Deswegen, weil das, was mit vielen Münzen passiert ist, sich nicht auf Anhieb erschließt, hatte ich damals Abbildungen ausgesuchter Münzen angefügt, die geprägte, nicht erkennbar durch Korrosion oder Säureangriff (Tauchbäder) oder Ultraschall oder sonstige Behandlung entstellte oder veränderte Oberflächen haben.
Bei vielen alten Münzen sind Zirkulationsspuren oftmals weniger das "Problem". Diese sind relativ gut erkennbar. Problematisch sind Korrosions, Putz- und Reinigungsschäden und teils auch mechanische Überarbeitung wie Glättung, Nachschnitt und Nachgravur von Details und so weiter.
Auf 2 BS werden gerade jedemenge Dimes angeboten. Etliche davon haben deutlich sichtbare Reinigungsspuren. Der hier ist meiner Ansicht nach besonders krass: hier wurden Zirkulationsspuren (Wange) durch Tauchung oder Säurebehandlung kaschiert. MS 66 gibt es dafür (Nr. 2430702110). Was das für den Käufer bedeutet, dürfte bei einem Materialwert von etwa zwei bis drei Euro, klar sein. Hier ist die Erhaltung der Wert.
Ich kann nur jedem davon abraten, irgendetwas auf ein gutes Grading älterer Münzen zu geben. Die Ausnahme bilden neue Münzen, die direkt von der Münze kommen und da MS 70 oder MS 60 pder PR 70 oder PR 69 draufsteht, dann sollte das halbewgs passen.
Beim Kupfer ist es echt extrem und oftmals sehr gut sichtbar: das soll MS 63 sein: 39700388 und das ein MS 64+: 692800418
wer es nicht glaubt: hier hat der Grader aufgepasst: 1286200418 und er vergibt zu Recht ein "Cleaned" mit dem Zusatz: uncirculated Details.
Fürs Kupfer hänge ich einen Penny der Victoria und fürs Silber zwei grafisch stark nachbearbeitete Abbildungen (Kontraste extrem hoch und Helligkeit etwas runter und scharf gezeichnet) eines schwach ausgeprägten, frisch gereinigten Gulden aus einem Bodenfund (Reste grüner Anhaftungen am Rand und teils noch Mikrospuren davon in den Vertiefungen) von 1678 an, der noch klar und deutlich feinste Details wie Abziehlinien des Stempels und Metallfluss beim Prägen, aber auch typische Schrötlingsfehler zeigt. Bei dem sieht man, dass er gereinigt wurde, weil der noch keine Patina/Tönung hat. Nach einigen Jahren oder Jahrzehnten in einem alten Münzschrank kann man das dann auf den ersten Blick nicht mehr erkennen, da typische Korrosionsschäden nicht fachmännischer Reinigung oder Mehrfachreinigung fehlen.
Der gesunde Menschenverstand sagt: Bei Münzen die 50, 100 oder noch mehr Jahre auf den Buckel haben ist es sehr selten, dass diese unzirkuliert und mit der Original-Kupferfarbe rüberkommen. Es gibt Fälle, bei denen das wirklich so ist. Im Regelfall haben solche Münzen, wenn sie nicht geputzt oder blankgeätzt wurden, eine Patina. Und je älter eine Münze ist, desto geringer ist die Chance, sie in Kupferrot und unbehandelt anzutreffen.
Bei Silber ist es ähnlich.
Das einzige was bleibt: genaues, vergleichendes Studium der Oberflächen, besonders der freien Felder und der geschützten Vertiefungen und der ebenen, erhabenen Flächen der Beuchstaben, um den Verbrauchsgrad der Münzen durch (Regelfall) immer wiederkehrende Reinigungen einzuschätzen. Und bei Kaufinteresse das "Gesamtpaket" absolut und/oder (soweit möglich) vergleichend (relativ zu den am Markt vorkommenden oder publizierten Münzen) zu bewerten.
Bei antiken Münzen aus Kupfer, Messing oder Bronze ist es nochmals schwerer. Die meisten Funde sind Bodenfunde und müssen erst mal vom Boden entfernt werden. Das geschieht nie ganz ohne Spuren. Äußerst selten haben Bronzen, die im Boden lagen noch eine nahezu perfekte Patina, die feinste Spuren der Prägung zeigt, wie diese grün patinierte Bronzemünze des Caracalla, der ich mindestens 4,5 von 5 Punkten geben würde. Selten kommen Münzen, die in trockenen Gebieten, vielleicht in Gefäßen, die Zeit perfekt überdauerten auf den Matkt. Wie diese Tetradrachme des Gallienus mit Anhaftungen von antikem Hornsilbner. Da würde ich 5 von 5 Punkten geben, was die Felder angeht. Auch hier versagen Grading-Firmen, die die Felder der antiken Münzen beurteilen meiner Ansicht nach sehr oft.