Spätantike Religionspolitik auf einer Münze

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Mit Kaiser Konstantin (Constantinus I.) begann im vierten Jahrhundert eine neue Epoche in der Geschichte des römischen Reiches sowie des Christentums, die sich von Anfang an auch auf Münzen widerspiegelte. Zunächst noch eher unauffällig: Das Christogramm, also die Ligatur aus den beiden griechischen Buchstaben Chi und Rho für den Titel "Christus", findet sich als erstes christliches Symbol auf etlichen Typen von Bronzemünzen, die von Konstantin und seinen erschreckend einfallslos benamsten Söhnen Constantinus II., Constans und Constantius II. herausgegeben wurden. Allerdings muss man schon recht genau hinsehen, da es sich auf den Vexilla - den Standarten, die von den Soldaten auf dem Revers der Münzen getragen werden - in eher bescheidener Größe zeigt (s. Foto unten). Bescheiden war aber ja auch der Grad der Christianisierung der Söhne Konstantins: Die vom Vater gewollte Aufteilung des Reiches unter den Dreien wurde keineswegs in christlicher Demut hingenommen, sondern führte zu blutiger Rivalität. Im Westen geriet der Älteste, Constantinus II., in einen Hinterhalt des Constans und wurde umgebracht. Constantius II. schaltete derweil alle potentiellen Konkurrenten im Osten des Reiches aus.
Ein Kampf der beiden verbleibenden Brüder gegeneinander war zu erwarten und blieb nur deshalb aus, weil ein Offizier namens Magnentius dem zuvorkam und Constans im Jahre 350 seinerseits umbringen ließ. Nun hieß es also Constantius II. gegen Magnentius: Ein Christ gegen einen Heiden (Magnentius' Mutter soll sogar eine fränkische Barbarin gewesen sein). Magnentius hatte allerdings die Zeichen der Zeit und damit die Notwendigkeit, die Christen auf seine Seite zu bringen, erkannt. Zugute kam ihm dabei der innerchristliche Streit um die Frage der Gottheit Jesu: War Christus Gott dem Vater gleich oder nur ähnlich? Das Konzil von Nicaea 325 hatte die Frage prinzipiell zugunsten der Gleichheit entschieden und die Gegenposition, den so genannten Arianismus, verworfen.
Der Osten, einschließlich Constantius II., tendierte aber mehrheitlich zur arianischen Position, während im Westen die Anhänger des Konzils überwogen. Magnentius warb nun um die Unterstützung durch die Nizäner: Einerseits, in dem er Kontakte zu Athanasius von Alexandria, dem theologischen Vordenker der nizänischen Position, aufnahm. Der war von Constantius seines Bischofsamtes enthoben und ins Exil geschickt worden, besaß aber weiterhin großen Einfluss. Zum anderen versuchte Magnentius sich der Bevölkerung gegenüber als der trotz seines Heidentums bessere Herrscher auch für die Christen darzustellen.
Mit der ebenso simplen wie einleuchtenden Idee, einfach das Christogramm auf seinen Münzen von der Randexistenz in die Mitte zu setzen - und das in ansehnlicher Größe! Ein Signal an die Christen beider Richtungen: Seht her, ich mag zwar keiner von euch sein, aber ihr habt von mir für euren Glauben nichts zu befürchten! Zugleich ein Signal an Constantius und die Arianer: Ich gebe Christus den Platz, der ihm gebührt - in der Mitte! Nicht wie ihr, bei denen er nur eine Randnotiz ist. Die Propaganda des Magnentius verfing: Nicht nur sein Mitregent und Verwandter Decentius ließ Münzen des gleichen Typs anfertigen; auch der Rivale Constantius erkannte das Potential des Gedankens und begann seinerseits auch, im Stil des Magnentius zu prägen.
Die beste Propaganda nutzt natürlich nicht viel, wenn das militärische Glück nicht mitspielt: 351 wurde Magnentius bei Mursa (nahe Osijek/Kroatien) in einer der blutigsten Schlachten der Antike von den Truppen des Constantius geschlagen; 353 nahm er sich nach einer zweiten Niederlage in Gallien das Leben...
Neuzugang erworben bei der letzten G&M-Auktion:
Flavius Magnus Magnentius, "Doppelmaiorina", 9,5g Ae, geprägt in Trier 350-353; RIC VIII,318/Kampmann 148,23. Daneben noch das Revers einer Münze des Constantius II. mit kleinem Christogramm.
 

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