Willi Zwo macht Urlaub

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Aus den " Wöchentlichen Anzeigen für das Fürstentum Ratzeburg " vom 23.Juli 1889:

Am Montag Nachmittag erfolgte die Abfahrt Kaiser Wilhelms von Drontheim; Nachts um 11 1/2 Uhr, bei Tageshelle, fand eine Begegnung mit einem vom Nordkap kommenden Dampfer statt, der zwei Salutschüsse löste. Der Kaiser war bei bestem Wohlsein auf Deck und dankte für die Hurrahrufe. Am Dienstag Morgens 10 Uhr wurde bei spiegelglatter See und unvergleichlich schönem Wetter (14 1/2 Grad Reaumur) der Polarkreis passiert. Die Ankunft in Brodoe erfolgte gegen 3 Uhr; nach einstündigem Aufenthalt fuhr man die Lofoten entlang weiter nach Tromsoe, wo die Ankunft Mittag erfolgte. Die Stadt liegt bereits im Gebiet der Mitternachtssonne. Die "Hohenzollern" begegnete wiederholt Vergnügungsdampfern, deren Passagiere dem Kaiser laute Huldigungen darbrachten. Das Befinden des Monarchen ist ausgezeichnet. Die Fahrt nach dem Nordkap wird fortgesetzt.
An Einzelheiten von der Reise des Kaisers ist noch zu erwähnen: Am Sonntag hatte der Kaiser sein Gefolge mit einer Bowle überrascht, zu welcher er die Erdbeeren bei einem Ausfluge auf dem Lande persönlich von einem am Wege stehenden Manne gekauft hatte. Um die heimatlichen Anklänge der Bowle zu erhöhen, hatte Hofmarschall von Lyncker den Herren zum Mittagessen Sauerkraut mit Schweinsrippchen vorgesetzt.
In Drontheim spendete der Kaiser für den dortigen Dombau 1000 Kronen.
In Bergen erwartete den hohen Reisenden ein belebtes Bild. Als die "Hohenzollern" in den Kriegshafen einfuhr, sah man vor sich die Stadt, die hart an das hohe Gebirge gebaut ist. Im Hafen fiel zunächst das dort vor Anker liegende englische Geschwader, bestehend aus vier großen Panzern und einem Aviso, auf. Außerdem lag noch ein halbes Dutzend eleganter englischer Privatyachten im Hafen und zahlreiche Vergnügungsdampfer und Boote aller Art kreuzten auf der Wasserfläche, dicht mit Menschen besetzt, die, ebenso wie die gedrängte Volksmenge am Ufer, die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft des Kaisers angelockt hatte. Kaum war der Anker der "Hohenzollern" gefallen, als der englische Admiral einen Offizier an Bord sandte, um zu fragen, ob er Se. Majestät begrüßen dürfe. Der Kaiser ließ aber danken, um das stricte Incognito zu wahren. Wenn das Berger Publikum erwartet hatte, den Kaiser an Land zu sehen, so hatte es nicht mit dem Feldjäger gerechnet, der kurz nach der Ankunft der "Hohenzollern" an Bord gekommen war. Er war später erwartet worden und der Monarch hatte deshalb anfangs die Absicht gehabt, selbst ans Land zu gehen. Diese Absicht wurde aber beim Erscheinen des Kouriers sofort aufgegeben. Se. Majestät las zunächst die angekommenen Familienbriefe und die wichtigsten der Staatsdepeschen, um die eiligen Verfügungen zu treffen. Später wurden auf der "Hohenzollern" Kohlen eingenommen. Das ganze Schiff war zum Schutz gegen den Kohlenstaub mit Segeltüchern bedeckt, auf Deck wimmelte es von geschäftigen Matrosen und ringsherum lagen die großen schweren Kähne mit dem Kohlenvorrath. Bis 4 Uhr Morgens arbeiteten rüstig und unverdrossen die Mannschaften; als aber beim Morgensonnenschein die "Hohenzollern" wieder in See ging, da sah sie auch schon wieder so schmuck und blank aus, daß selbst das strenge Auge des ersten Offiziers nichts auszusetzen fand. - In Molde war an einzelnen Stellen des Viehes wegen der Weg durch Holzgatter versperrt. Hier standen die Kinder der nächsten Gehöfte und öffneten die Gatterthür. Der Kaiser, seinen Begleitern voranschreitend, schenkte den Kleinen sein Bildniß auf einem Goldstück. Es war ein nettes Bild, als dann die Kinder der Reihe nach an den Kaiser herantraten, um ihm nach norwegischer Sitte zum Dank die Hand zu reichen. Freundlich nahm der Kaiser die Hand der Kleinen und streichelte diese auch über ihre blonden Flachsköpfchen.
S. M. der Kaiser soll nach einem Telegramm, welches die "Lübecker Zeitung" am Freitag aus Bergen erhalten hat, den beabsichtigten Besuch der Lofoten auf der Rückreise aufgegeben haben. "

Ich nehme an, der Kaiser wird den Kindern eine Doppelkrone überreicht haben oder vielleicht doch eine Krone, da käme dann nur J 249 in Frage. Was wohl aus den Münzen geworden sein mag ?
J 250 Av.JPG J 250 1889 A Re 001.JPG
 
Was wohl aus den Münzen geworden sein mag ?

Ich denke, dass eine persönlich vom Deutschen Kaiser erhaltene Münze in den betreffenden Familien auf einem Ehrenplatz aufbewahrt wurde und die damit zusammenhängende Geschichte den nachfolgenden Generationen weitergegeben wurde. Heutzutage gäbe es vermutlich nur ein Selfie mit dem Kaiser...

Ob die Münzen dann in späteren Jahren von den Beschenkten selbst oder deren Erben (vielleicht in schlechten Zeiten) verkauft wurden?

Auf jeden Fall der Rat an die Beschenkten: nicht reinigen oder gar putzen (um die Kaiser-DNA zu erhalten...;))
 
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Kronerogøre hat heute keinen Urlaub gemacht, sondern bloss eine Dienstreise, auf der auch keine Doppelkronen, sondern bloss Kronen dabeigeführt hat. Der Anblick dieser Auslage hat ihn aber erfreut.
 

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