König, Kamele und Propheten - Saudi Arabien

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Letztes Jahr zu Silvester habe ich in meinem Kalender geblättert und festgestellt: Für die Herbstferien hab ich ja noch gar keine Pläne. Das muss schnellstens geändert werden! Ich bin ja eigentlich nicht so der Gruppenreisenmensch, aber ich hatte noch ein Reisebüro für "speziellere" Ziele gebookmarked und hab dann einfach mal durchs Angebot geschaut. Entweder Pakistan oder Saudi-Arabien... auf letzteres ist schließlich die Wahl gefallen. Die paar Tage im Land haben mir aber gezeigt, dass es sich auch wunderbar selbstorganisiert bereisten lassen würde, zumal man da auch ein wenig an der Preisschraube drehen kann. Deutsche Touranbieter sind unverschämt teuer, da zahlt man schon mal um die 6000€ im Einzelzimmer. Mein britisches Reisebüro hat etwa die Hälfte veranschlagt.

In Anbetracht dessen, dass das Land sich erst 2019 für Touristen geöffnet hat, ist es ein wahnsinnig spannendes Ziel.
Aber starten wir doch einfach mal...

20.10.2023


Es gibt verschiedene Möglichkeiten nach Riad zu kommen. Besonders günstig geht's mit Wizzair. Aber da müsste ich von Berlin aus in Budapest umsteigen und das ist bei denen immer mit Neuaufgabe des Gepäcks verbunden. Bei der knappen Umsteigezeit ist das riskant.
Viel entspannter ist der Nachtzug nach Wien, von wo aus auch ein Direktflug zu den Saudis geht.
Ich teile mir ein Zweierabteil. Gegen 21.00, kurz nach Zielona Góra werden die Betten zurecht gemacht. Draußen ist es finster. Wenn man doch Mal ein Licht sieht, sieht es neblig-feucht aus. Ansonsten war die Fahrt aber recht bequem. Ich bin froh, dass die Nachtzüge wieder so langsam im kommen sind, das ist eine schöne Art des Reisens.

21.10.2023

Die Fahrt war recht bequem. Allerdings ging zweimal in der Nacht der Feueralarm los und ich stand im Bett. Fehlalarm - die Bordelektronik spinnt. Deswegen gibt es zum Frühstück leider auch keinen Kaffee. Aber trotz allem komme ich pünktlich kurz vor 7 in Wien an. Ein wenig Zeit bleibt mir bis zum Start noch, die ich für einen kleinen Spaziergang zum Belvedere nutzen möchte. Aus dem kleinen Spaziergang ist dann allerdings doch deutlich mehr geworden. Wien muss ich definitiv mal separat bereisen. Mir schwebt da schon eine k.u.k.-Tour vor. Aber das kommt ein andermal.

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Was für ein unterschied, nach dem Berliner Schmuddelwetter ist es hier im Garten von Eugen von Savoyen richtig angenehm, sonnig und warm. Also schlendere ich weiter, vorbei an der Karlskirche, die jetzt noch geschlossen ist bis hin zur Wiener Secession. Jugendstil finde ich ja toll!

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Ein Blick auf die Uhr: na für ein Stückchen mehr reicht es noch, also weiter zur Hofburg, die über Jahrhunderte die Residenz der Habsburger war. Dementsprechend viel wurde gebaut, bis schließlich der größte nichtreligiöse Gebäudekomplex Europas entstanden ist.

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Jetzt reicht die Zeit gerade noch für einen kurzen Blick in den Steffl, bevor es mit der Metro zurück zum Hauptbahnhof geht. Hier ist die Wiedersehensfreude groß, ich treffe auf meine Klagenfurter Freundin M., die ich zum Mitkommen überredet habe. Am Flughafen verspeisen wir noch schnell unsere Salamibrote, denn Schweinefleisch nach Saudi-Arabien zu importieren ist wahrscheinlich keine so gute Idee.
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Der Flug mit Wizzair ist ruhig. Nach dem Start zog es schnell zu und der Balkan war zum großen Teil wolkenverhangen.
Wir fliegen über die Mönchsrepublik am Berg Athos und dann weiter über die Ägäis, nun ohne Wolken. Im südlichen Mittelmeer wird es orange-diesig draußen. Wahrscheinlich liegt Sand in der Luft. Die ägyptische Küste sehe ich noch, dann ziehen Wolken auf. Für einen Blick auf den Suezkanal sind wir ein Stück zu weit im Osten. Auch der Golf von Aqaba ist leider unter den Wolken versteckt.

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Die Einreise war so unkompliziert wie schon lange nicht mehr in einem Land mit Einreiseprozedur erlebt. Mit dem eVisum geht's fix. Noch schnell eine SIM-Karte gekauft und dann geht's mit dem Taxi vorbei an leuchtenden Hochhäusern zum Hotel. Kaum zu glauben, dass Riad vor 90 Jahren noch ein kleines Wüstenkaff war.


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22.10.2023

Zum Frühstück lernen wir den Rest der Gruppe kennen. Wir sind die einzigen Deutschsprachler, der Rest kommt aus GB/US/AUS. So ganz war geworden bin ich diesmal nicht mit der Gruppe. Es war nicht schlecht, aber 16 Personen sind für mich etwas viel für die kurze Zeit.
Nach dem Frühstück geht es raus in die Wärme: angenehme 34°C. Die Herausforderung für den Kreislauf kommt dann immer beim Betreten eines Gebäudes. Hier wird alles extrem herunter gekühlt.

Unser erster voller Tag bei den Saudis beginnt in der Hauptstadt: Riad. Wir sind auf vier Landcruiser aufgeteilt und düsen zum ersten Besichtigungspunkt: dem Fort Masmak. Die arabische Halbinsel war im 19. Jh. teils im Besitz des osmanischen Reiches und teils von verschiedenen Stämmen beherrscht. In und um Riad waren das die Al Sauds, die 1865 das Fort errichteten, aber schon kurz darauf von den Al Raschids, die im Inneren Arabiens ihr eigenes Reich ausbauten, nach Kuwait vertrieben wurden.
1902 gelang dem jungen Abd al-Aziz ibn Saud die handstreichartige Rückeroberung, die zum Wiederaufstieg der Sauds und schließlich der Gründung Saudi-Arabiens führte. Bis 1938 war das Fort die Königsresidenz.

Ganz in der Nähe liegt der Alsafatplatz, die zentrale Hinrichtungsstätte. Wir blieben von solch einem "Spektakel" zum Glück verschont.
Am 12.03.2022 fand eine Masseneinrichtung von 81 Personen statt.

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Es folgt ein Spaziergang über den noch ziemlich verschlafenen Souq Al Zal, Sandelholzschnuppern hier, Bishtprobetragen da... Und ein bisschen Safran wird auch gekauft. Es scheint durchaus auch manchmal kalt zu werden, es werden mit Pelz gefütterte Mäntel angeboten.
Zum Abschluss gibt es Datteln und einen arabischen Kaffee, der eigentlich eher uringelb aufgebrühter Kardamom war.

1935 benötigte Abd al-Aziz ibn Saud einen neuen Repräsentationsbau vor den Toren Riads, also ließ er den Murabba Palast errichten.
Jetzt gibt's ein kleines Museum und die Autosammlung des Königs, inkl. u.a. eines Rolls Royce, den er von Churchill geschenkt bekam.


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Welchen Kontrast zum alten Palast da doch der Rest Riads bildet, wo sich ein Hochhaus ans andere reiht. Wir sind nun auf dem Weg nach Norden und halten an einem Restaurant am Wegesrand. Lunch ist inklusive. Und es wird aufgetafelt! Hühnchen auf Reis, Salat, Auberginen, Okra. Tische gibt es kaum, man sitzt normalerweise in abgetrennten Kabinen auf dem Boden.


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Kurz nach dem Essen geht es offroad weiter. Ab und zu Mal ein Baum oder ein Strauch, ansonsten nur Staub und Steine - und das ein oder andere Kamel. Das ist eigentlich bisher das unwirklichste... plötzlich steht es da, wie das normalste der Welt, wie bei uns 'ne Kuh.

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Und so düsen wir durch die Wüste, bis wir "the edge of the world" erreichen. Der Jabal Tuwaiq ist eine Klippe, die Saudi-Arabien über 800 km von Nord nach Süd bis zur Rhub Al Khali durchzieht und stellenweise bis zu einem Kilometer hoch ist. Die beschwerliche Anfahrt von Riad hat sich gelohnt. Ein großartiger Ausblick mitten im Nichts. Guide Mohamed, der uns zusammen mit seinen Söhnen begleitet, lässt eine Drohne steigen, die Bilder und Filme werden spektakulär!



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Da wir keinen Bus haben, sondern uns auf vier Autos verteilen, können wir jetzt verschiedenen Interessen nachgehen.
M. und ich fahren zusammen zum Kingdom Center in Riad, aus dessen Mitte der Kingdom Tower aufragt, ein riesiger Flaschenöffner im alkoholfreien Arabien, der von 2002 bis 2012 das höchste Gebäude Saudi-Arabiens war. Das besondere ist die Skybridge in der 99. Etage mit einem tollen Blick über das Lichtermeer.
Unglaublich, dass Riad in den letzten 100 Jahren von 20.000 Einwohner auf knapp 7.000.000 gewachsen ist.

Im Untergeschoss gibt es noch ein Kebab vom persischen Imbiss und mit einem Careem (Uber auf arabisch) geht's zurück zum Hotel.

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Danke für den weiteren vielversprechenden neuen Reisebericht, den ich mir nachher später am Abend ausführlich und in Ruhe durchlesen werde, ich freue mich drauf!
 
23.10.2023

Early start ließ erst nichts Gutes erahnen, aber da "early" halb 9 heißt, kann ich gut damit leben. Wir verlassen jetzt Riad nach Norden. Neben der Straße reiht sich Baustelle an Baustelle. Hier wird für die nächste Million Einwohner gearbeitet. Später wird es karg, rechts und links Wüste. Die Autobahn ist etwas holprig, aber 120 km/h sind kein Problem. Ab und an kommt eine Siedlung nebst Oase. Was man im Vorbeifahren sieht, wirkt gepflegt.
Zwischendurch gibts eine Kaffeepause an der Tankstelle. Diese sind gut ausgebaut mit Geschäften und Cafés, teils als Drive-in. Wie schon gestern, ist der arabische Kaffee hauptsächlich aufgebrühter Kardamom. Echter Kaffee ist aber auch drin, wenn auch wenig und nur hell geröstet. Dazu gibt's Dattelkonfekt.

Wir fahren jetzt quer durchs Nejd, die Region Innerarabiens. 1921 gründete Abd al-Aziz ibn Saud das Sultanat Nejd und anschließend das Königreich "Hejaz, Nejd und seine Nebenländer", aus denen 1932 das moderne Saudi-Arabien hervorging.


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So langsam kommen wir in die Nefud Wüste. Der graue Dreck am Wegesrand wird zu wunderschönem roten Sand. Hier können sich bis zu 180m hohe Dünen bilden. Hier geht es dann ein wenig querfeldein dank unserer Land Cruiser, bis wir eine kleine Kamelfarm erreichen. Es folgt ein obligatorischer Fototermin mit den Tieren und dann geht's zu Fuß auf die Düne. So eine faszinierende Landschaft, die Kontraste zwischen Himmel und Sand: großartig!

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Zwischen all dem Sand gibt es aber auch ab und an eine Oase. Und so kommen wir nach Ushaiqir, einer der ältesten Siedlungen im Nejd, die schon immer ein wichtiger Zwischenstopp für die Pilgerrouten aus Kuwait, dem Iran und Irak nach Mekka war.
Im heritage village konnte der alte Ort bewahrt werden. Wir schauen eines der Heimatmuseen an und spazieren eine Weile durch die Gassen. Der Ort erlangte 2017 auch internationale Bekanntheit, als eine Frau im Minirock durch den Ort spazierte, um gegen die damals noch harten Kleidervorschriften zu protestieren.
Seit 2018 gibt es jedoch keine Verpflichtung mehr zur Verschleierung. Heute sind sowohl unverschleierte, Frauen mit Abaya, sowie vollverschleierte zu sehen. Der Wandel wird noch ein bisschen brauchen.
Wegbereiter hierfür war Kronprinzen Mohammed bin Salman, oder kurz MBS, sicherlich eine ziemlich umstrittene Person. Aber er hat definitiv viele positive Reformen in die Wege geleitet, sei es im Bereich der Frauenrechte, Korruptionsbekämpfung oder beim Beschneiden des Einflusses der religiösen Elite. Letzteres macht sich zum Beispiel dadurch bemerkbar, dass keine Muezzinrufe über Lautsprecher mehr zu hören sind.

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Gleich um die Ecke gibts noch lecker Mittagessen, bevor es wieder auf Achse geht. Eigentlich war ein Inlandsflug nach Al-Ula geplant gewesen, aber der wurde schon vor einer Weile gestrichen. Ich find's nicht schlimm, die Überlandfahrt ist definitiv besser.
Und je tiefer die Sonne sinkt, umso mehr Wolken ziehen auf. Ich hab ja mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass wir Regen in der Wüste bekommen - nur ein paar Tropfen, aber immerhin.

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Was bei uns die Wildbrücken sind, gibts hier für Kamele. Das untere Bild ist nur geklaut, leider haben wir keine Kamelbrückenüberquerung in Aktion gesehen.

Nach Sonnenuntergang kommen wir in Ha'il an, dem Zwischenstopp für die Nacht. Das Hotel ist schick und modern und fürs Abendessen steht eine ganze Fressmeile zur Verfügung. Nach dem reichhaltigen Mittagessen reichen mir aber ein paar Nüsse und etwas Obst vom Basar. Die anderen zieht es zu McDonalds. Ich verzichte. Westliche Ketten sind in Saudi-Arabien sehr präsent... McDonalds, Burger King, Subway, KFC, Dunkin Donuts etc.
 
24.10.2023

Im Hotel gibts kein Frühstück, deswegen geht es noch einmal nach Ha'il. Das passt ganz gut, denn im Anschluss schauen wir auf dem örtlichen Basar vorbei. Ha'il ist das saudische Zentrum zur Herstellung von Weihrauch- bzw. Sandelholzöfchen, die hier natürlich auch verkauft werden. Daneben gibt es auch eine ganze Reihe Kaffeekannenwerkstätten. Die werden hier nicht nur hergestellt, sondern auch wiederaufbereitet. Es ist üblich, jedes Jahr zum Herbst hin die Zinnauflage im Inneren zu erneuern.

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Heute liegen wieder einige Kilometer vor uns, also geht es wieder auf die Straße. Aber irgendwas läuft hier verkehrt: Nur noch winterliche 23°C und Nieselregen. Dafür ist es eine spannende Fahrt nach Jubbah, zwischen Dünen hindurch und vorbei an bizarren Bergen.

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Ursprünglich war ein Inlandsflug von Riad nach Al Ula geplant. Der wurde allerdings schon vor einer Weile aus dem Programm genommen, weswegen wir nun via Ha'il überland gefahren sind.
Dafür haben wir nun auch die Möglichkeit an der Welterbestätte Jubbah vorbei zu schauen. Menschen siedelten hier schon vor 80.000 Jahren, was Werkzeugfunde belegen. Aus der Zeit von vor ca. 20.000 Jahren bis hin zur islamischen Periode haben sich zahlreiche Felszeichnungen erhalten. Es erinnert mich, ebenso wie die Landschaft, sehr an die Qobustan-Felszeichnungen in Aserbaidschan.
Und auch da hat es bei meinem Besuch geregnet.

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Es ist fast so, wie Wolkengucken. Bei all den schroffen Felsen beginnt man irgendwann Formen zu erkennen. Besonders schön finde ich den stattlichen Löwen unten rechts.

Jubbah war allerdings erst Halbzeit, heute müssen wir noch bis Al-Ula. Also geht es nach dem Mittagessen weiter, erst offroad und dann wieder auf Asphalt. Das Nichts kann ja so spannend sein.

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Nach Sonnenuntergang wird es Felsiger, wir fahren teils durch bizarre Schluchten. Mittlerweile stecken wir auch voll im Gewitter, rechts und links zucken die Blitze.

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Kurz vor Al-'Ula teilen wir uns. Einige fahren schon ins Hotel, der Rest hat Hunger. Ich schließe mich der zweiten Gruppe an, auch wenn ich nicht verstehen kann, warum man jetzt Pizza essen möchte. Zum Glück teilen wir uns noch einmal und ich werde etwas traditioneller. Auf der Speisekarte steht zum Beispiel ¼ Ziege, ½ Ziege oder 1 Ziege. Zum Glück gibt's auch kleinere Portionen... Und zum Nachtisch Kunafa.

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Al Ula soll zu der Hauptattraktion Saudi-Arabiens ausgebaut werden. Dementsprechend sind schon einige teure Luxusressorts entstandenen. Wir sind in keinem davon abgestiegen. Das was bleibt liegt am anderen Ende des Spektrums, dicke Käfer inklusive. Nachdem wir sie nach draußen befördert hatten, war aber alles okay.
Dafür ist die Lage der Shalal Farm traumhaft: direkt am Fuße der von schmalen Gängen durchzogenen Felsen.
 
25.10.2023

Die Nacht war erstaunlich erholsam. Da war dann sogar noch ein kleiner Spaziergang vor dem Frühstück drin. Und jetzt bei Licht sehe ich erst richtig, was für eine tolle Landschaft das hier ist. Rundgelutschte Berge, Palmen, Bougainvilleen ... wunderbar.

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Nach dem Frühstück im Beduinenzelt gehts mit dem Auto zum Besucherzentrum. Da die Oase um Al-'Ula ziemlich groß ist dauert das eine Weile. Unterwegs biegen wir einfach mal ab von der Straße und haben Spaß beim Dune Surfing.


Unsere Autos parken wir nahe Al-'Ula und steigen auf einen größeren Bus um. Saudi-Arabien hat in den letzten 8 Jahren viel Geld hier rein gesteckt, um eine touristische Infrastruktur aufzubauen. Und so werden wir nun als gesammelte Schafherde zu den weit verstreuten antiken Stätten getrieben.
Bei Mada'in Salih handelt sich um die antike Stadt Hegra, eine Handelsmetropole, die ursprünglich von den Nabatäern errichtet wurde und auch von den Thamud bewohnt wurde. Die stark bewehrte nabatäische Festung der Stadt wurde nach der Machtübernahme durch die Römer im frühen zweiten Jahrhundert zu einer mit Kamelreitern besetzen Grenzgarnison am Limes Arabicus umgebaut, der südlichsten Grenze des Römischen Reiches.

Das für mich ikonischste Bauwerk der Gegend ist das "Grab von Lihyan, Sohn des Kuza" (ca. 1. Jh. n. Chr.), auch bekannt als 'Qasr Al farid' (einsames Schloss). Die riesige Fassade wirkt wie fehlplatziert in der Landschaft. Auch eine Gruppe schwarzverschleierter junger Frauen ist hier unterwegs und hat viel Spaß. Natürlich ist man als Tourist einerseits neugierig, aber andererseits auch vorsichtig. Welche Annäherung ist angemessen? Kann ich heimlich ein Foto aus der Ferne machen? Aber die sind umgekehrt genauso neugierig, unerwartet aufgeschlossen und Selfies nicht abgeneigt.


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Jetzt schieben wir mal fix noch ein Mittagessen ein. Diesmal bestelle ich mir Kamel und bin positiv überrascht. Geschmacklich in Richtung Rind und sehr zart. In Algerien hatte ich schon einmal Kamel vom Grill, das war deutlich zäher.

Ich hatte vorab noch ein paar Besuchswünsche eingereicht, die nicht mit im Plan standen. Den örtlichen Bahnhof der Hejazbahn haben wir leider nicht besucht, dafür aber die Maraya Konzerthalle. Maraya bedeutet auf arabisch "Spiegel". Und das trifft es auf den Punkt. Wenn man über die Sandkuppe durch die Felsen fährt, taucht plötzlich wie eine Fata Morgana ein verspiegeltes Gebäude auf, das mit der Landschaft verschmilzt, in der Sonne glänzt und einen an seinen Sinnen zweifeln lässt.
Es ist laut Guinnessbuch das weltgrößte verspiegelte Gebäude. Genutzt wurde Spezialglas, damit die Spiegel nicht im nächsten Sandsturm schon stumpf werden. Hier findet das Al Ula Music Festival statt, zu dem zahlreiche internationale Stars auftreten.


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Neben all den Bauwerken gibt es aber auch geologische Wunderwerke in Al-'Ula, deren beeindruckendstes der Elefantenfelsen ist, der inmitten der dramatischen Wüstenlandschaft liegt. Wind und Wasser haben über Jahrmillionen den Felsen geformt, der zu jeder Tageszeit spektakulär ist, aber besonders in den Abendstunden golden erstrahlt.


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Bis zum Sonnenuntergang bleiben wir allerdings nicht. Stattdessen winden wir uns noch eine steile Serpentinenstraße hoch zum Harrat Viewpoint. Wer hätte gedacht, dass wir hier schon auf etwa 1.200m Höhe sind? Oben angekommen ist plötzlich eine komplett andere Landschaft. Kilometerweit plattes Land, kein Sand, nur noch vulkanisches Geröll. Allerdings erwartet uns am Ende der Straße ein grandioser Blick ins Tal auf Al-'Ula mit dem Sonnenuntergang im Rücken. Wer braucht den Grand Canyon, wenn er auch nach Saudi-Arabien kann?
Bei der Rückfahrt müssen wir einmal scharf bremsen: Kamele auf der Fahrbahn.

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Aufs Abendessen verzichte ich heute. Es gibt einfach mittags schon viel zu viel zu Essen. Dafür spazieren wir noch kurz durch die Altstadt von Al-'Ula, die nach und nach restauriert wird. Die Lehmhäuser und Lichter machen eine schöne Atmosphäre, in der die schwarzgewandeten Frauen und weißen Männer noch einmal besonders stimmungsvoll wirken.

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26.10.2023

Der Wecker klingelt zeitig, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Danach gibt's Frühstück und wir schauen noch einmal in die Schlucht, die sich hinter dem Hotel erstreckt. Wie alles in der Region erinnert die Schlucht an den Siq im jordanischen Petra. Und zumindest was die gestern besuchten Ruinen angeht, ist es nicht so weit hergeholt, denn hier wie dort waren die Nabatäer die Baumeister.

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Doch die Nabatäer waren nicht das einzige hier ansässige Volk. Im 6.-4. vorchristlichen Jahrhundert existierte in der Oase von Al-'Ula das Reich Lihyan, dessen Hauptort Dadan auch in der Bibel Erwähnung findet.Strategisch günstig zwischen den Felsen gelegen und als Handelspunkt an der Weihrauchstraße zu Wohlstand gekommen, formte Dadan die Oase Al-'Ula zur Kulturlandschaft.
Wir schauen uns auch hier wieder Gräber an, allerdings nur aus der Ferne. Die Ausgrabungen der eigentlichen Stadt Dadan sind noch im Gange.

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Ein Stückchen weiter erreichen wir Jabal Ikmah. Rund um Al-'Ula finden sich unzählige Felsinschriften, hier jedoch die meisten, weswegen der Ort auch als Freiluftbibliothek.


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Knapp 4½ Stunden Fahrt vergehen wie im Fluge. Sandwüste wechselt sich mit vulkanischem Geröll, schroffen Bergen und einigen Oasen ab.
Vor Medina türmen sich wieder drohende Wolkenberge auf, doch bis auf ein paar Tropfen und einen Regenbogen bringen sie uns nichts mit.

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Am späten Nachmittag erreichen wir dann Medina, die zweitheiligste Stadt des Islams. Hierhin zog Mohammed, als er in der Hidschra Mekka verließ. Dieses Ereignis bildet übrigens auch den Beginn der islamischen Zeitrechnung.
Wir kommen unter anderem auch an der "Moschee der zwei Gebetsrichtungen" vorbei. In den Anfängen des Islams wurde nach Jerusalem gebetet, später änderte man die Richtung nach Mekka.


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Wir checken nur schnell ins Hotel ein und dann bringen uns die Autos ein Stück Richtung Zentrum, den letzten Rest müssen wir aber zu Fuß zurück legen. Was für ein Unterschied zu den Pilgerstätten im Irak. Hier wirkt alles so viel kommerzieller, reicher, sauberer - und deutlich weniger atmosphärisch.
Die Prophetenmoschee wurde über Mohammeds Wohnhaus und Grab errichtet. Für uns Nichtmuslime ist sie allerdings tabu. Also ziehen meine Freundin und ich außen um das riesen Ding. Die anderen gehen derweil Essen. Der Entdeckerdrang während der Freizeiten ist bei den anderen erstaunlich niedrig ausgeprägt.

Medina war auch der einzige Ort, wo wir tatsächlich als Touristen 2-3 Mal nicht ganz so herzlich empfangen wurden. Da wurden wir auf der Straße angesprochen, ob wir überhaupt Muslime seien. Allerdings weiß ich nicht, ob es diejenigen grundsätzlich nicht Recht war, dass Ungläubige nach Medina kommen, oder sie einfach nicht wussten, dass Nichtmuslime durchaus in die Stadt dürfen, nur eben nicht aufs Areal der Prophetenmoschee.

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Nachdem mein Wunsch, die Hejazbahn zu besuchen in Al-'Ula leider nicht erfüllt wurde, komme ich zumindest in Medina zur Endhaltestelle. Die Hejazbahn wurde vom osmanischen Sultan vor dem ersten Weltkrieg in Auftrag gegeben, um Pilger von der Levante nach Arabien zu bringen. Richtig zum Einsatz kam sie aber nicht, im Krieg gab es Sabotage und Zerstörungen (Lawrence von Arabien machte sich hier einen Namen) und die Mandatsmächte nach dem Krieg konnten sich beim Betrieb nicht einig werden. Einige Streckenabschnitte und Bahnhöfe existieren aber noch, so habe ich in Jordanien im Wadi Rum schon einen Waggon stehen sehen. Oder eben nun hier die Endstation der Bahn in Medina.

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27.10.2023

Heute starten wir wieder auf einem Markt. Der Dattelmarkt von Medina soll der beste in ganz Saudi-Arabien sein. Morgens um 10 ist allerdings noch nicht so viel los. Ein bisschen mehr Trubel war auf dem Gemüsemarkt. Beeindruckend war allerdings auch der Fleischmarkt - einen so aufgeräumten und hygienischen habe ich im gesamten arabischen Raum bisher noch nicht gesehen.
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Nun geht es weiter nach Jeddah - so weit südlich war ich bisher noch nie. Die Hafenstadt gilt als Einfallstor nach Mekka.
Mekka selbst steht leider nicht auf dem Reiseplan, das ist für uns Nichtmuslime tabu. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das auch irgendwann. Saudi-Arabien macht zur Zeit einen großen Wandel durch. Es öffnet sich für Besucher und der Kronprinz hat der erzkonservativen, korrupten religiösen Kaste den Kampf angesagt. Frauen dürfen jetzt Auto fahren, sich freier bewegen, ohne die Erlaubnis eines männlichen Familienangehörigen zu benötigen, eigenen Besitz haben...

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Die Fahrt nach Süden geht durch vulkanische Landschaften. Lavareste prägen das Bild. Der letzte Ausbruch ist aber schon eine Weile her, es gibt Berichte um das Jahr 700 herum.

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Unglaublich, was die Reise für Überraschungen bereit hält. Ich habe schon an mir gezweifelt, als ich im Vorbeifahren ein Schild zu sehen gemeint habe, dass das Füttern der Affen untersagt.
Und tatsächlich: plötzlich fällt eine Horde Paviane über uns her. Was für ein Schauspiel.

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Nun kommen wir aber langsam Jeddah näher und sehen schon ein künftiges Wahrzeichen im Dunst: den Jeddah Tower. Wenn er mal fertig ist, soll er über 1.000m hoch werden. Während Corona haben die Bauarbeiten geruht, aber seit September 2023 geht es weiter. Aktuell sind schon knapp 300m Höhe erreicht.

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Nach der ganzen Wüste können wir nun Meeresluft am Roten Meer schnuppern. Aber erfrischend ist es keinesfalls. Es ist noch heißer als bisher, gepaart mit einer hohen Luftfeuchte, die alles kleben lässt. Es ist mir unverständlich, wie die Frauen das verhüllt aushalten.

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Nach dem kurzen Spaziergang an der Corniche geht es zur ar-Rahma Moschee, die auch als schwimmende Moschee bekannt ist. Um zu ihr zu gelangen, müssen wir erst einmal durch den Yachthafen. Was hier schwimmt, ist erstaunlich klein. Ich hätte in Saudi-Arabien mit kostenintensiveren Spielzeugen gerechnet.
Leider wurden wir hier etwas gehetzt, da blieb nicht viel Gelegenheit, die Szenerie zu genießen.

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Unser Hotel beziehen wir ein Stück weiter Richtung Zentrum. Zimmertür auf, auf der Schwelle kehrt gemacht, Zimmertür zu. Das muss getauscht werden, es gab kein Fenster. Aber ein Wechsel war problemlos möglich.
Die Klimaanlage leistet hier Schwerstarbeit, die Zimmer sind eiskalt. Als ich das Fenster geöffnet habe, um hinauszuschauen, ist mir gleich die Brille beschlagen.

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Jeddah hat mehr als nur eine Corniche. Für den Abendspaziergang gehe ich mit meiner Freundin zur Al Hamra Corniche. Im aufziehenden Sandsturm ist das nicht so einfach. Unterwegs treffen wir eine Muslima aus Köln, mit der wir uns nett unterhalten.
An der Corniche werfen wir noch einen Blick auf die 312m hohe King-Fahd-Fontäne, die höchste der Welt, bevor Niesel einsetzt. Also kehren wir um. Der Niesel entwickelt sich jedoch schnell zu einem regelrechten Schauer und es dauert nicht lange, dass wir nass bis auf die Knochen sind. Essen gehen sparen wir uns in diesem Zustand. Gebäck und Nüsse auf dem Zimmer tun es auch...
 
28.10.2023

Wir starten den Tag mit einem Museum (Museum of Home Art, bzw. von Abdul Raouf Hasan Khalil). Was uns genau erwartet, wussten wir nicht, doch dann öffnen sich die Türen und wir sind erschlagen von der Menge der Exponate.
Es ist das ehemalige Wohnhaus eines Airforce Piloten aus reicher Familie, der hier seine Sammlung präsentiert. Was harmlos mit einem überfüllten Foyer beginnt, entwickelt sich zu einem Labyrinth aus 1001 Prunkschlafzimmern. Sogar ein 3m hoher indoor Springbrunnen und ein beleuchteter Wasserfall sind vorhanden.
Alle Gruppenmitglieder verlieren sich irgendwann aus den Augen und wir haben keine Ahnung, wo sich der Ausgang befindet. Die wenigen Aufpasserinnen sind auch keine große Hilfe, da sie uns scheinbar immer im Kreis zu schicken scheinen.
Schließlich sitze ich mit einem Teil der Gruppe in einem klimatisierten Pavillon im Hof und warte auf den Rest, der noch eine halbe Stunde länger brauchen wird.
Lustigerwiese Arbeit die Klimaanlage nur bis Brusthöhe. Beim Aufstehen merkt man richtig die Grenze zwischen warmer Luft in Kopfhöhe und der kalten brustabwärts.


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Nach der Flucht aus dem Labyrinth und einem Kaffee zur Entspannung geht es nun zum Fischmarkt. Jeddah liegt am Meer, da liegt es nahe, statt Kamel einmal Fisch zu essen. Auf dem Markt bin ich überwältigt von Gewusel und dem sprichwörtlich bunten Angebot. Jeder sucht sich etwas an den Ständen aus. Danach geht es in einen abgetrennten Teil des Marktes, wo die Fische ausgenommen und geputzt werden. Danach trägt man seinen "Fang" weiter zum Restaurant, wo der Fisch nach Wunsch zubereitet wird. Ich entscheide mich für einen der bunten Papageienfische und lasse ihn grillen.

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Nun ist Freizeit angesagt. Das nutze ich für einen kleinen Spaziergang nördlich der Altstadt, denn ich habe noch einen Punkt entdeckt, der leider nicht im Tourprogramm steht: Das Grab der Eva. Adam und Eva sind natürlich auch im Islam von Bedeutung. Am vermeintlichen Grab Adams in Nadschaf war ich schon. Eva soll in Jeddah bestattet sein.
Jeddah bedeutet übersetzt soviel wie Oma und Eva gilt im Islam als Großmutter der Menschheit.
Eine genaue Grabstätte gibt es nicht, nur ein Areal, dem sie zugeschrieben wird. Hier befindet sich ein ganzer Friedhof. Ich gehe einmal um die hohe Mauer, aber nicht rein. Fotografie-Verbot und Zeitdruck, denn wir wollen uns noch von Mohamed durch die Altstadt führen lassen.

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Jeddah al-Balad, die Altstadt, ist Unesco-Kulturerbe. Jeddah ist das Tor nach Mekka für alle Pilger, die mit dem Schiff angereist sind. Dementsprechend multikulturell wurde die Stadt im Laufe ihrer Geschichte geprägt. Die Altstadt besteht aus hohen Häusern, die mit zahlreichen teils farbigen Holzerkern geschmückt sind. Die erinnern mich ein wenig an die Balkone in Malta. Viele Gebäude sind in einem schlechten Zustand, aber es sind einige Instandsetzungsmaßnahmen im Gange. Das wird einmal richtig hübsch werden.

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Und schon wieder beginnt es zu regnen. Wie passend, dass wir gerade bei dem aus den 1930ern stammenden Haus der Familie Sharbatly stehen, die in Saudi-Arabien führend im Obst- und Gemüsehandel ist. Noch besser ist, dass hier ein Food Festival stattfindet, das alle anderen Essensvorhaben heute zunichte macht.
Hier verabschiedet sich schließlich auch der Großteil der Gruppe voneinander. Ab jetzt geht es auf getrennten Wegen weiter, je nachdem wann jeder seinen Heimflug antritt.

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Ich benötige noch Briefmarken und lasse mich von Google Maps zum Mekka-Tor führen. Das versprochene Postamt gab's nicht, dafür einen netten Basar. Lange bleiben wir aber nicht, denn es zieht bedrohlich schwarz auf.
Am anderen Ende der Altstadt finden wir noch eine Post. Leider gibt es keine Briefmarken... Nun springen wir fix in ein Taxi, denn Gewitter und Regen setzen ein. Zurück am Hotel wollte der Taxifahrer kein Geld haben. Aber wir haben natürlich trotzdem etwas gegeben.

Als der Regen später aufhört, gehen meine Freundin und ich noch aufs (inoffizielle) Rooftop, stoßen zwischen den ratternden Klimaanlagen mit einem (alkoholfreien) Abschiedsdrink an und bewundern die partielle Mondfinsternis.

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29.10.2023

Nach einem letzten Frühstück geht's mit einem Careem zum Flughafen. Auf der (erfolglosen) Suche nach einem Postamt stehen wir plötzlich im Bahnhofsterminal vor einem 10m hohen Aquarium und vertreiben uns die Wartezeiten mit Fischegucken. Um 12:35 startet dann pünktlich unser Flieger von Kuwait Airways.

Das kurze Zwischenfazit zu Saudi-Arabien: Ich bin positiv überrascht, sowohl vom Land, Landschaft, Geschichte, touristische Strukturen, wie auch von den Leuten. Es war nicht das strenge, abweisende, verschlossene Land, was ich erwartet hatte. Sehr sauber, offenherzig und gastfreundlich.

Der einzige Wehrmutstropfen für den Touristen in mir war, nicht nach Mekka zu kommen. Aber da sollte ich doch tatsächlich noch ein klein bisschen Glück haben! Nach dem Start ist es noch klar, sodass man Mekka in der Ferne sieht! Man erkennt es gut, da neben der großen Moschee ein monströser Hotelturm aufragt.
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In Kuwait gelandet ist auch hier die Einreise kein Problem. Als EU-Bürger gibt es eigentlich Visa-on-arrival, aber ich habe mir trotzdem vorab schon ein eVisum besorgt, weil das die Einreise wohl noch schneller vonstatten gehen lässt. Als erstes wird Geld geholt. Hier muss nun umgedacht werden, damit man nicht ausversehen zu viel ausgibt, weil alles so billig aussieht. Der Kuwait-Dinar ist die teuerste Währung der Welt, für 1 KWD muss man ganze 3 € hinblättern.
Danach machen wir uns auf die Suche nach unserer Mietwagenstation. Die Formalitäten dauern etwas mit vier Durchschlägen, aber schließlich erhalten wir doch noch einen schicken Hyundai Accent. Der Verkehr ist chaotischer als bei den Saudis, aber die Straßen sind sehr gut.
Das Hotel (Oasis Hotel, sehr zu empfehlen) ist schnell gefunden und einen Parkplatz gibt es auch gleich vor Ort.
Wir bringen nur fix das Gepäck aufs Zimmer, freuen uns über den grandiosen Ausblick auf die Skyline und sind dann auch schon wieder draußen auf der Straße.

Nach dem Flug brauchen wir ein bisschen Bewegung und laufen zum Fischmarkt. Etwas kleiner und aufgeräumter als in Jeddah, aber auch nett. Abendessen gibts in der sich anschließenden Mall.

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Einmal setzen wir uns noch ins Auto, denn auch wenn Kuwait ein kleines Land ist, ist die Stadt doch recht weitläufig. Es geht zu den Kuwait Towers, das Wahrzeichen Kuwaits schlechthin. In den 1960er Jahren wollte der damalige Emir Kuwaits die Wasserversorgung verbessern und ließ über 30 pilzförmige Wassertürme errichten. Bei der letzten Gruppe entschied er sich jedoch für ein spektakuläreres Design. Auch wenn sie sich an traditionellen islamischen Formen orientieren, wirken die drei Türme von 1979 doch wie überdimensionierte Christbaumspitzen. Schön anzusehen sind sie allemal.

Die Saudis hatten eine Vision 2030, die Kuwaitis haben eine Vision 2035. Ziel ist das Land auszubauen, die Wirtschaft zu stärken und unabhängiger vom Öl zu werden.
Ein Teil des Projekts ist die Errichtung einer neuen Stadt für 700.000 Einwohner. Um diese besser anzubinden, wurde die viertlängste Brücke der Welt errichtet (Sheikh Jaber Al-Ahmad Al-Sabah Causeway, 48,5 km).
In der Mitte gibt es eine Insel mit wunderbarem Blick auf Kuwaits Skyline.

Nicht ganz einfach war jedoch die Anfahrt. Das Navi kam nicht damit klar, dass zwei Straßen wirklich exakt übereinander verliefen.

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Den Rest des Abends wird dann die Skyline vom Hotelbett aus genossen.

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30.10.2023

Heute steht eine Überlandfahrt auf dem Programm. Kuwait ist nicht groß und da ist eine Nord-Süd-Durchquerung gut machbar. Nachdem wir gestern auf der Südinsel des Sheikh-Jaber-usw....-causeway waren, steuern wir heute die Nordinsel an und schließlich das Nordufer der Kuwaitbucht. Von der 700.000 Einwohner-Stadt ist noch nichts zu sehen. Nur reinige Hauptverkehrsadern sind schon angelegt, enden aber teils unvermittelt im Sand.

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Eigentlich wollte ich auf die Insel Bubiyan fahren, um einen Blick aufs Schatt al-Arab zu werfen, den Zusammenfluss von Euphrat und Tigris und eventuell sogar auf den Iran, der hinter dem Irak nur 20 km entfernt ist.
Daraus wird allerdings nichts, Bubiyan scheint Sperrgebiet zu sein, die erste Brücke ist gesperrt, die zweite ebenso. Dafür ist es eine interessante Fahrt durch die Wüste, auf leeren Straßen, vorbei an Kamelen und fliegenden Händlern, die mit ihren Verkaufslastern mitten im Nirgendwo stehen und u.a. Spielzeug im Angebot haben.
Nahe Abdali ändert sich unvermittelt die Landschaft. Von der Wüste kommen wir direkt in grüne Plantagenwirtschaft mit Farmen und Gewächshäusern. Hier kommen wir dem Irak immer näher. Ein Abstecher nach Basra wäre schon nett gewesen, aber mit dem Mietwagen können wir natürlich nicht über die Grenze. Es geht wohl auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln recht gut, aber da muss man etwas mehr Zeit einplanen.

Dafür füllen wir aber vorsichtshalber mal den Tank auf, 18 Liter für 1,880 Dinar (ca. 5,70€)!
Danach geht es schnurstracks wieder nach Süden. Auf diesem Highway ist Saddam Hussein 1990 in Kuwait einmarschiert. Dabei passieren wir viele Zelte und Wohnwägen. Es gibt wohl noch viele Kuwaitis, die als Beduinen leben.

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In Al Jahra wollte ich eigentlich das Rote Fort besuchen. 1920 fand hier die Schlacht von Jahra statt, in der Kuwait dem Nejd widerstand. Wäre das Fort gefallen, würde Kuwait heute wahrscheinlich ein Teil Saudi-Arabiens sein. Leider war das Fort geschlossen, sodass wir nur eine kleine Rast im Park machen.

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Den ursprünglichen Plan, noch einmal quer durch die Wüste nach Al Wafrah zu fahren lassen wir fallen. Das wäre noch einmal ein Plantagenareal, wie im Norden gewesen. Stattdessen geht es in Küstennähe Richtung Saudische Grenze zur Sabah Al Ahmad Sea City, einem weiteren Megaprojekt Kuwaits. Wo in den Vereinigten Arabischen Emiraten künstliche Inseln aufgeschüttet wurden, ist man hier den umgekehrten Weg gegangen. Es wurden unzählige Kanäle gegraben, wodurch sich Kuwaits Küstenlinie um 200 km, also etwa die Hälfte verlängert hat. Die Stadt soll zur Fertigstellung 250.000 Einwohner beherbergen und auch wenn schon viele Häuser stehen, hier ist noch tote Hose.

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Abendessen gibt's im Freej Swaeleh in Salmiya. Wir bestellen die traditionellen kuwaitischen Gerichte Murubian und Kabooth. Während meine Freundin schon einmal ins Hotel geht, schaue ich noch einmal um die Ecke zum al-Mubarakiya Basar. Der ist ziemlich aufgeräumt und sauber, hat aber trotzdem noch seine orientalische Ausstrahlung. Gefällt mir.

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31.10.2023

Nach gutem Frühstück starten wir gleich fußläufig zum Hotel in der großen Moschee von Kuwait, der größten des Landes mit Platz für über 10.000 Betende. Man spaziert aber nicht einfach so rein, sondern wird gleich in Empfang genommen und in einem Pavillon am Eingang mit Kaffee und Datteln bewirtet, während die Frauen erst einmal eine Abaya verpasst bekommen (Männer in kurzen Hosen erhalten einen Rock).
Die anschließende Führung durch Moschee und Studienzimmer des Emirs war sehr informativ und hat unseren Eindruck, das Kuwait sehr progressiv, freundlich und offenherzig ist noch einmal bestärkt. Die Monumentalität der Haupthalle und die Kunstfertigkeit der Stuckarbeiten ist beeindruckend!
Auch eine Kopie des Osman-Korans ist ausgestellt. Osman (auch: Uthman, 574-656) war der dritte Kalif und hat den Koran kanonisiert. Bei jedem Wort mussten mindestens zwei Zeugen bestätigen, es aus Mohammeds Mund gehört zu haben.
Osman ließ daraufhin alle anderen Koranversionen einsammeln und verbrennen. Der heutige Koran geht einzig auf Osmans Sammlung zurück. Das Original befindet sich heute im Topkapipalast in Istanbul.

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Nach der Moschee flüchten wir vor der Sonne in den schattigen Basar. Um diese Zeit haben die meisten Geschäfte aber noch geschlossen. Allerdings stolpern wir doch tatsächlich unerwartet über ein Postamt. Und das hat sogar Briefmarken. Nach Deutschland wird versendet, Österreich wird allerdings nicht beliefert - meine österreichische Freundin ärgert's.
Also holen wir schnell die Postkarten aus dem Hotel und bleiben nach dem Abgeben in einem Café kleben, um den restlichen Tag zu planen. Hier lässt sichs aushalten.

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Nahe der Wassertürme verbringen wir den frühen Nachmittag am Strand, die Füße im persischen Golf, der hier arabischer Golf genannt wird. Es ist kaum jemand hier, andernorts wäre so ein Sandstrand überfüllt.

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Als wir noch einmal über den Fischmarkt schlendern, überkommt uns der Appetit. Kurzerhand werden die Pläne über den Haufen geworfen und wir setzen uns in das einzige Gasthaus am Platze. Eine gute Entscheidung: der Koch holt die bestellten Riesengarnelen extra frisch vom Markt. Es schmeckt ausgezeichnet!

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Frisch gestärkt sind wir aufnahmefähig für Kultur. Das Nationalmuseum steckt in einem ziemlich großen Bau und zeigt ein paar Artefakte aus der Bronzezeit bis zur hellenistischen Periode. Ganz nett waren auch die Dioramen, die den Alltag in früheren Zeiten darstellen. Wobei das ein dehnbarer Begriff ist. Eines der letzten erhaltenen Stadttore Kuwaits wurde z. B. erst 1927 errichtet.

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Beim vorbeifahren ist uns jetzt schon mehrfach ein interessantes Gebäude mit Sternchen und leuchtenden Fenstern aufgefallen. Da schauen wir doch Mal... Es ist das Sheikh Jaber Al-Ahmad Cultural Centre, das größte Kulturzentrum im nahen Osten.
Das bekommen wir auch schnell zu spüren, vom Parkplatz auf der falschen Seite laufen wir erst einmal kilometerweit bis zum Eingang. Ganz ran kommen wir aber nicht, für hübsche Bilder reicht es aber. Gleich daneben befindet sich in einem Park, der Flag Square, inklusive tanzenden Brunnen. Der ist allerdings nicht in Betrieb aus Solidarität mit Palästina.

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Eigentlich wollten wir jetzt noch aufs Rooftop des Al Hamra Towers, mit 413m dem höchsten Turm Kuwaits. Leider ist es abends geschlossen. Also durchstreifen wir noch ein letztes Mal den Basar, umhüllt von intensiven Parfüm- und Räucherwolken. Und siehe da, plötzlich sitzen wir schon wieder beim Essen. Unser gestriges Restaurant, Freej Swaeleh, hat auch hier eine Filiale und mit lauter süßen Sachen lassen wir die unerwartet schönen Tage in Kuwait ausklingen.

Kurzes Zwischenfazit zu Kuwait:
Kuwait ist ein Land, was ich vorher so überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Aber es hat mich, auch wenn ich mich zu wiederholen scheine, absolut positiv überrascht. Man merkt, dass hier definitiv Reichtum im Land steckt, aber es ist ganz unaufdringlich. Kein Nouveau riche, der sein Blingbling um sich schmeißen muss. Vollverschleierte laufen hier neben Frauen im Businessdress, kurze Hose neben Kaftan.
Ich hab mich in den wenigen Tagen hier wohl gefühlt.

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