Warum großer weißer Streifen auf Münzen diesen Typ's?

Hallo,

ich will mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber wenn wir noch wenigstens eins oder sogar mehr Beispiele wie im gezeigten Bild finden, ist die Lösung für die Entstehung des Streifen zum greifen nahe. - Nämlich die Justierung und damit sehr wahrscheinlich eine Besonderheit im Justiervorgang an sich (vermute immer stärker, das es auf irgendeine Behandlung der Justiergerätschaften mit einem spezielen Schmier oder Kühlmittel zurückzuführen ist...)
Super zu sehen, die Streifen der Justierung verlaufen genau paralell zum Bayernstreifen!
Eine einzelne Münze ist für mich erst einmal "nur" Zufall (auch wenn sie super zur Hypothese passt).

Grüße pingu
 
Ich habe mir nochmals Gedanken zur Häufigkeit Münchner Stücke mit dem Streifen gemacht. Was wenn dort generell mehr justiert wurde. Warum auch immer.
Der Grund ist schnell gefunden (zumindest theoretisch und auch sehr wahrscheinlich das es wie in meinen Ausführungen ist bzw. sich begeben hat).:
Wenn ich davon ausgehe, dass die Zaine zu der Zeit in der Münzstätte selbst hergestellt wurden, wurden diese bekanntlich durch Auswalzen eines wie auch immer gestalteten Rohlings hergestellt. Dies erfolgt durch mehrfaches umformen des Materials mittels 2 Walzen, durch die der Rohling (vermutlich ein 4-Kantstab) mehrfach, bei immer geringer werdendem Abstand der Walzen zu einander, hindurchgeschoben wird. Aus dem Stab wird mit der Zeit ein längliches Blech (im Faden Beitrag 10 bereits in Bildern durch diwidat dargestellt).
Die Abstände der Walzen werden mit der Hand durch eine Mechanik aus Zahnrädern fein justiert. Wenn in diesem Einstellgetriebe ein Zahnrad etwas abgenutzt ist, lässt sich die Maschine nicht mehr fein genug einstellen. Da jedoch eine Untergrenze für die Dicke des Zainbleches zur Einhaltung des Gewichtes vorgegeben ist, muss mit der Toleranz nach oben gearbeitet werden. Somit sind die Zaine gringfügig zu dick (wahrscheinlich nur im Bereich von wenigen hundertstel Millimeter). Dies macht aber dann eine stärkere Justierung erforderlich.
So in München die Maschine nicht optimal einstellbar war (auf Grund von Alter oder auch Abnutzung), ist klar warum die Justierungen hier besonders häufig sind. Sehr Wahrscheinlich ist die Maschine dann irgendwann repariert oder ausgetauscht worden, so das die Justierungen wieder auf ein normales Maß wie in anderen vergleichbaren Betrrieben gesenkt werden konnten.

Grüß pingu
 
Tatsächlich ist das manchmal auch ohne Mikroskop erkennbar, wenn die Klinge etwas defekt oder grob geschliffen wurde.
Ich bin mir zu 98% sicher, dass diese Münze mit dem Handschaber justiert wurde.
Man erkennt sogar die gleiche Spur der Klinge, wie ein einzigartiger Fingerabdruck. Eine Maschine würde den Rohling nicht wenden und weil der immer noch zu schwer war um etwa 90 Grad drehen um das Prägebild nicht zu beeinflussen.
So ein traumhaftes Beispiel ist sehr sammelwürdig und ich würde mir es gerne in die Sammlung legen.
Vielleicht bekommen wir durch Aufklärung hin, dass diese Justierspuren irgendwann sogar Aufpreise erzielen. :D
 
So in München die Maschine nicht optimal einstellbar war (auf Grund von Alter oder auch Abnutzung), ist klar warum die Justierungen hier besonders häufig sind. Sehr Wahrscheinlich ist die Maschine dann irgendwann repariert oder ausgetauscht worden, so das die Justierungen wieder auf ein normales Maß wie in anderen vergleichbaren Betrrieben gesenkt werden konnten.
Das wäre eine Begründung. Vielleicht mussten die anderen Prägestätten deutlich weniger justieren und wenn, dann nur wenig, was mit den automatischen Maschinen gemacht wurde.
Diese haben eine andere Klinge und bei weniger Druck entsteht keine Gefügeveränderung.
Wenn in München immer recht viel abgeschabt werden musste, war das vielleicht nicht vom Justierautomaten möglich.
 
Ich denke schon, das eine Maschine zum justieren verwendet wurde.
Am Ende saß da eine Person und hat die Gewichte geprüft, bei zuviel Gewicht den Rohling in die Justiermaschine geworfen, je nach Gewicht 1 oder 2x auf den Knopf zum Auslösen des Vorganges gedrückt. Rohling wieder zum Wiegen. Bei immer noch zuviel Gewicht wieder in die Justirmaschine, ohne Rücksicht auf Ausrichtung oder Seite - daher es können auch Kreuze beim Justiervorgang entstehen oder beide Seiten justiert sein. Die Justiervorgänge beruhen auf Erfahrung, bei so und soviel Gewicht 1x schaben, bei mehr Gewicht 2x schaben. Es kann sogar vorgeschrieben gewesen sein, bei mehr als 1 oder 2 nötigen Justiervorgängen den Rohling zu bewegen, damit nicht an manchen Stellen Materialaufragungen stehen bleiben und dann beim Prägevorgang eine ungleichmäßige Prägung hervorgerufen wird. Um große Höhenunterschiede schon im Rohling zu überbrücken braucht es schließlich mehr Druck beim Prägen, was wiederum mehr Stempelverschleiß bedeuten würde....

Aber wie alles durch mich in diesem Thema geschriebene - eben alles nur Möglichkeiten die durch Beispiele (detailierte Münzfotos) zu untermauern wären.

Grüße pingu
 
Bezüglich der Kaltverformung und der Härte von 900er Silber habe ich folgende Grafik gefunden:
Graf HV10 zeigt die Härte wie sie abnimmt im Verhältnis zur Glühtemperatur.
Graf K zeigt die elektrische Leitfähigkeit, die niedriger ist, wenn nicht geglüht wurde.
Kann eine geringere elektrische Leitfähigkeit die Oxidation von Silber bremsen bzw. verhindern?

(Achtung gefährliches Halbwissen)

Eine weiterer Gedankengang ist folgender:
Beim Schaben bleiben Eisenpartikel auf der Oberfläche des Silbers kleben, die die Oxidation verhindern.
Edelstahl kann beispielsweise durch Kontaminationskorrosion mit Stahl rosten.

Vielleicht kann ein Chemiker meinen Gedankengang zu Ende führen.
Quelle des Grafen: Figure 14 Silver Based Materials - Electrical Contacts
 

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Mir geht den ganzen Tag die Frage durch den Kopf, ob es möglich wäre, die These des Justierens anhand eines Experimentes zu überprüfen.

Hypothese 1: Beim Justieren verändert sich die Oberfläche einer Silberlegierung dermassen, dass die Patinapildung auf der justierten Fläche anders verläuft.
Hypothese 2 : Eventuell spielt auch die Wartung mit metallbehandelnden Substanzen hierbei eine Rolle.

Durchführung:
Beschabung
: Ein geeignetes Silberstück wird mit einem geeigneten Werkzeug beschabt.
1. Beschabung mit einem unbehandelten Werkzeug
2. Beschabung mit einem mit gängigen Metallpflegesubstanzen behandeltem Werkzeug, Anzahl der Durchgänge in Anhängigkeit von der Anzahl der Metallpflegesubstanzen.
Die Beschabungen werden nebeneinander angebracht

Reinigung des Werkstückes

Patinierung:
Das Werkstück wird mit einer geeigneten Substanz patiniert

Einige Voraussetzungen:
Das Silberstück sollte mindestens die Feinheit der Münzen mit der geringsten Feinheit, bei denen ein weisser Streifen festgestellt wurde haben. Bei dänischen und norwegischen Zweikronenstücken habe ich sowas schon gesehen ( 800/1000 ). Gibt es schlechtere Legierungen ?

Zum Nachpatinieren würde sich eventuell ein frischgekochtes Ei eignen, dass man zusammen mit dem Werkstück in eine dicht geschlossene Dose legt.
 
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