Im Besitzwechselfalle an die Reichsbank abzuliefern

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Jeder von uns hat bestimmt im Jaeger im Kapitel über die Reichsgoldmünzen die Bemerkung " ausser Kurs ab 16.08.1938 " gelesen. Seit 1933 herschte in Deutschland Devisienbewirtschaftung. Wer mehr als 10 Reichsmark ausführen wollte, musste sich dies schriftlich genehmigen lassen und bekam die Auszahlung der zugeteilten Devisenmenge in den Reisepass gestempelt. Wie zügig die Bearbeitung der Anträge von statten ging, ist mir nicht bekannt, doch vermutlich ging es nicht im Handumdrehen, was uns die Rahmenhandlung zu Kästners " Der kleine Grenzverkehr " beschert hat.
Neben hartem Geld, die Reichsmark wurde durch die Wirtschaftspolitik der neuen Machthaber vom internationalen Verkehr abgekoppelt und war eine am freien Devisenmarkt im Wert fallende Binnenwährung ( 1945 bekam man für einen Hundertmarkschein 25 Rappen ), trachteten die Behörden danach, die Kontrolle über den Goldbesitz zu erlangen. Zwar waren 1914- 1918 nicht eben geringe Mengen an Gold und namentlich an Reichsgoldmünzen abgeliefert worden , doch muss es noch genügend Goldmünzen in der Bevölkerung gegeben haben. Die Reichsgoldmünzen waren nach der Währungsreform wieder für kursgültig erklärt worden, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass sie wirklich eine nennenswerte Rolle im Zahlungsverkehr gespielt haben werden. Der Numismatiker und langjährige Vorsitzende der " Gesellschaft für internationale Geldgeschichte ", Willi Fuchs, der übrigens einer der Haupsachverständigen im Schmidt/Hausmann- Prozess war,begann in den 30er Jahren Reichsgoldmünzen im Verwandten- und Bekanntenkreis aufzukaufen. Fuchs schildert den Grund für seinen Sammeltrieb so : " ... überlegte ich mir, wie ich wohl am besten mein Geld anlegen würde. In einer Radioansprache versuchte ein Minister des Dritten Reiches der Bevölkerung klar zu machen, dass die Mark durch die dafür geleistete Arbeit gedeckt sei und daher niemand Angst um den Wert seines Geldes zu haben brauche. Da aber wärend dieser Zeit überwiegend das Geld für Rüstungszwecke und für den Bau von Autobahnen ausgegeben wurde, sagte ich mir, wenn ein Panzer, der vielleicht 500.000 Mark gekostet hat, abgeschossen wird, dann sind 500.00 Mark unserer Währung geplatzt " ( Quelle : "Wie ich zum Sammeln kam ", Battenberg, 1972 , S. 96f )
361 Reichsgoldmünzen brachte Fuchs zusammen, bevor 1938 das Goldbesitzverbot, von dem nur numismatisch wertvolle Stücke ausgenommen waren, verhängt wurde, infolgedessen die Reichsgoldmünzen am 16.08.38 ungültig wurden.
Zwar hatte, einem damaligen Bonmot nach, der Volksgenosse zu folgen bis zum Schluss und nicht schlusszufolgern, doch Fuchs tat letzteres und gab nur pro Forma einige wenige Goldmünzen ab, 350 Stück versteckte er bis nach dem Krieg , auf ihnen baute er Anfang der 1950er Jahre eine komplette Reichsgoldsammlung auf, die Bezugsquelle waren nun die Banken. Schade, das das heute nicht mehr geht.
1938 musste das Gold abgegeben werden, doch bereits ab 1936 ( Rollentöter, 07.06.2012 hier im Forum ) musste Gold abgeliefert werden, wenn es eingezahlt wurde. Dieser Umstand spiegelt sich in der Übersicht " Deutsche Noten und Münzen im Umlauf " aus dem " Schlag nach - Wissenswerte Tatsachen aus allen Gebieten " aus dem Jahr 1938 ( Bibliographisches Institut AG, Leipzig ) wieder. " Im Besitzwechselfalle an die Reichsbank abzuliefern " steht hinter den Kronen und Doppelkronen. Ob wirklich jemand Gold zur Bank gebracht hat ? Ich glaubs nicht.
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Dass Staaten den Besitz von Gold bei Privatpersonen kontrollierten und einschränkten, gab es in der Geschichte immer wieder, dies war dann auch Ausdruck totalitärer Tendenzen, und in diesem Fall eben auch nicht nur der (kommenden) Kriegswirtschaft geschuldet ....

Wieder mal eine sehr interessante Information.
Herzlichen Dank für deine zahlreichen Beiträge und dein fundiertes Fachwissen zur Geschichte der Kaiserreichsmünzen. Ohne diese Hintergründe, an die sonst nur schwer heranzukommen ist, wäre für mich, der sich für Deutsche Geschichte interessiert, das Sammeln nur halb so spannend!
 
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