Gotland 2026

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Die Sommerferien sind da - mal wieder Zeit für einen "kleinen Ausflug"
:smiley_froehlich:

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Montag, 13. Juli 2026

Die Nacht war wieder heiß, wird Zeit, dass es in die Sommerfrische geht. Von wegen "ab in den Süden"... hier geht's in die entgegengesetzte Richtung. Aber wo stehe ich denn jetzt? Am Flughafen? Nur zum Abholen, ich bleibe auf der Straße. Nachdem meine übliche Reisebegleitung dieses Jahr noch gerade so vor den iranischen Raketen die Emirate besucht hat und danach eine Reise nach der anderen ins Wasser gefallen ist, muss jetzt mal ein bisschen was fürs Gemüt getan werden. Eigentlich wollte sie dafür nur mal für einen Ausflug nach Berlin kommen und einen Abstecher nach Stettin machen. Aber da sie ohnehin mal noch irgendwann nach Danzig wollte und bei mir was anderes nordisches schon länger auf dem Plan stand, dachte ich, wir erweitern den Radius einfach mal. Und so düsen wir schließlich Richtung Polen. Es sieht zwischenzeitlich ziemlich grau verhangen aus, aber dafür ist es wenigstens nicht mehr so heiß.
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Mit den Enten hat es eine Bewandtnis, die ich später noch aufklären werde. Jetzt begleiten sie uns erst einmal ein ganzes Stück nach Osten.

Aber weshalb eigentlich Polen? Ach herrje, das war eine Verwechslung. Nicht Stettin fehlte meiner Begleitung, sondern Schwerin als letzte Landeshauptstadt. Halb so wild, auch Stettin hat ein paar nette Ecken. Zwar wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg zu 90% zerstört, doch so nach und nach putzt sie sich wieder raus. Wir spazieren vom Heumarkt über das Schloss der pommerschen Herzöge bis zum Königstor, wo es einen Snack gibt, bevor wir über die wilhelminische Hakenterrasse zurück zum Auto gehen.

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Stettin. Schloss der pommerschen Herzöge, Heumarkt und Rathaus, Hakenterrasse.


Heute ist so ziemlich die längste Etappe der ganzen Tour. Da kann man auch die ein oder andere Pause einlegen, insbesondere, da schon die Ostsee um die Ecke lugt. Bei unserer Tour ins Baltikum 2024 sind wir schon einmal die Strecke gefahren und haben einen Zwischenstopp in Kolberg gemacht. Diesmal zweigen wir bei Mielno von der Autobahn ab und halten hier die Füße kurz ins Wasser. Dafür ist es gerade warm genug. Baden möchte ich nicht, dafür pfeift der Wind auch noch zu sehr.

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Nahe Mielno. Der Strand wirkt leer, aber nur ein paar Kilometer weiter im Ort ist der Teufel los. Nichts für mich...

Am frühen Abend erreichen wir schließlich Orłowo, zwischen Gdynia und Danzig. Letzteres heben wir uns für morgen auf. Dafür braucht man mehr als nur einen kurzen Abend. Und ich habe keine Lust, dort einen Parkplatz zu suchen. Stattdessen gehen wir ein paar Minuten zu Fuß zum Pier von Orłowo, wo uns ein netter Fisch erwartet. Aber dafür, dass es hier nicht so überlaufen ist, lässt sich die Bedienung ganz schön Zeit.

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Am Pier von Orłowo. Hier geht es noch recht gemächlich zu, im Vergleich zum Rest der Dreistadt Danzig - Sopot - Gdynia.

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Dienstag, 14. Juli 2026

Die Sonne lacht - und trotzdem nicht zu heiß. Das hab ich von meiner Polentour vor vier Jahren ganz anders kennen gelernt. (und jetzt merke ich gerade, da scheine ich gar keinen Bericht geschrieben zu haben... kurz zusammengefasst: mit Interrail bin ich quer durch Polen und habe einen Abstecher nach Belarus gemacht.) Damals hat die Stadt gekocht. Mein Hotel lag direkt am Langen Markt. Kaffeehaustrubel bis 02:30 und ab 03:00 rumpelt die Stadtreinigung übers Kopfsteinpflaster. Ein Grund mehr, dass ich unser Hotel etwas außerhalb gebucht habe. Und da es eine gute Zugverbindung gibt, sparen wir uns auch die Parkplatzsuche.
Nach einem netten Kaffee wandern wir die Altstadt ab, vorbei am Zeughaus, Marienkirche, Mariacka und diverse Tore. Wunderschön, wie beim letzten Mal und ein Wunder, wenn man bedenkt, dass all das eine Schuttwüste nach dem Zweiten Weltkrieg war.

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2022 war's eingerüstet, heute können wir es besichtigen: das Krantor, das bekannteste Wahrzeichen Danzigs. Ursprünglich stammt es aus dem 14. Jh., wurde aber im 15. Jh. neu errichtet und im 2. Weltkrieg stark beschädigt. Es gehört zu den ältesten Hebeeinrichtungen seiner Art. Wir staunen nicht schlecht, als wir im Inneren die riesigen Treträder sehen, mit deren Hilfe an die vier Tonnen bis zu 27 Meter angehoben werden können.

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Für den Rückweg verzichte wir auf die Bahn. Da hat eine Hafenstadt doch noch andere Optionen zu bieten. Nach einem guten Affogato geht es über die Motława mit der kleinen Smiltynė erst bis zur Westerplatte, wo 1939 der Überfall auf Polen begann. Von dort aus biegen wir in die Ostsee ab und fahren bis zum Seebad Sopot. Zwischendurch schaukelt es mächtig. In Sopot legen wir an der Mole an. Hier drängt sich wieder die halbe Welt und wir könnten kiloweise Bernstein kaufen. Brauchen wir nicht - stattdessen gibt es lecker Muscheln. Hier hat sich seit dem letzten Mal auch nichts verändert. Das Krumme Häuschen ist immer noch nicht gerade und auf Wojtek der Bär sitzt noch auf seinem Koffer.

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Wojtek - Nach der Niederlage Polens im zweiten Weltkrieg, hat die polnische Exilregierung auch weiterhin Streitkräfte unterhalten, die die Alliierten unterstützt haben. Das zweite polnische Korps war im Irak aufgestellt, wo es einen Braunbären adoptierte. Da bei einer späteren Verschiffung eine Mitnahme von Maskottchen nicht gestattet war, wurde Wojtek kurzerhand zum Unteroffizier mit eigenem Soldbuch befördert. Er half dann später noch bei der Schlacht von Monte Cassino und stellte einen arabischen Spion, was ihm die Beförderung zum Korporal einbrachte. Er verbrachte schließlich seinen Lebensabend bis 1963 im Zoo von Edinburgh.

... und da der nächste Tag nicht so voller Ereignisse steckt, erlaube ich mir ihn heute schon einmal mit anzuhängen.


Mittwoch, 15. Juli 2026

Mit Ausschlafen ist heute nix... wir müssen pünktlich in Gdynia sein. Wir schiffen uns auf der Stena Spirit ein und verlassen ein paar Minuten vor der Zeit den Hafen. Noch hängen die Wolken tief, aber sobald wir Hel umrundet haben, sollte es aufklaren. Und tatsächlich, kaum sind wir aus der Danziger Bucht raus, strahlt die Sonne. Auf der Leeseite lässt es sich wunderbar auf Deck entspannen. Und was macht man noch bei so einem Tag auf See? Essen natürlich... Ich darf echt keine Kreuzfahrt machen.

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Die Türme im Hafen von Karlskrona sind auch relativ spannend. Mit ca. 200m Höhe, gehören sie zu den höchsten in Skandinavien. Es sind sogenannte Extrusionstürme, die zur Produktion von Offshore-Hochspannungskabeln verwendet werden. Im Prinzip hängen die Kabel im Turm nach unten, um die Isolierung gleichmäßig auftragen zu können.

Auf die Minute pünktlich legen wir nach einer schönen Fahrt vorbei an Inseln und Inselchen in der Karlskrona an.
Wir stellen nur kurz das Gepäck im Hotel unter und fahren noch einmal ins Zentrum. Die schwedischen Sommerabende sind ja lang. Karlskrona ist ein nettes Städtchen. Im 17. Jh. wurde es von König Karl XI. als Flottenstützpunkt gegründet und auf ursprünglich mehr als 30 Inseln erbaut. Die Militär- und Werftanlagen sind heute UNESCO Weltkulturerbe. Als wir ankommen, taucht die untergehende Sonne den Hauptplatz in ein wunderbar honigfarbenes Licht und wir spazieren durch die belebten Gassen.

Da entdecken wir doch tatsächlich eine Rooftop Bar. Es geht zwar nicht so wahnsinnig hoch hinauf, aber es reicht für einen wunderbaren Sonnenuntergang überm Wasser.

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Später im "Motellet" gibt es für den Check in Schlüsselboxen. Das ist an sich ja ganz praktisch - außer es klappt etwas nicht. Von den zwei gebuchten Zimmern, war nur die Schlüsselkarte von einem in der Box. Die Mail, in der stand, welche Box für das zweite Zimmer ist, kam nicht an. Aber das lässt sich ja mit einem Anruf schnell klären. Jetzt hatte ich eine Karte, aber da stand keine Zimmernummer drauf ... Na dann halt alle, vor denen kein Auto stand, einmal durchprobieren. Klappt auch.

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Donnerstag, 16. Juli 2026

Es geht mal wieder pünktlich los, wir müssen heute einen Fahrplan einhalten. Aber immerhin war dieses Mal die Nacht ausgezeichnet - kein Straßenlärm, keine Sonne im Zimmer ... Allerdings auch kein Frühstück. Auch mit einem Bäcker oder Kaffee unterwegs sieht es schlecht aus. Alle Orte wirken wie ausgestorben. Vor 2500 Jahren war hier wahrscheinlich mehr los. Im Wald finden wir Hällristningar på Hästhallen, die Felsritzung von Hästhallen (bzw. Horsahallen), einen bronzezeitlichen Kultplatz. Auf einem 20x10m großer Fels befinden sich knapp 150 Figuren: zahlreiche Schiffe, Fußabdrücke und zwei für den Ort namensgebende Pferde. Die Fußsohlen symbolisieren die Anwesenheit von Göttern, bzw. die Reise in dieser Welt und der Geisterwelt.

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Bei der Stufvenas Gastgifveri haben wir nun doch noch Glück und finden einen netten Hof, der Frühstück anbietet. Zwar stellt sich raus, dass er zu den "Historic Hotels of Europe" gehört und die Nacht 400€ kostet, aber das Frühstücksbuffet ist günstiger. Ein wirklich idyllisches Fleckchen.
Gut gestärkt und pünktlich 20 Minuten vor Anker lichten erreichen wir Oskarshamn. Auf der Drotten schiffen wir uns gen Gotland ein. Diesmal genießen wir den klimatisierten Panoramaplatz am Heck. Es ist fast zu warm, um draußen in der Sonne an Deck zu sitzen. Mit 31°C habe ich hier nicht gerechnet. Nach dreistündiger Überfahrt steuern wir fünf vor drei in den Hafen von Visby. Wir gehen runter zum Auto und warten darauf, dass sich die Tore öffnen... und warten... und warten. Nichts tut sich. Hunde gehen mittlerweile auf dem Autodeck Gassi, Kinder fahren Roller und die reisenden Kaninchen werden geknuddelt. Es stellt sich raus, dass die Sicherung der Burgklappe durchgebrannt ist. Anderthalb Stunden dauert es schließlich, bis das Schiff gewendet hat und wir hinten von Bord fahren.

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Von Oskarshamn nach Visby

Die Wartezeit an Bord hat unsere Pläne gehörig durcheinandergebracht. Aber auf den Spaziergang durch Gotlands Hauptstadt Visby verzichten wir trotzdem nicht. Vorher müssen wir uns aber stärken. Und womit geht das besser, als mit einer gotländischen Spezialität: Safrankuchen. Und den besten gibt es bei Sankt Hans. Das Café befindet sich mitten in den Ruinen der gleichnamigen Kirche.
Visby, Regina Maris, die Königin des Meeres, kann auf eine reiche Geschichte zurückblicken. Ihr Aufstieg begann, als durch die arabische Expansion die traditionellen Handelswege zusammenbrachen und der Handel zwischen Byzanz und fränkischem Reich über die Ostsee und die Flüsse Osteuropas abgewickelt werden musste. Und da man anfangs die direkte Überfahrt über die Ostsee scheute, entwickelte sich Visby schnell zum Drehkreuz für Waren aus Westeuropa, Schweden, dem Baltikum und Russland. Später war Visby ein bedeutendes Mitglied der Hanse. Dass es in Visby damals mehr Kirchen als in jeder anderen Stadt Schwedens gab, zeigt den Reichtum der Stadt. Ärgster Konkurrent im Städtebund war Lübeck. 1525 plünderten Lübecker Truppen schließlich die Stadt und zerstörten die meisten Kirchen. Die Ruinen prägen noch heute das Stadtbild.

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Safrankuchen bei St. Hans. In der Ruine von St. Karin. St. Clemens ganz unten.

Die letzte intakte Kirche Visbys ist die Domkirche Sankt Maria. Sie war die Kirche der Gotlandfahrer, d.h. der deutschen Kaufleute, insbesondere der norddeutschen Hanse. Möglicherweise wurde die Kirche auch deshalb beim Angriff der Lübecker Truppen verschont. Dass es eine Kirche der Händler ist, merkt man auch daran, dass über dem Kirchenschiff noch ein Lagerboden eingezogen wurde. Passende Kranvorrichtungen sind noch an der Kirchenfassade zu sehen. Das Kircheninnenraum selbst ist nur etwa halb so hoch, als es die Fassade von außen eigentlich vermuten lässt.

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Visby ist aber nicht nur Stadt der Ruinen, sondern auch Stadt der Rosen. In allen Ecken blüht es, besonders aber in der kleinen Gasse Fiskargränd. Krönender Abschluss für den kurzen Spaziergang ist ein Krabbensalat. Was soll man hier auch anderes essen ?

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Für die nächsten drei Nächte haben wir ein kleines Häuschen etwas außerhalb von Visby. Jetzt hatten wir so schön überlegt, da können wir einen Wein im Supermarkt kaufen, wir haben ja einen Kühlschrank, Gläser, Abendsonne. Tja, denkste. In Schweden darf nichts über 3,5% im Supermarkt verkauft werden. Wein und höherprozentiges gibt es nur in Spezialläden, die um diese Uhrzeit schon geschlossen sind. Dann werden wir heute eben ganz in der schwedischen Trinkkultur aufgehen und einen Tee im Sonnenuntergang schlürfen - zumindest so lange, bis uns das Summen der Mücken zu sehr stört.


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Freitag, 17. Juli 2026

Was für eine entspannte Nacht. Auch die Mücken sind alle draußen geblieben. Auf unserer Terrasse in der Morgensonne gibt's allerdings nur einen Tee. Wir wollen gern frisches Gebäck und das hat eine nette kleine Bäckerei: Puddingbrezel und Kanelbulle, Kardamomhefeteig mit Zimtfüllung.
Gotlands mittelalterlicher Handelsreichtum hat sich auch im Bauerbe niedergeschlagen. Über 95 romanische und gotische Kirchen haben die Zeit überdauert. Im Gegensatz zu den Kirchen in Visby wurden die gotländischen Landkirchen nicht zerstört. Vielmehr spiegeln sie sowohl Wirtschaftskraft, wie auch Niedergang wider. Ursprünglich waren sie Zeugnis von Macht und Reichtum der Stifter. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang Gotlands im 15. Jh. wurden allerdings keine Modernisierungen mehr vorgenommen, sodass die Kirchen ein schönes Zeugnis der mittelalterlichen Baukunst sind. Alle 95 Kirchen werden wir nicht besuchen - das ist dann wie bei meinen Reisen im Orient: nach der fünften Moschee sehen alle gleich aus. Aber ein paar dürfen es schon sein. Wir starten mit der Kirche von Bro, deren Bau um 1200 begonnen wurde.

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In Tingstäde, wo sich früher ein Thingplatz befand, finden wir heute eine der größeren Landkirchen Gotlands. Die Tradition des Gerichtsplatzes wird aber durch die Kirche fortgeführt, denn sie war eine von drei Asylkirchen auf Gotland. D.h. hier erhielten verdächtige 40 Tage lang Schutz, während Verhandlungen stattfanden.

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Interessant finde ich auch, dass viele der Kirchen zweischiffig sind. Das ist mit bisher noch nicht oft untergekommen.


Etwas ungewöhnlicher ist die Kirche von Lärbro wegen ihres oktogonalen Turmes und weil gleich daneben ein Kastal steht. Von diesen Verteidigungs-, bzw. Wachttürmen neben Kirchen gibt es auf Gotland nur noch zwei weitere, sowie einige auf dem schwedischen Festland.
Bei unserer Fahrt in den Norden der Insel kommen wir schließlich bei einem Zeugnis aus der neueren Geschichte Gotlands vorbei: einer Ölpumpe. Die Ölförderversuche auf Gotland in den 1970er und 80er Jahren hat man allerdings relativ schnell wieder aufgegeben. Die Pumpe ist heute nicht mehr in Betrieb.

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Die Kirche von Rute stammt aus dem 13. Jh. Sehr schön sind hier auch die Fresken, die u. a. die Geschichte der Heiligen Katharina von Alexandrien darstellen, der Schutzheiligen der Schulen. Eine reale Figur war sie wohl nicht, sie wurde vielmehr Hypathia von Alexandria nachempfunden. In der Kirche ist außerdem ein Runenstein ausgestellt. Es gibt über 130 Runensteine aus der Wikingerzeit in Schweden, die Menschen gedenken, die ihr Leben im Baltikum oder in Finnland verloren haben. „Si-tris Erben ließen den Stein für Ödvald, seinen Bruder, machen, der in Finnland starb“.

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Im Norden Gotlands erreichen wir Fårösund. Auch hier wartet wieder eine wieder Fähre auf uns, aber diesmal geht es schnell. Wir wollen Gotlands nördlichen Nachbarn, die kleine Insel Fårö besuchen. Drei Fähren pendeln ohne Unterlass - und noch dazu kostenlos.
Es gibt Namen, die hat man einfach schonmal gehört - auch wenn man vielleicht nichts Konkretes mit ihnen verbindet. Für mich gehört Ingmar Bergman dazu. Ich wusste, dass es ein bedeutender schwedischer Regisseur war, mehr aber auch nicht. Meinen ersten Film von ihm habe ich kurz vor dieser Reise gesehen, "Das siebente Siegel" von 1957, eine Geschichte aus dem pestgeplagten mittelalterlichen Schweden. 1997 wurde Bergmann bei den Filmfestspielen in Cannes als bester Filmregisseur aller Zeiten geehrt. 40 Jahre seines Lebens verbrachte Bergman auf Fårö. Er war von der kargen, wilden Landschaft und der Abgeschiedenheit fasziniert. Wir besuchen sein Grab im Hauptort der Insel. Wir wundern uns über die Flasche Tonic neben dem Grabstein. Eine kurze Recherche klärt aber auf: Ingmar Bergman hat einmal gesagt, dass er sich im Jenseits auf ein Glas Gin Tonic freue...

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Die Ingrid Bergman auf dem Grabstein ist nicht die Schauspielerin, Ingmar Bergmans Frau hieß nur zufällig genauso

So langsam kommt ein kleines Hüngerchen. So gut der Frühstücksbäcker war, er hält ja nicht den ganzen Tag vor. Glücklicherweise entdecken wir die Crêperie Tati, eine wirklich außergewöhnliche Lokalität. An der ehemaligen Tankstelle stapeln sich die Autowracks. Außerdem gibt es ausgezeichnete Crêpes und Galettes. Auf Gotland scheint man ohnehin ein Faible für alte Autos zu haben. Uns kommen heute einige Käfer und Enten entgegen, sogar mindestens 70 Jahre alte Volvos und Chevrolets.

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Und jetzt nähern wir uns langsam Entenhausen. Unser Ziel auf Fårö liegt mitten im Wald, der ist eigentlich schon für sich genommen eine Sehenswürdigkeit. Still, voller Moose, Flechten und Farne und ein weicher, sandiger Weg im Schatten niedriger Kiefern. Wir wollen aber nach Ankan City, Entenhausen. Irgendwann hat Mal einer eine Gummiente hiergelassen und nun sind mittlerweile über 500 Stück hier zwischen den Dünen. ... Und seit heute eine Ente mehr. Danach schauen wir noch kurz am Strand vorbei und halten die Füße in die Ostsee. Weiter geht es aber nicht. Das ist nun ein Extrempunkt der Reise, der Leuchtturm von Fårö.

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Zurück auf Gotland hatten wir eigentlich geplant, noch einmal kurz baden zu gehen. Die Blaue Lagune, ein ehemaliger Kalksteinbruch ist allerdings ziemlich voll, da haben wir keine Lust, uns noch dazwischen zu quetschen und belassen es bei einem Eis.
Stattdessen fahren wir weiter zur Lergravsporten. Gotland hat eine interessante geologische Geschichte. Die Insel war nicht immer Teil der Ostsee. Im Silur (vor ca. 443-419 Millionen Jahren) befand sich Gotland mehr in Äquatornähe in einem mit Ägypten vergleichbaren Klima. Aus dieser Zeit stammt die von Kalkstein geprägte Landschaft die Reste von Korallenriffen und teilweise noch zu findende Fossilien. Die noch heute sichtbaren Überreste des Riffkalks werden Rauk genannt und sind hauptsächlich auf Gotland, Fårö und Öland zu finden.

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Im Nordosten Gotlands fahren wir über immer kleiner werdende Straßen immer weiter durch endlose Kiefernwälder, bis wir schließlich Sankt Olovsholm erreichen. 1029 soll hier der norwegische König Olof Haraldson (Olav der Heilige) angelandet sein und Gotland christianisiert haben. Reste der Kirche, die damals errichtet wurde, sollen in dem noch existierenden Speicher verbaut sein. Auf jeden Fall ist es ein idyllisches Fleckchen Erde, mit blühenden Wiesen, Windmühle und schroffer Küste.

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In Slite sichern wir unsere Verköstigung. Zuerst finden wir einen Systembolaget, eine schwedische Alkoholhandlung und schließlich auch ein leckeres, wenn auch langsames Restaurant.
Den Rest des Abends verbringen wir mit "Büroarbeit". Und da der angekündigte Regen noch auf sich warten lässt, kann man noch gut bis weit nach Mitternacht draußen sitzen. Richtig dunkel wird es hier in dieser Jahreszeit nicht.

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Das Hängemattenbild ist kurz nach 01:00 Uhr nachts.

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Samstag, 18. Juli 2026

Der Start in den Tag ist heute etwas holprig. Der leichte Niesel, mit dem wir aufgestanden sind, entwickelt sich zu einem veritablen Landregen. Was machen wir nun? Die geplante Südrunde oder doch lieber nach Visby ins Museum fahren? Zumindest ein Frühstück brauchen wir erst einmal. Eine Bäckerei, diesmal östlich der Unterkunft, ist schnell ausgemacht. Da es allerding noch ein paar Minuten dauert, bis er öffnet, schaue ich noch schnell in die Kirche von Roma hinein.
Im 18. Jh. sind einige Estlandschweden in die Ukraine ausgewandert und haben Alt-Schwedendorf gegründet, Staroschwedske. Anfang der 1930er Jahren sind deren Nachfahren zurück nach Schweden gekommen und haben sich in Roma auf Gotland niedergelassen. Die Glocken im neben der Kirche stehenden Holzturm haben die Heimkehrer aus der Ukraine mitgebracht.
Schließlich sind wir doch beim Bäcker. Zwar gibt es leckere frischgebackene Kanelbullar (den Bäcker sieht man durch die Scheibe bei der Arbeit), aber der Verkaufsraum ist personalfrei, mit Kasse des Vertrauens oder Zahlung per App. Für die App fehlt uns auf die Schnelle das Konto und für die Kasse das schwedische Bargeld. Nun ja, nun ist der Bäcker eben 5€ reicher. Leider gibt es keinen Kaffee, das drückt die Stimmung etwas.

Besser wird das Wetter auch im Osten nicht. Aber das schreckt uns nicht. Nach der Hitze der letzten Tage, ist das vielleicht gar nicht so schlecht. Außerdem sind wir eh entweder im Auto oder in einem alten Gemäuer. Neben der Kirche von Gammelgarn besteigen wir einen Kastalturm und werfen einen Blick auf die tolle Figurengestaltung des Portals. Man erkennt die Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva bis hin zu Noah. Namentlich sind die mittelalterlichen Meister kaum bekannt, aber ihre Werke lassen sich anhand des Stils zuordnen. Das Portal von Gammelgarn wird Meister Egypticus aus der Mitte des 14. Jh. zugeordnet. Die frühe Kirchenkunst auf Gotland war - ungewöhnlich für nordische Länder - von Byzanz und Russland beeinflusst, was sich durch die Handelsverbindungen erklärt.

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Gammelgarn - ein Kastal mit Adam und Eva.

Den Abstecher zu den Rauken von Folhammar lassen wir ausfallen - zu nass. Stattdessen finden wir endlich einen Cappuccino. Jetzt wird es aber mal wirklich Zeit für alte Steine, ich muss doch meinem Ruf gerecht werden. Neben all den Kirchen können wir auf Gotland noch einige Jahrhunderte weiter in die Vergangenheit reisen. Bei Gålrum entdecken wir ein megalithisches Gräberfeld aus der Eisen- und Bronzezeit. Von etwa 1500 v. Chr. bis zur Zeitenwende entstanden hier mehrere Grabanlagen, u.a. Röse (Steinhügel) und Schiffssetzungen. Letztere sind symbolische Schiffe, die die Überfahrt ins Jenseits ermöglichen sollten. Schiffssetzungen finden sich im ganzen Ostseeraum, aber es wird vermutet, dass die Idee dazu von Gotland stammen soll.
Ganz in der Nähe steh in Garde eine der ältesten Kirchen Schwedens. Gerade hier sieht man auch schön, wie im Laufe der Zeit die gotländische Wirtschaftskraft sank und geplante Umbauten ins Stocken gerieten. Der gotische Chor hebt sich deutlich vom romanischen Langhaus ab. Der Taufstein stammt von Meister Byzantios und auch einige der Malereien lassen byzantinischen Einfluss vermuten.

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Gålrum Schiffssetzung und Garde Kirka

Der Regen hat sich so langsam verzogen und sogar die Sonne blitzt ab und zu hervor. Da können wir doch glatt einmal wieder durchs Gestrüpp steigen. Mitten im Wald liegen Lojsta Hall und Lojsta Slott. Letzteres war eine Befestigung der Vitalienbrüder, jener Freibeuter, denen u. a. auch Klaus Störtebeker angehörte. Vom Schloss ist allerdings überhaupt nichts mehr erhalten. Auf der kleinen Insel im See grasen jetzt Schafe. Lojsta Hall hingehen ist die Rekonstruktion eines eisenzeitlichen Langhauses, dessen Grundmauern hier gefunden worden waren.
In der nahen Kirche von Lojsta befinden sich wunderbare Wandmalereien aus dem 13.-16. Jh. Jene an der Längswand stammen vom sogenannten Passionsmeister, der oder dessen Werkstatt sich auch in Werken anderer Landkirchen erkennen lässt.

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Lojsta Hall und Lojsta Kirka mit der Wand des Passionsmalers

Eigentlich ist jetzt langsam mal wieder Zeit für was zu Essen. Ich habe mich im Routenplaner aber verklickt und wir landen wieder bei einer Schiffssetzung – in Djauvik an der Westküste Gotlands.
Kaffee wird verschoben und wir fahren doch noch ein Stückchen weiter nach Süden. Hier gibt es ein paar malerische Windmühlen und 'ne Hütte. Unterwegs sieht man, wie schon überall hier auf der Insel, gut gepflegte schöne Höfe und bunte Holzhäuser. Bei sehr vielen steht ein Schild "Loppis" - Flohmarkt. Second Hand scheint hier sehr beliebt zu sein. Außerdem gibt es sehr viele Gårdsbutik, Hofläden. Da wir außerhalb der größeren Orte keine Supermärkte gesehen haben, scheint das die Haupteinkaufsquelle zu sein.
Nun nimmt der Hunger doch Überhand und wir steuern Petes Museigård an, das Lokal wo wir eigentlich schon vorhin hinwollten. Statt eines Kaffees wird es jetzt aber doch eine sehr gute Kartoffelsuppe.

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Zurück in Visby werfen wir noch einen Blick auf die Stadtmauern, ein Wahrzeichen der Stadt. Sie gilt als eine der am besten und vollständigsten erhaltenen in Europa.
Abendessen gibt's im Bakfickan, einem der angeblich besten Restaurants der Stadt. Die vom Reiseführer prophezeiten Wartezeiten gab es glücklicherweise nicht - das gute Essen aber allemal. Allerdings ist es mit Arbeit verbunden und ich muss es mir verdienen. Das Fleisch aus der Krabbe herauszubekommen dauert eine Weile.

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Sonntag, 19. Juli 2026

Auf der Terrasse gibt es noch einen letzten Tee in der Morgensonne und schon müssen wir los. In Visby wartet die M/S Drotten und wir legen pünktlich halb 9 ab. Mal schauen, ob wir auch ebenso pünktlich vom Schiff runterkommen. Es ist das gleiche, wie auf der Hinfahrt, mit den Burgklappenproblemen. Spoiler: alles klappt :) Die See ist etwas unruhiger und es fegt der ein oder andere Schauer über uns hinweg. Aber wir sitzen gut hinter der Scheibe, erste Reihe, Panoramablick.

In Kalmar machen wir nur einen kurzen Stopp gemacht, um den Schlüssel zum Airbnb abzuholen und schon düsen wir über eine lange Brücke zur Insel Öland. Die zweitgrößte Insel Schwedens ist schmal und lang, ca. 16x137 km. Und es scheint gerade ein Massenexodus einzusetzen. Uns kommen lange Schlangen an Autos und Wohnmobilen entgegen. Gut so, da müssen wir zumindest nicht im Stau stehen. Wir steuern Borgholm an und schauen kurz an der dortigen Schlossruine vorbei. Eine Besichtigung sparen wir uns aber. Gleich um die Ecke liegt Schloss Solliden, hier verbringt die schwedische Königsfamilie immer die Sommermonate. Die große Gartenparty haben wir aber knapp verpasst. Thronfolgerin Victoria feiert hier immer ihren Geburtstag - und der war am 14. Juli. Und wenn's keine Häppchen gibt, müssen wir auch keine 17€ Parkeintritt zahlen.

Als Nachmittagssnack genehmigen wir uns Kroppkakor, eine ölandische Spezialität: gefüllte Kartoffelklöße mit Preiselbeeren. Ich bin ganz froh, dass sich im 19. Jh. der Kartoffelanbau in Schweden durchgesetzt hat, denn die ursprünglichen Kroppkakor waren gefüllte Fischköpfe.
Bei der Durchsetzung des Anbaus einer anderen wichtigen Feldfrucht in Schweden war übrigens ein Verwandter von mir maßgeblich beteiligt: Carl Johan Schönherr führte umfangreiche Anbauversuche von Mais durch. Der war auch ein passionierter Insektenforscher mit der seinerzeit größten Sammlung in Europa. In Neuguinea gibt’s dank ihm einen Käfer, mit meinem Namen. Aber jetzt schweife ich doch zu weit vom Thema ab.

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Solliden, Kroppkakor und die Ruine von Borgholm

Wenn man etwas auf Öland sieht, dann sind es Windmühlen. Die galten einst als Statussymbol. Außerdem hatten die ölandische Bauern einen Hang zur Autarkie und haben meist nur für den eigenen Hof gemahlen. Um 1850 herum waren es über 2000 Mühlen, davon stehen heute noch knapp 360. Außerdem weht hier auf dem platten Land, wo die Küste nirgends weiter als 8 km entfernt ist stetig Wind. Bei Lerkaka finden wir eine besonders schöne Ansammlung an Mühlen. Gleich daneben befindet sich ein Runenstein. Die gibt es in der Gegend häufiger und gedenken Verstorbener, Gefallener oder einfach nur den Leistungen der Erbauer. Sie stammen zumeist aus dem 5.-12. Jh., wobei es durchaus auch ältere Exemplare gibt, wie auch hier in Lerkaka, der auf das 1.-4. Jh. datiert wird. "Olof, Gammal und Saxe errichteten diesen Stein zu Ehren ihres Vaters Unn. Geirvi ließ hier dieses Denkmal für ihren Mann errichten. Olov rächte Rike-Unn in Miamu. Unn besaß die Hälfte des Dorfes."

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Die Fahrt über Öland zieht sich. Man unterschätzt es leicht, weil es durch die geringe Breite kleiner wirkt. Aber es ist eine schöne Fahrt. Die Landschaft unterscheidet sich deutlich von Gotland, wir sehen viel Landwirtschaft, erst sehr grün im Norden und im Süden gelbe Felder. Landwirtschaft begann auf Öland vor knapp 5000 Jahren und die Bodennutzung ist heute noch die gleiche, wie zur Steinzeit. Das hat der Agrarlandschaft Südöland schließlich auch den Welterbestatus eingebracht. Es sind hübsche Dörfer, durch die wir kommen, natürlich überall die typischen schwedischen Holzhäuser.

In Seby treffen wir auf den mit mit drei Metern Höhe größte Runenstein Ölands. Er stammt aus dem 11. Jh. "Ingjald, Näv und Sven ließen den Stein zu Ehren ihres Vaters Rodmar errichten." Dass sich hinter dem Stein ein ausgedehntes Gräberfeld befindet, haben wir erst am Abend beim genaueren Blick auf die Karte gemerkt. Aber vielleicht ist das auch gut so, der Tag wird noch lang genug.

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Über den gelben Feldern tauchen in der Ferne schließlich Zinnen auf. Eine Gegend, die schon so viele tausend Jahre Kulturlandschaft ist, muss ja schließlich auch Befestigungsanlagen kennen. Als wir Burg Egetorp erreichen können wir uns den Eintritt sparen. Zwar ist es schon zu spät für das Museum, aber die Burg selbst kann man nach Museumsschluss kostenfrei besichtigen. Auf dem Weg zur Anlage merken wir erst einmal, wie stark der Wind hier zieht. Zum Glück scheint die Sonne. Bei Regenwetter hat man hier keine Chance. Egetorp ist eine von mehreren ähnlichen Anlagen auf Öland. Angerdings ist es die einzige Burg, die rekonstruiert wurde. Die Ringanlage wurde im dritten Jahrhundert errichtet und hatte knapp 1000 Jahre Bestand, bevor sie im 13. Jh. aufgegeben wurde. Eigentlich wird auch das frühmittelalterliche Leben gezeigt. Aber jetzt nach Feierabend sind die meisten Darsteller natürlich schon weg. Allerdings hat das auch den Vorteil, dass wir die Anlage ohne andere Besucher für uns alleine haben.

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Wir sind zwar nicht bis ganz zur Südspitze Ölands gekommen, aber so langsam müssen wir uns auf den Heimweg machen. Das heißt allerdings nicht, dass nicht noch das ein oder andere Highlight auf der Route liegt. Bei Gettlinge besuchen wir eines der größten Gräberfelder der Insel. Es war ca. 1000 vor bis 1000 nach Christus in Benutzung und hat auch wieder einige schöne Schiffssetzungen zu bieten.
Ein paar Kilometer weiter, mitten im Kartoffelacker finden wir schließlich unser letztes Stück Altertum für heute, den Runenstein von Karlevi, der aus der Wikingerzeit um das Jahr 1000 stammt. Er wurde für einen vermutlich dänischen Krieger namens Sibbe errichtet und ist Teil einer Grabanlage mit zwei Grabhügeln. Besonders bemerkenswert ist die Inschrift: Sie enthält die einzige bekannte, originale Aufzeichnung einer Skaldenstrophe im Dróttkvætt-Versmaß, dem kompliziertesten altnordischen Versmaß. Die Strophe preist den bestatteten Krieger. Auf der Rückseite finden sich lateinische Buchstaben sowie ein Kreuz und ein Thorshammer – ein Symbol für die Übergangszeit zwischen Heidentum und Christentum.
Öland ist zwar eine Insel, aber hier brauchen wir keine Fähre. Seit 1972 verbindet eine Brücke Festland und Insel. Damals war es mit 6072m die längste Brücke Europas, heute immerhin noch die längste Schwedens. Die Öresundbrücke zählt nicht, da sie ja zur Hälfte in Dänemark liegt. Haben wir die Ölandbrücke auf der Hinfahrt noch in der Sonne überquert, sehen wir nun schon aus der Ferne, wie sich über Kalmar die Wolken entleeren.
In Kalmar haben wir wieder ein schönes Häuschen. Da uns die Kroppkakor gut gesättigt haben, gibt es zum Abendessen nur ein paar Falafel.

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Montag, 20. Juli 2026

Aufgewacht, kurz vor halb acht, die Sonne lacht! ... ja von wegen. Bis um acht darf ich schon ausschlafen und von Sonne ist weit und breit keine Spur. In der Nacht hat es mit regnen angefangen und es wird nicht besser. Wenigstens können wir mit allerlei Süßkram in einer kleinen Konditorei gut in den Tag starten.

Da es immer noch nicht trockener wird, suchen wir erst einmal geschützte Bereiche auf. Da bietet sich doch die Domkirche an. Die Umgebung auf der Insel Kvarnholmen, wo im 17. Jh. die Stadt Kalmar neu angelegt wurde, reißt nicht so vom Hocker, da ist leider in den 1950er vieles einer Abrisswelle zum Opfer gefallen - der Dom steht aber zum Glück noch. Der stammt aus dem 17. Jh. und hat im Vergleich zu den mittelalterlichen Landkirchen Gotlands eine ganz andere Ausstrahlung. Sehr schön ist die Kanzel.

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Durch Pfützen patschen wir weiter bis zum Schloss Kalmar. Da hier früher die Grenze zwischen Dänemark und Schweden verlief, kam der einstigen Burg große Bedeutung zu. Außerdem fädelte die dänische Königin Margarethe I. hier 1397 die Kalmarer Union ein, in welcher die Königreiche Dänemark, Norwegen und Schweden vereinigt wurden und ein Reich von Grönland über Island, die Färöer, Shetland und Orkney bis hin nach Finnland und Wyborg im heutigen Russland entstand. Der Staatenbund wurde stark von Dänemark dominiert, was immer wieder zu Spannungen mit dem schwedischen Reichsteil führte (Stichwort: Stockholmer Blutbad). Mit der Wahl von Gustav I. Wasa zum schwedischen König 1523 schied Schweden schließlich aus dem Bündnis aus und stieg in der Folge zur führenden nordischen Macht auf. Ab dem 17. Jh. wurde das Schloss Kalmar immer mehr vernachlässigt. Erst ab 1850 begann man nach und nach mit der Rekonstruktion. Einige schöne Renaissanceräume können wir besichtigen und uns nebenbei über moderne Kunst wundern.

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Schließlich lässt der Regen doch ein wenig nach... da können wir noch ein bisschen durch die Gassen der Altstadt schlendern. Zumindest, was davon übrig ist. Die regelmäßig angelegten Karrees auf der Insel beim Dom gehen zwar auch auf das 17. Jh. zurück, sind aber im Grunde die Neustadt. Alt-Kalmar befand sich westlich des Schlosses, wurde aber im Kalmarkrieg zwischen Dänemark und Schweden 1611-13 größtenteils zerstört. Es ging darum, wer sich "König der Lappen" nennen durfte und von der Wirtschaftskraft der Finnmark profitieren konnte. Wir finden aber trotzdem noch ein paar entzückende Holzhäuschen, die bei Sonnenschein sicher noch mehr her gemacht hätten. Und einen Tee zum Aufwärmen gibt es obendrein.

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Auf Gotland gibt es keine Elche... und auf Öland grassiert ein rätselhaftes Elchsterben (möglicherweise, weil es durch den Klimawandel zu warm wird und die Elche Parasiten zum Opfer fallen). Jetzt haben wir aber doch noch Glück - zwar nicht in freier Wildbahn, aber zumindest hautnah sehen wir einige Exemplare des Königs der schwedischen Wälder. Zufällig entdecke ich einen Wegweiser zu einer Elchfarm und just in dem Moment, wenn wir ankommen, startet eine Führung. Also steigen wir vom Auto auf den Trecker um und tuckern los. Es geht einige Runden durch ein kleines Gelände, wo wir ein gutes Dutzend Tiere sehen, füttern und streicheln. Aber ein wenig makaber ist es schon, dass wir uns im Anschluss gleich einen Elchburger und Elch-Hot-Dog gönnen.

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Kaum sitzen wir wieder im Auto, regnet es weiter. Gut, dass wir jetzt nur noch fahren... Allerdings ist es etwas eintönig, Wald links, Wald rechts und ab und zu zur Abwechslung auch mal ein bisschen Wald. Da brauchen wir einen Kaffee und ein Riesenbaiser, um fit zu bleiben. Unseren Tagesplan haben wir ohnehin schon geändert. Wir sind spät dran und werden jetzt nur noch bis zur Unterkunft fahren.
Abendessen gibts in einem richtig schönen Landgasthof unterwegs, ein super Steak. Nach dem ganzen Fisch der letzten Tage ist das mal eine gute Abwechslung.
Unser Häuschen, bzw. dessen Dachgeschoss liegt mitten im Getreidefeld. Zum Abschluss des Tages präsentiert sich noch ein goldener Sonnenuntergang mit Regenbogen. Das lässt für morgen ja Gutes erahnen.


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Dienstag, 21. Juli 2026

Na wer sagts denn... Regen weg - Sonne da. Wir starten mit einer Fahrt durch die Felder von Skåne län, bzw. Schonen, der südlichsten Provinz und Kornkammer Schwedens. In den Weizenfeldern liegen immer wieder kleine Höfe, es scheint keine Großbauern zu geben. Hier schauen wir auch kurz beim Glimmingehus vorbei, einer der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen Skandinaviens.

So langsam habe ich den Eindruck, dass es eine Reise der Kirchen wird. Jetzt stehen wir schon wieder vor einer. Die Kirche ist zweigeteilt. Der größere Anbau interessiert jetzt weniger, der ist vergleichsweise modern. Spannend ist der hintere Teil, die ursprüngliche Kirche. Es ist Schonens einzige Rundkirche. Sie stammt aus dem Jahr 1190. Auch ein Kastal steht wieder daneben.

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Bei Kåseberga erreichen wir schließlich wieder die Küste. Hier parken wir im Hafen und erklimmen die Klippen, denn manche Schiffe haben die Angewohnheit, nicht im Wasser zu liegen. Die Ales stenar, sind die größte Schiffssetzung Skandinaviens. 59 bis zu 1,8 Tonnen schwere Steine blicken seit ca. 1.400 Jahren auf die Ostsee.

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Passend für ein spätes Frühstück erreichen wir Ystad. Hier gehts erst einmal ins Espresso House, bevor wir durch die Gassen ziehen, bzw. zuerst in die Sankt-Marien-Kirche. Die wievielte ist es jetzt??? Auffällig ist hier, wie viel für Kinder getan wird. Es gibt Hinweiskarten. dass sich Familien mit Kindern ruhig nach vorn setzen sollen und außerdem ist eine Spielecke für die Kleinen eingerichtet. Ein wenig froh bin ich, dass wir nicht in Ystad übernachtet haben. Hier gibt es noch einen Turmwächter, der jeden Abend zwischen 21:15 und 01:00 viertelstündlich in jede Himmelsrichtung mit einer Lure (nordische Kriegstrompete) das traditionelle Feuerwächtersignal bläst. Der durchdringende Laut soll wohl an das Brüllen von Vieh erinnern.

Ein wenig schlendere ich noch durch die Altstadt von Ystad. Hier haben sich viele schöne Fachwerkhäuser erhalten. Reich geworden ist die Stadt mit der Fischerei, insbesondere mit Heringen. Außerdem gibt es eines der besterhaltensten Klöster Schwedens. Aber das schaue ich mir nur von außen an. Auch auf die Spuren des schwedischen Krimiprotagonisten Kurt Wallander begebe ich mich nicht. Dessen Fälle spielen hier und ziehen eine Menge Fans an.

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Eine Spieleecke in einer Kirche habe ich bis jetzt auch noch nicht gesehen. Da kann man sich auch als Pastor verkleiden.

Stattdessen fahren wir fix weiter nach Westen. Land Nummer drei dieser Sommertour erreichen wir über die Öresundbrücke. Kopenhagen lassen wir diesmal aber rechts liegen und fahren weiter nach Süden. Aber da so langsam der Hunger zwickt, biegen wir auf dem Inselchen Bogø von der Hauptstraße ab und entdecken im Hafen ein kleines Lokal mit Panini und Sandwiches. Das passt. Und selbst gebacken wird auch noch.

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Im Hafen von Bogø setzt die Fähre Ida nach Stubbekøbing über. Es ist eine der ältesten Holzfähren Dänemarks.

Mittlerweile befinden wir uns auf der Insel Møn. Hier gibt es ein wahnsinnig reiches Erbe aus der Jungsteinzeit. 119 Großsteingräber haben sich erhalten, wobei geschätzt wird, dass es nur 10% der ursprünglich errichteten Anlagen sind. Für einer Fläche von nur 231 km² ist das eine enorme Anzahl. Wir schauen uns zuerst das Klekkende Høj an, das außerdem noch mit der Besonderheit aufwarten kann, ein Doppelgrab zu sein. Wir kriechen in den engen Gang und staunen darüber, mit welcher Präzision schon vor Jahrtausenden gearbeitet wurde. Das Grab entstand zwischen 3500 und 2800 v. Chr. als Megalithanlage der Trichterbecherkultur. Die Grabkammer ist bis zu ihrer Wiederentdeckung 1797 unberührt geblieben und ihr Inhalt gehört zu den ersten Exponaten des damals neugegründeten Nationalmuseums in Kopenhagen.

Das zweite Grab, das wir besuchen ist Kong Asger Høj. Einen realen König Asger gibt es nicht, der Name ist einfach nur lokale Folklore. Allerdings ist es immerhin eines der größten Ganggräber Dänemarks. Ungefähr zehn Meter zieht sich der niedrige Gang in den Hügel hinein, bevor er sich in eine relativ geräumige Grabkammer öffnet. Das Grab ist etwa 4.800-5.500 Jahre alt.

Auf dem Weg nach Osten kommen wir außerdem noch am Sømarkedyssen, bzw. Dolmen von Sømarke vorbei, auch ca. 5.400 Jahre alt. Es ist immer wieder faszinierend, dass schon damals so große Gewichte bewegt wurden.

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Die Straßen werden immer enger und das Gras in der Fahrbahnmitte schrubbt den Unterboden mal richtig sauber, aber auch wenn man sich hier mitten im Nirgendwo wähnt, sind auf einmal immer mehr Menschen unterwegs - Wanderer rechts und links. Und alle haben - ebenso wie wir - das gleiche Ziel: Møns Klint, die Kreideklippen von Møn. Die Kalksteinwand zieht sich über 6 km mit ca. 128m Höhe an der Ostseite der Insel entlang. Seit 2025 ist sie UNESCO Welterbe. Interessanterweise ist Møn die kleine Schwester von Rügen. Beide bestehen aus 70.000.000 Jahre alter Kreide und sind die höchste Erhebung ein und derselben Landmasse, die sich in Vorzeiten abgesenkt hat. Aber die Massen, die sich hier am GeoCenter die Klinke in die Hand geben, schrecken uns ein wenig ab. Da sparen wir uns den Abstieg zum Strand, von dem aus wir sicher einen besseren Blick auf die Kreidewand gehabt hätten, und begnügen uns mit einem Blick von der Kante durch die Bäume hindurch.

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Mit ein wenig Phantasie erkennt man am Horizont tatsächlich die Küste von Rügen.

Kirche Nummer 17 ist nun die letzte der Reise. Schon wie sich die Kirche von Fanefjord von weitem weiß leuchtend über die Felder vor dem Meer im Hintergrund präsentiert ist sehenswert, der wahre Schatz offenbart sich uns aber erst im Inneren. Das ganze Gewölbe ist mit Fresken aus dem 15. Jh. ausgemalt. Man erkennt z. B. Adam und Eva, den Kampf von David gegen Goliath oder verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu. Das ist schon ein würdiger Abschluss des Kirchenguckens.

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Eigentlich wollten wir jetzt gern in Nykøbing abendessen. Aber so eine tote Stadt haben wir auf der ganzen Reise noch nicht gesehen. Hier ist ja nichts los. Zwar gibt es ein paar hübsche Fachwerkhäuser, aber die Fußwege sind mehr als hochgeklappt. Na dann müssen wir eben weiter fahren... Fündig werden wir schließlich beim Admiralen in Marielyst. Die Auswahl was wir essen, fällt auch nicht schwer - sie ist nämlich ziemlich eingeschränkt. Es gibt nur ein Buffet. Der Koch serviert Hummersuppe, Dorsch, Wels und Lachs. Alles sehr gut.

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Unsere Zimmer beziehen wir in der Nähe von Nykøbing in einem Bungalow mit großen Fensterfronten, direkt am Wasser des Guldborgsunds. Mit Blick auf den Sonnenuntergang rekapitulieren wir den Tag bei einem Glas Wein und schauen, wie es morgen weiter geht.

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Mittwoch, 22. Juli 2026

So optimal ist das Wetter nicht. Als wir an der südlichsten Spitze Dänemarks stehen kommt der Regen. Da wird die Überfahrt bestimmt nicht ganz so ruhig wie die letzten Male. Bis Rostock werden wir ordentlich durchgeschüttelt. Aber ich neige glücklicherweise nicht zur Seekrankheit. Das Wetter wird nicht besser, ein bisschen Regen hier, ein Schauer dort... na, was soll's, es ist der letzte Tag.

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Von Gedser nach Rostock. Die südlichste Spitze Dänemarks verschwindet im Regenschleier. Und dabei hat die Bandansage doch empfohlen, die schöne Aussicht an Deck zu genießen.

Aber auch der letzte Tag kommt nicht ganz ohne Highlights aus. Alte-Steine-Gucker müssen natürlich nach Ankershagen. Hier hat Heinrich Schliemann 1823 bis 1831 einige Jahre seiner Kindheit verbracht, die für ihn prägend waren. Weihnachten 1829 erhielt Schliemann eine "Weltgeschichte für Kinder", die seine Liebe zur Geschichte und Archäologie weckte. Hier wuchs sein Wunsch, Troja zu finden. „Aber auf meine Frage, ob denn das alte Troja einst wirklich so starke Mauern gehabt habe, wie sie auf jenem Bilde dargestellt waren, bejahte er dies. 'Vater', sagte ich darauf, 'wenn solche Mauern einmal dagewesen sind, so können sie nicht ganz vernichtet sein, sondern sind wohl unter dem Staub und Schutt von Jahrhunderten verborgen.' Nun behauptete er wohl das Gegenteil, aber ich blieb fest bei meiner Ansicht, und endlich kamen wir überein, dass ich dereinst Troja ausgraben sollte."

Im Museum, dem alten Pfarrhaus, in dem Schlittenmanns Vater Pastor war, erfährt man einiges über sein Leben und seine Ausgrabungen, sieht Kopien des Schatzes des Priamos, die goldene Maske des Agamemnon und Funde aus Mykene. Tja, da steht für mich wohl demnächst noch eine Griechenlandtour an.

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Zu Coronabeginn habe ich mit einer Jahreskarte die preußischen Schlösser abgeklappert und mich zudem einmal mit Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" beschäftigt. Eine Station lag in Gransee, an dem wir gerade vorbeikommen. Fontane beschreibt ein Denkmal für Königin Luise. Jung, schön und eher bürgerlich als aristokratisch entstand schon zu Lebzeiten ein regelrechter Luisenkult, insbesondere auch wegen ihrer Duldsamkeit, Opferbereitschaft und Widerstand gegen Napoleon während der napoleonischen Kriege. Als sie schließlich 1810 mit nur 34 Jahren starb, blieb sie in den Augen ihrer Verehrer die immer junge und schöne Königin. Als ihr Leichnam nach ihrem Tod von Mecklenburg zurück nach Charlottenburg transportiert wurde, hat man ihn in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 1810 in Gransee aufgebahrt. In Erinnerung an dieses Ereignis hat Karl Friedrich Schinkel ein Denkmal hier errichtet.

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In Spandau trennen sich nun wieder unsere Wege. Meine Reisebegleitung fährt mit der Bahn weiter nach Hessen und ich bin schon fast zu Hause. Abschied ist kurz – das können wir beide nicht so gut. Aber ich bin dankbar fürs Mitkommen, ich glaube, manch anderer hätte schon spätestens nach der dritten Kirche gestreikt...
Und da bin ich wieder. Nur etwas nasser und kälter ist es draußen geworden. Vielleicht muss ich doch noch einmal in den Süden aufbrechen???

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Aus numismatischer Sicht war das eine absolut langweilige Reise. Ich hatte wirklich nirgends Bargeld in der Hand.
 
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