Stempeldrehungen, Dezentrierungen, Zainenden - ein kleiner Überblick

Stempeldrehungen

Nja gaaanz leichte hatte ich schon aber unter 20° empfinde ich das nicht als sammelwürdig. Hier ging es aber um Extremos wie 40° oder 180°.
Wie ist überhaupt die Richtung? Was sind 20° und was sind 340°?


Moin, Moin,

--- da muss man ganz einfach die Zeiger einer Uhr verfolgen.
Bei 12:00 Uhr, also 0° Verdrehung, beginnt das Ganze und verläuft über z.B. die Werte für 1:30 (45°), 3:00 (90°), 4:30 (135°), 6:00 (180°), 7:30 (225°), 9:00 (270°), 10:30 (315°) und "kurz vor Zwolf" (359°) um dann bei 360° (0°) beim theoretischen Ausgangspunkt zu enden.
Ob sich der lose Stempel dabei links oder rechts herum gedreht hat, ist nur dann sicher zu bestimmen, wenn entweder ausschließlich Werte von 1° bis 180° (Drehung mit dem Uhrzeiger - rechts herum) oder von 180° bis 359° (Drehung gegen den Uhrzeiger - links herum) vorliegen. Es ändert aber bei der Bestimmung logischerweise nichts an den Werten, wenn man diese "1 bis 359" Grad-Methode bei der Benennung anwendet.
Bei vielen (vermutlich sich weniger mit der Materie beschäftigenden :)) Sammlern wird häufig ausgehend von 12:00 noch der ältere Begriff der Veränderung mit dem Zusatz "links" oder "rechts" verwendet.
Dabei würden sich die von mir genannten Werte 7:30 zu 135° links, 9:00 zu 90° links, 10:30 zu 45° links und "kurz vor Zwolf" zu 1° links ändern.
Wird bei dieser Benennung die Richtung der Abweichung von 12:00 Uhr (versehentlich) weg gelassen, entstehen automatisch Missverständnisse.

--- 20 Grad bedeutet 20 Grad :) (oder auch 20 Grad rechts)
--- 340 Grad bedeutet 340 Grad :) (oder auch 20 Grad links

Jeder legt seine Grenze von "sammelwürdig" natürlich selbst fest.

Als Fehlprägungen sind aber grundsätzlich alle Stücke zu bezeichnen, die, aus welchem Grund auch immer, eine größere Abweichung als die von den Prägestätten vorgesehene Toleranz von +- 5° (ausgehend vom "Nullwert" 12:00) aufweisen.

Beste Grüße
varukop
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Was ist aber die Ausgangsseite?
Ich nehme an es ist die Wertseite (12Uhr). Wenn ich die Münze wende, so dass die nationale Seite oben ist, kann ich die Drehung feststellen. 40° nach rechts (im Uhrzeigersinn) wäre dann eben 40° und 40° nach links (gegen Uhrzeigersinn) dann 320°.
Sehe ich das so richtig?
 
Moin, Moin,

theoretisch ist es "wurscht" welche Seite Du als Ausgangsseite (korrekt ausgerichtete Steite) nimmst, wenn Du anschließend wie bereits von "varukop" beschrieben im Uhrzeigersinn (also Ausgangspunkt 12 Uhr = 0 bzw. 360 Grad, 1.30 Uhr = 45 Grad, 3.00 Uhr = 90 Grad usw.) auf der anderen, also nicht korrekt ausgerichteten Seite misst, wirst Du exakt auf das gleiche Ergebnis kommen.

Ich persönlich bevorzuge die Wertseite als korrekt ausgerichtete Seite und messe dann auf der Motivseite den Grad der Verdrehung.

Grüße
muenzdieb
 
Was ist aber die Ausgangsseite?
Ich nehme an es ist die Wertseite (12Uhr). Wenn ich die Münze wende, so dass die nationale Seite oben ist, kann ich die Drehung feststellen. 40° nach rechts (im Uhrzeigersinn) wäre dann eben 40° und 40° nach links (gegen Uhrzeigersinn) dann 320°.
Sehe ich das so richtig?

Moin, Moin,

nochmals - wie von mir gewohnt "kurz" ;):D - zum richtigen Verständnis.

1. Wie von "münzdieb" geschrieben ("wurscht" :)) obliegt es dem "Geschmack" des jeweiligen Sammlers, welche Münzseite er als senkrecht aus zu richtende Ausgangsseite wählt.
2. Meine (Die) Angabe 12°° hat absolut keinen Bezug zu irgend einer festen Ausgangsseite, sondern markiert lediglich den Startpunkt bei der Drehungsermittlung !!!
3. Ich habe das "ungute" Gefühl, dass hier unbedingt nochmals auf die beiden immer wieder "durcheinander gebrachten" Begriffe "Wenden" und "Kehren" eingegangen werden sollte / muss !?

Bei der Bestimmung einer Stempeldrehung richtet man eine der beiden Münzseiten senkrecht aus - z.B. die Ws in einem Münzrähmchen - und dreht anschließend dieses Rähmchen wie einen Brummkreisel :):) um seine Längsachse (senkrechte Achse) !!! und bestimmt dann an der Rs den Grad der Verdrehung.
Zeigt nach dieser Längsachsendrehung z.B. der Adlerkopf auf ca. 1:30 Uhr, dann liegt eine Stempeldrehung von ca. 45° (S 45) vor.
Zeigt nach dieser Längsachsendrehung z.B. der Adlerkopf auf ca. 10:30 Uhr, dann liegt eine Stempeldrehung von ca. 315° (ca. S 315 oder ca. S 45° links) vor.

Dazu auch nochmals die Definitionen zu Wendeprägung und Kehrprägung, da diese auch in der Fehlprägungsliteratur z.B. als "Wende- / Kehrprägung" angegeben wird und somit fälschlicherweise suggeriert, dass beide Begriffe etwas identisches und nicht, wie richtigerweise, genau das Gegenteil meinen. Es gibt keine Wende- / Kehrprägungen, sondern immer nur Wendeprägungen oder Kehrprägungen !!!

Dabei muss man unbedingt berücksichtigen, dass diese beiden Begriffe lediglich zwei bestimmte Positionen der möglichen (Ver)Drehungen von 0° bis 360° von Ws und Rs zueinander beschreiben - nämlich die von 0° (sog. Kehrprägung) und die von 180° (sog. Wendeprägung).
Alle anderen feststellbaren Abweichungen von einer gewählten Grundeinstellung der Stempel zueinander bezeichnet man in richtiger Weise allgemein als Stempeldrehungen !

Wendeprägung
Von einer Wendeprägung oder "französischer Prägung" spricht man, wenn Vorder- und Rückseite einer Münze in entgegengesetzte Richtungen schauen, wenn man sie um die Längsachse dreht.<SCRIPT type=text/javascript>callurl("http://www.numis-online.ch/service/lexikon.html?mod4_1_startmonth=4&mod4_1_monthback=-1&mod4_1_idarticle=79&mod4_1_category=2");StartAdv();</SCRIPT>

Kehrprägung
Die Kehrprägung wird auch "deutsche Prägung" genannt. Die Stempel von Vorder- und Rückseite zeigen die gleiche Richtung, wenn die Münzen in der Längsachse gedreht werden.

Ich hoffe, dass meine Ausführungen ein wenig weiterhelfen, Drehungen richtig zu bestimmen und zu benennen.

Beste Grüße
varukop
 
Alles klar, vielen Dank an muenzdieb und varukop!
Ich hatte da einen Denkfehler. :eek: Es ist tatsächlisch wurscht welche Seite man als Ausgangsseite nimmt. Sorry :schaem: und vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen. :)
Gruß
umlaufmünze
 
Da denk ich mir heute mal so, als ich mit meiner Freundin bei ihren Eltern zu Besuch war, ach hol dir doch einfach mal wieder n paar Rollen zum Durchsuchen. Hatte glücklicherweise ein paar Euro über, die ich zur Seite legen muss und hab mir dafür mal spontan 3 2€ Rollen am Automaten geholt. Eben beim Durchsuchen musst ich doch 3mal hinsehen - was liegt vor mir? 2€ Deuthschland 2002 G mit genau 180° Stempeldrehung. :eek2: 5mal gewendet und geschaut, bleibt dabei. Man hab ich mich gefreut. Meine erste selbstgefundene Fehlprägung. :)

Bin erst morgen wieder in Wismar und werd euch dann mal n Foto reinstellen :)


P.S. mir fällt grad ein, ich hab schonmal ne 10ct aus Deutschland ohne Rand gefunden. Also die Wertseite ging bis ganz außen ohne die normale Erhöhung am Rand weiter. Zählt das als Fehlprägung?
 
zur 10ct kann ich nichts sagen, aber zur 2 € kann man nur gratulieren, ein sehr schöner Fund :respekt:
 
Glückwunsch auch von mir. Weisen die drei Fundstücke die normale 0,6 mm hohe Randschrift auf oder die bei 2002 G immer mal wieder auftretende auf ?

Wieso denn drei? ;) er hat drei Rollen durchsucht, aber "nur" eine Stempeldrehung gefunden :D drei Stück wär auch zuviel des guten :D
 
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