Preisverfall bei Münzen aus dem Kaiserreich?

Mir ist auch der Geldwert oder der Werterhalt in Euro nicht sehr wichtig.
Ich will vor allem Spass mit meinen Münzen haben, und den habe ich
persönlich vor allem mit sehr gut erhaltenen Münzen. Ich möchte Münzen
möglichst in unberührtem Zustand haben, eine Patina dürfen sie sehr gerne
haben.

Mir macht es auch Freude, etwas zu haben, was nicht jeder so einfach
- vor allem sofort bekommen kann. Das ist heutzutage ja schwer - man
bekommt alles zu jeder Zeit an jeder Strassenecke. Typisches Beispiel dafür
sind fast alle Euro-Münzen. Die einzigen Stücke, die für mich hierbei reizvoll
sein könnten, sind seltene Fehlprägungen oder seltene Varianten. Aber leider
mag ich weder kaputte Münzen noch bin ich Variantenjäger, der hunderte
von Rollen durchforsten möchte...

Der Werterhalt spielt für mich insofern schon eine Rolle, da ich doch relativ
viel Geld in meine Münzen investiere. Hier falsche Sentimentalität an den Tag
zu legen, ist nicht mein Ding. (Dieses typische "Wert spielt keine Rolle, da nur
der Spass an den Münzen zählt und man eh nie verkauft")

Ich behaupte nicht, dass ich die Münzen niemals verkaufen werde, und mir
das deswegen egal ist. In eine solche Situation kann jeder von uns kommen,
was weiss ich denn, für was ich mich in 30 Jahren interessiere, und ob ich
jederzeit ein Auskommen habe, ohne dass ich gezwungen bin, die Münzen zu
verkaufen.

Und sich überhaupt nicht für den Werterhalt von einer relativ grossen
Geldsumme, die man investiert, zu interessieren - das halte ich einfach nicht
für vernünftig.

Ich bin mir jedoch sehr bewusst darüber, dass ich sicherlich deutlich mehr
Geld investiere, als ich eines Tages wieder potentiell herausholen könnte.
Das ist nun mal so bei den meisten Hobbies - es kostet Geld. Jedoch hätte
ich schon gern, dass die Sammlung eines Tages zumindest noch die Hälfte
von dem wert ist, was ich dafür ausgegeben habe. Mit einer Masse von
Münzen in der Erhaltung "ss" oder "vz" wird man das aber eventuell niemals
erreichen - davon abgesehen, dass mir lauter solche Münzen keine Freude
bereiten würden.

Gruss,
jeggy
 
Der Erhaltungswahn nimmt mittlerweile groteske Formen an.

Ich sammle Reichsgoldmünzen.

Selbstverständlich steigen diese Münzen in guten Erhaltung mehr als die ss Münzen. Gleichzeitig darf man aber nicht vergessen, dass es sich um historische Umlaufmünzen und nicht um moderne Pseudomünzen handelt. Wer eine Sammlung Reichsgold in st und bfr aufbauen will sammelt völlig an der Realität vorbei. J.217 oder J.229 sind z.B. so gut wie nicht in bfr zu bekommen.

Man muß in Qualität investieren aber auch auf dem Teppich bleiben und nicht dem Erhaltungswahn der Amerikaner zum Opfer fallen.
 
Also über die Amis kann ich manchmal auch nur den Kopf schütteln.
Insbesondere, was die teilweise für Preise/Aufschläge nur für das eine
Attribut "Erhaltung" bezahlen.... :confused:

Dass sie sich sachlich intensiver mit dieser Thematik auseinandersetzen, finde
ich jedoch nicht schlecht. Schliesslich ist es ja nicht so, dass europäische
Händler und Auktionshäuser für Spitzenerhaltungen nicht auch kräftige
Aufschläge verlangen - und diese Stücke laufen überall am besten. Deshalb
halte ich es schon für notwendig, dass sich jeder Sammler mit der Thematik
auseinandersetzt.

Denn leider herrscht in Europa diesbezüglich nicht ausreichend viel
Transparenz gegenüber dem Sammler - ist ja auch verständlich: die
Händlerschaft möchte sich die teilweise sehr lukrativen Differenzen zwischen
Ankaufs- und Verkaufspreis nicht kaputtmachen lassen. Wenn jeder Sammler
sein Stück exakt einschätzen könnte, wären Differenzen von mehr als 15-20%
für den Händler einfach nicht mehr drin.

In Amerika geht der Markt viel mehr über Masse als über Marge.
Durch das Grading-System wird der Käuferkreis natürlich stark erweitert,
da Produkte und Preise standardisiert sind. Das senkt bei grossen Teilen der
potentiellen Käuferschaft die Hemmschwelle wohl ungemein - und auch
Nicht-Sammler greifen zu.

Jedoch würde ich persönlich mir solche Verhältnisse für Europa keinesfalls
wünschen. man kauft einen Blister und hat ein standardisiertes Produkt.
Da kann ich ja gleich Euro-KMS sammeln... :rolleyes:

Wenn man sich mit Erhaltungen nicht auskennt, kommt beim Kauf so etwas
dabei heraus: http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&category=21796&item=8318130173&rd=1
Aber auch Händler (z.B. der mit dem Namen einer Hülsenfrucht, die
fälschlicherweise als Nuss bezeichnet wird) setzen voll darauf, dass die
Kunden Erhaltungen nicht einschätzen können und zuviel bezahlen.

Gruss,
jeggy
 
Zuletzt bearbeitet:
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Ich freue mich mehr über eine Münzen, wenn ich sie als Schnäppchen erworben habe. Denn die meisten Münzen gibt es doch so häufig, dass man sie immer zu fast jeder Zeit irgendwo bekommt, wenn man nur genug Geld zu zahlen bereit ist.
 
joro_73 schrieb:
Ich freue mich mehr über eine Münzen, wenn ich sie als Schnäppchen erworben habe. Denn die meisten Münzen gibt es doch so häufig, dass man sie immer zu fast jeder Zeit irgendwo bekommt, wenn man nur genug Geld zu zahlen bereit ist.
Ja, die Schnäppchen, die wirklich gut sind, sind auch meine Lieblingsmünzen. Ich habe da ja so einige Schnäppchen :D
 
@ jeggy

Bezogen auf die genannte Auktion, frage mich nur, wie ein eBayer mit einer solchen Diskrepanz zwischen persönlicher Einschätzung und Realität auf ein Bewertungsprofil von 100% kommt???

Gruß
Alex
 
Ich denke, man muss schon so realisatisch sein, daß wir zur jetzigen Zeit nicht mehr die Situation haben wie vor 25 - 30 Jahren, daß je nach Münze und Erhaltungsgrad enorme Wertsteigerungen drin waren.
Auch wenn man heute eine prägefrische Münze kauft, sollte man dies nicht unbedingt unter Wertsteigerungsgesichtspunkten tun.
Ob und gegebenenfalls wann eine Wertsteigerung eintritt, kann genau so wenig jemand beantworten wie die Frage nach der Wertsteigerung zum Beispiel der Vatikansätze.
Wenn jemand eine derartige Münze für seine Sammlung kauft, sollte er dies aus Gründen des Sammelns tun, nicht aus Spekulationsgründen.

Aber es ist klar, wenn bei einem Stück eine Wertsteigerung eintreten sollte, dann ist die Chance bei einer prägefrischen Erhaltung größer als bei ss.
 
Vor 25-30 Jahren...

...waren viel weniger Münzen am Markt, obwohl es nicht weniger Münzen
tatsächlich gab - heute ist es doch für den Laien dank ebay und Internet viel
einfacher, Münzen selbst zu verkaufen. Deshalb glaube ich, dass heutzutage
viel mehr Münzen über die Theke (wessen auch immer, Händler, Privatmann)
wandern als damals.

...war der Markt äusserst intransparent. Verbände und Händlerschaften
konnten die Preise künstlich pushen oder hochtreiben

...war die Welt noch nicht so globalisiert. Heute ist es einfacher, an
ausländische Münzen ranzukommen --> Sammler haben breitere Auswahl

...gab es den Euro noch nicht, der den klassischen Gebieten viele (potentielle)
Sammler abgezogen hat. Am meisten merkt man das wohl bei jüngeren
Sammelgebieten, wie z.B. der DM.

...gab es noch nicht gar so viele Fälschungen, die die Sammler verunsichern.

---

Der deutsche und europäische Markt ist m.E. unsicher geworden, die
Amerikaner haben es geschafft, durch eine (sehr umstrittene) Systematik
ihren eigenen Markt transparenter zu gestalten. In Europa wird es langfristig
auch nicht anders funktionieren. Es gibt sehr wenige Unkulturen, die nicht
eines Tages dann doch über den grossen Teich geschwappt sind, auch wenn
sich in Europa viele Leute jahrelang dagegen gewehrt haben und sich alle
einige waren, dass so etwas hier niemals möglich ist. Früher oder später wird
hier einfach das Marktpotential im grösseren Stil gesehen, und wenn die Zeit
reif ist, wird es hier genauso gemacht.

Meine Meinung habe ich ja schon geäussert, ich bin überhaupt kein Freund
dieser Marktsystematisierung nach amerikanischem Vorbild. Dennoch bin ich
überzeugt davon, dass sich etwas Ähnliches irgendwann auch hier etablieren
wird.

Gruss,
jeggy
 
jeggy schrieb:
...waren viel weniger Münzen am Markt, obwohl es nicht weniger Münzen
tatsächlich gab - heute ist es doch für den Laien dank ebay und Internet viel
einfacher, Münzen selbst zu verkaufen. Deshalb glaube ich, dass heutzutage
viel mehr Münzen über die Theke (wessen auch immer, Händler, Privatmann)
wandern als damals.

...war der Markt äusserst intransparent. Verbände und Händlerschaften
konnten die Preise künstlich pushen oder hochtreiben

...war die Welt noch nicht so globalisiert. Heute ist es einfacher, an
ausländische Münzen ranzukommen --> Sammler haben breitere Auswahl

...gab es den Euro noch nicht, der den klassischen Gebieten viele (potentielle)
Sammler abgezogen hat. Am meisten merkt man das wohl bei jüngeren
Sammelgebieten, wie z.B. der DM.

...gab es noch nicht gar so viele Fälschungen, die die Sammler verunsichern.
.....Gruss,
jeggy

Das sind alles Gründe, die für mein obiges Posting sprechen.
Die Wertsteigerungsaussichten sind nicht mehr so wie damals, das sollte man bedenken, wenn man Münzen aus der Zeit vor dem Euro nicht aus Gründen des Sammelns kaufen will.
 
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