffia um einen 1859 gegründeten, weltweiten Männerbund zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor (Symbol ist der Uhu). Dieser Bund besteht heute noch mit zahlreichen Ortsgruppen – mir war er bis dato völlig unbekannt.

Meine Medaille wurde auf ein Mitglied der Ortsgruppe München geprägt. Laut dem Artikel der Münsterschen Numismatischen Zeitung steckt hinter dem „Ritter Wehrhahn der Siegreiche“ der Schauspieler und Regisseur Philipp Lothar Mayring (1879 bis 1948). Die Medaille selbst wurde laut Artikel vermutlich von einem Medailleur namens A. Selb(?) gestaltet. An dieser Stelle bin ich nicht weitergekommen. Geprägt wurde sie zumindest bei C. Poellath in Schrobenhausen um 1920.

Warum, wie auf der Rückseite zu lesen ist, die Ehe ganz „auslabt“ - dafür findet sich in Mayrings Biographie bei Wikipedia leider kein Ansatzpunkt.

Die Bronzemedaille selbst misst 38mm im Durchmesser (ohne Henkel) und wiegt knapp 23 Gramm (mit Henkel).

Ich fand es jedenfalls eine spannende Sache, bei einem solchen Spontankauf zu recherchieren und für mich Neues zu entdecken.

Ohnehin mache ich mit zunehmenden Alter die Erfahrung, dass sich meine Sammeltätigkeit weg vom SUCHEN zum FINDEN entwickelt….;)
 

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Die Medaille, die ich Euch heute zeigen möchte, kam gestern mit der Post bei mir an und hat einigen detektivischen Aufwand benötigt, um sie zu bestimmen.
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Ohnehin mache ich mit zunehmenden Alter die Erfahrung, dass sich meine Sammeltätigkeit weg vom SUCHEN zum FINDEN entwickelt….;)
Eine tolle Detektivgeschichte! Klasse, danke fürs Teilen hier im Forum!

Ich stelle bei mir selbst auch fest, dass mir genau jene Stücke am meisten Freude bereiten, zu denen es etwas herauszufinden gibt. So erfreue ich mich an teilweise wochenlangen Recherchen zu vermeintlich noch so unbedeutenden Exemplaren. Es wird alles schön dokumentiert und am Ende hat man bestenfalls wieder ein "Rätsel" gelöst.

Die gezeigte Medialle ist vorzüglich gestaltet. Man erkennt zahlreiche Verweise und Symbole zur Schlaraffia, bzw. zum Leben Mayrings. Auch wenn ich nicht jedes einzelne Symbol auf Anhieb verstehe, tue ich mich insbesondere mit "Ehe labt ganz aus" ebenfalls besonders schwer.

Sind wir uns sicher, dass dort wirklich "Ehe" steht? Die "e"s sehen ganz anders aus, als die restliche Schriftart. Könnte es vielleicht ein Verweis/ein Code sein, den man nur als Eingeweihter versteht?
 
Ich habe mal ein bisschen nach "Ehe", "labt ganz aus" und "Schlaraffia" gegoogelt und bin letztlich hier gelandet:
Schlraffen-Spiegel und Ceremoniale

Das scheint eine Art Regelwerk für Schlaraffia-Mitglieder im Stile des Sachsenspiegels mit teils sehr komplexen Regularien zu sein.

Dort heißt es auf Seite 77 des PDFs (Seite 75 der Druckversion) in §15 "Humpen", Abschnitt b. "Der Ehe":
Der Ehe ist der am häufigsten in Verwendung kommende Humpen. Er wird zur Begrüßung der Pilger sowie fast bei allen Ceremonien gebraucht. Man labt sitzend oder stehend aus ihm, empfängt ihn mit dem Ruf „Lulu!“ und gibt ihn mit dem gleichen Ruf weiter.

Ich vermute, dass hier die Verbindung von "Ehe" und "laben" zu suchen ist. Alles andere ergibt aus meiner Sicht keinen Sinn. Hierzu passt auch, dass sich der Hahn auf der Medaille scheinbar gerade am abgebildeten Humpen zu schaffen macht.
 
Spitze - vielen Dank für Deiner weiteren Nachforschungen! :respekt:

Spannend, was in Zusammenhang mit einer solch kleinen Medaille alles an Informationen gewonnen werden kann.
 
Ich habe in meiner Heidenheim-Sammlung ein paar Schlaraffia-Stücke.
Schlaraffia Am Hellenstein, Reych 386
Könntest Du die Stücke hier einstellen Alfons? Das wäre prima!

Ist denn die Heidenheimer Ortsgruppe der Schlaraffia noch aktiv?
 
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