Schon wieder Herbstferien... also mache ich mich wie gehabt auf den Weg zum BER, wo ich einen traumhaften Sonnenaufgang beobachte und mich dann in die Lüfte erhebe. Dummerweise ist mein Sitz kaputt. An der Armlehne fehlt ein Stück. Aber eigentlich ist das sogar ganz gut, denn so werde ich doch glatt in die Businessclass umgesetzt. Da beschwere ich mich nicht.
Am Flughafen in Chișinău klappt die Einreise fix und unkompliziert. Das hätte auch anders kommen können. 2012 war ich schon einmal in Moldau, allerdings nur im Transit zur Krim. Damals sind wir über Transnistrien in die Ukraine ausgereist. Transnistrien ist eine nicht anerkannte Separatistenrepublik (später dazu mehr). Und weil es nicht anerkannt wird, gab es damals auch keinen Ausreisestempel aus Moldau, als wir dort rein gefahren sind. Rein offiziell bin ich also damals nie aus Moldau ausgereist. Aber selbst wenn das jetzt noch irgendwo in den Akten stände, das hat diesmal keinen bei der Einreise interessiert.
Unbehelligt hole ich mir fix meinen Mietwagen ab und los geht die Tour. Die Straßen hatte ich von damals noch als ziemlich grottig in Erinnerung. Das hat sich aber mittlerweile deutlich gebessert - zumindest auf den Hauptstraßen. Das wird sich später noch ein wenig ändern, wo die Sanierung noch nicht so weit fortgeschritten ist.
Allerdings ist die Fahrweise... "interessant".
Gegenverkehr? Egal... Überholen klappt schon - und das in beide Richtungen gleichzeitig. Aber bei all dem scheinbaren Chaos fährt man doch erstaunlich gesittet. Zebrastreifen werden sklavisch respektiert. Ich hätte die Straßen ohne zu gucken überqueren können. Gleichzeitig haben Fußgänger an roten Ampeln gewartet, auch wenn meilenweit kein Fahrzeug zu sehen war.
Bei der Fahrt überland fallen mir immer wieder die aufwändig gestalteten Orts- und Rajonschilder auf.
Am ersten Tag ist es eine ziemliche Fahrerei. Das Land ist zwar nicht groß, aber die Sehenswürdigkeiten sind ziemlich verstreut. Es geht in den Norden nach Soroca. Hier schaue ich mir die Burg aus dem 16. Jh. an, die aus einem genuesischen Handelsposten hervor ging. Wer hätte gedacht, dass die auch hier waren. Das besondere ist die kreisrunde Form - High Tech der damaligen Burgenbaukunst. Die Spitzen Türme sind allerdings eine moderne Interpretation. Auf dem 20-Lei-Schein ist die Burg ohne Dächer.
Gleich am anderen Ufer des Dnister liegt die Ukraine scheinbar friedlich.
Dnister stammt aus der Sprache der Skythen. Der Fluss ist hier allerdings auch unter seinem griechischen Namen Tyra bekannt. So erklärt sich dann auch der Name von Tiraspol, der Hauptstadt der moldauischen Separatistenrepublik Transnistrien.
Anschließend erklimme ich den Dealul Țiganilor. Der "Zigeunerhügel" ist eine ganz besondere Sehenswürdigkeit Sorocas. Die Stadt gilt als Hauptstadt der Roma Moldaus. Im wilden Stilmix thronen viele unfertige Villen über der Stadt, goldene Kuppeln und funkelnde Ornamente. Woher das Geld kommt, ist nicht immer ganz klar. Der selbsterklärte König der Zigeuner, Mircea Cerari, war Millionär.
Es ist zwar schon relativ spät, aber ich entscheide mich doch dazu, noch ein Stück weiter nach Norden zu fahren. Ich muss ja meinem Ruf gerecht werden und Denkmäler anschauen, die irgendwo in der Walachei stehen ...
Bewacht von einem Rudel Straßenhunde gedenkt nahe dem Dörfchen Rudi eine Säule dem Struve-Bogen. Georg Friedrich Wilhelm Struve, ein Deutschbalte, hat mit einem gigantischen Netz aus geodätischen Vermessungspunkten im 19. Jh. die Erdabplattung an den Polen bewiesen und vermessen. Der Struve-Bogen zieht sich über mehr als 2.800km von Hammerfest in Norwegen bis zum Schwarzen Meer in der Ukraine. Es gibt verteilt über Europa noch mehrere dieser Denkmäler. Der Struvebogen ist mittlerweile auch Weltkulturerbe und war eine Zeitlang das transnationale Kulturerbe mit Beteiligung der meisten Staaten. Mittlerweile wurde es von den Buchenurwäldern Europas an der Spitze der Liste abgelöst.
Jetzt war ich allerdings so weit im Norden, dass ich es nicht mehr rechtzeitig vor Küchenschluss zurück in mein Hotel geschafft habe. Aber mir wird ein Lokal empfohlen, das länger auf hat. Schmeckt auch... Allerdings muss ich sagen, dass mich bei dieser Reise die Küche nicht vom Hocker gehauen hat. Es war nicht schlecht, aber auch nicht herausragend. Der Mundschenk versteht da sein Geschäft schon besser, schließlich bin ich hier auch im Land des Weines. Natürlich bleibt mir da auch gar nichts anderes übrig, als auf einem Weingut zu übernachten. Zum Zimmer gibt's im Château Vartely in Orhei auch gleich eine Flasche als Betthupferl dazu.
Am Flughafen in Chișinău klappt die Einreise fix und unkompliziert. Das hätte auch anders kommen können. 2012 war ich schon einmal in Moldau, allerdings nur im Transit zur Krim. Damals sind wir über Transnistrien in die Ukraine ausgereist. Transnistrien ist eine nicht anerkannte Separatistenrepublik (später dazu mehr). Und weil es nicht anerkannt wird, gab es damals auch keinen Ausreisestempel aus Moldau, als wir dort rein gefahren sind. Rein offiziell bin ich also damals nie aus Moldau ausgereist. Aber selbst wenn das jetzt noch irgendwo in den Akten stände, das hat diesmal keinen bei der Einreise interessiert.
Unbehelligt hole ich mir fix meinen Mietwagen ab und los geht die Tour. Die Straßen hatte ich von damals noch als ziemlich grottig in Erinnerung. Das hat sich aber mittlerweile deutlich gebessert - zumindest auf den Hauptstraßen. Das wird sich später noch ein wenig ändern, wo die Sanierung noch nicht so weit fortgeschritten ist.
Allerdings ist die Fahrweise... "interessant".
Gegenverkehr? Egal... Überholen klappt schon - und das in beide Richtungen gleichzeitig. Aber bei all dem scheinbaren Chaos fährt man doch erstaunlich gesittet. Zebrastreifen werden sklavisch respektiert. Ich hätte die Straßen ohne zu gucken überqueren können. Gleichzeitig haben Fußgänger an roten Ampeln gewartet, auch wenn meilenweit kein Fahrzeug zu sehen war.
Bei der Fahrt überland fallen mir immer wieder die aufwändig gestalteten Orts- und Rajonschilder auf.
Am ersten Tag ist es eine ziemliche Fahrerei. Das Land ist zwar nicht groß, aber die Sehenswürdigkeiten sind ziemlich verstreut. Es geht in den Norden nach Soroca. Hier schaue ich mir die Burg aus dem 16. Jh. an, die aus einem genuesischen Handelsposten hervor ging. Wer hätte gedacht, dass die auch hier waren. Das besondere ist die kreisrunde Form - High Tech der damaligen Burgenbaukunst. Die Spitzen Türme sind allerdings eine moderne Interpretation. Auf dem 20-Lei-Schein ist die Burg ohne Dächer.
Gleich am anderen Ufer des Dnister liegt die Ukraine scheinbar friedlich.
Dnister stammt aus der Sprache der Skythen. Der Fluss ist hier allerdings auch unter seinem griechischen Namen Tyra bekannt. So erklärt sich dann auch der Name von Tiraspol, der Hauptstadt der moldauischen Separatistenrepublik Transnistrien.
Anschließend erklimme ich den Dealul Țiganilor. Der "Zigeunerhügel" ist eine ganz besondere Sehenswürdigkeit Sorocas. Die Stadt gilt als Hauptstadt der Roma Moldaus. Im wilden Stilmix thronen viele unfertige Villen über der Stadt, goldene Kuppeln und funkelnde Ornamente. Woher das Geld kommt, ist nicht immer ganz klar. Der selbsterklärte König der Zigeuner, Mircea Cerari, war Millionär.
Es ist zwar schon relativ spät, aber ich entscheide mich doch dazu, noch ein Stück weiter nach Norden zu fahren. Ich muss ja meinem Ruf gerecht werden und Denkmäler anschauen, die irgendwo in der Walachei stehen ...
Bewacht von einem Rudel Straßenhunde gedenkt nahe dem Dörfchen Rudi eine Säule dem Struve-Bogen. Georg Friedrich Wilhelm Struve, ein Deutschbalte, hat mit einem gigantischen Netz aus geodätischen Vermessungspunkten im 19. Jh. die Erdabplattung an den Polen bewiesen und vermessen. Der Struve-Bogen zieht sich über mehr als 2.800km von Hammerfest in Norwegen bis zum Schwarzen Meer in der Ukraine. Es gibt verteilt über Europa noch mehrere dieser Denkmäler. Der Struvebogen ist mittlerweile auch Weltkulturerbe und war eine Zeitlang das transnationale Kulturerbe mit Beteiligung der meisten Staaten. Mittlerweile wurde es von den Buchenurwäldern Europas an der Spitze der Liste abgelöst.
Jetzt war ich allerdings so weit im Norden, dass ich es nicht mehr rechtzeitig vor Küchenschluss zurück in mein Hotel geschafft habe. Aber mir wird ein Lokal empfohlen, das länger auf hat. Schmeckt auch... Allerdings muss ich sagen, dass mich bei dieser Reise die Küche nicht vom Hocker gehauen hat. Es war nicht schlecht, aber auch nicht herausragend. Der Mundschenk versteht da sein Geschäft schon besser, schließlich bin ich hier auch im Land des Weines. Natürlich bleibt mir da auch gar nichts anderes übrig, als auf einem Weingut zu übernachten. Zum Zimmer gibt's im Château Vartely in Orhei auch gleich eine Flasche als Betthupferl dazu.
