Geschichte(n) aus dem Alten Rom

B555andi

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Hallo Zusammen,

unter dieser Überschrift möchte ich Euch heute anhand der beiden angefügten Antoniniane der Kaiser Gordian III. sowie Philippus I. Arabs in die Zeit des 3 Jahrhunderts nach Christus entführen.

Wir befinden uns in der Zeit der sogenannten Soldatenkaiser, die einhergeht mit einer schweren Krise des Römischen Weltreiches. Im Jahre 235 ermordeten Soldaten den letzten Vertreter der Dynastie der Severer, Severus Alexander, und ernannten mit Maximinus Thrax einen ihrer Kommandeure zum Kaiser. In der Folgezeit wechselten sich Kaiser, zumeist von ihren Truppen ausgerufen, in rascher Folge ab. Mehrere Usurpatoren kämpften gleichzeitig um die Macht im Reich; kaum einem von ihnen war ein friedliches Lebensende vergönnt. Von 260 bis 274 spaltete sich sogar ein eigenes Imperium Galliarum (bestehend aus Germanien, Gallien, Spanien und Britannien) mit eigenen Kaisern vom Reich ab.

Mit dieser inneren militärischen Schwächung gingen massive Bedrohungen durch Äußere Feinde einher. Germanen und persische Sassaniden bedrängten die Reichsgrenzen.

In diesen unruhigen Zeiten wurde im Jahre 225 Marcus Antonius Gordianus in Rom geboren. Sein Großvater war Kaiser Gordianus I., sein Onkel Kaiser Gordianus II. Dem Prinzipat seiner beiden Verwandten war jedoch kein großes Glück beschieden gewesen. Onkel und Großvater waren beide im Jahr 238 gegen ihren Willen nach einer Revolte des Adels zu Gegenkaisern des Maximianus Thrax ausgerufen worden. Bereits 20 Tage nach der Ausrufung zum Kaiser starb Gordian II. in einer Schlacht mit einem Mauretanischen Statthalter, der die Herrschaft der beiden Gordiane nicht anerkennen wollte. Sein Vater, Gordian I., der bei der Ausrufung zum Kaiser bereits 80 Jahre alt war, nahm sich das Leben, als er vom Tode seines Sohnes erfuhr.

Der Senat erklärte daraufhin Kaiser Maximinius Thrax zum Staatsfeind und ernannte aus den eigenen Reihen Balbinus und Pupienus (wir befinden uns immer noch im Jahre 238) zu gleichrangigen Kaisern. Die stadtrömische Bevölkerung, die sich bei dieser Kaiserwahl übergangen fühlte, setzte zudem die Ernennung des erst 13 jährigen Marcus Antonius Gordianus zum Caesar durch. Es heißt, dass die angesehene Familie der Gordiane in der römischen Stadtbevölkerung sehr beliebt gewesen sei. Man munkelt jedoch, dass die ehrgeizige Mutter des halbwüchsigen Caesars ihre Hände (und den Geldbeutel) mit im Spiel hatte.

Aber halt! Haben wir bei der ganzen Sache nicht Jemanden übersehen? Richtig! Den eigentlichen Kaiser Maximinus Thrax. Der wurde jedoch praktischerweise auf dem Marsch nach Rom von seinen eigenen Truppen erschlagen. Die abgeschlagenen Köpfe von Maximinus und von dessen Sohn sandte man nach Rom. Wohlgemerkt: wir befinden uns immer noch im Jahr 238.

Nun hätte eigentlich ein wenig Friede einkehren können in Rom. Die beiden Kaiser Pupienus und Balbinus waren sich jedoch nicht unbedingt grün. Die Quellen berichten, dass sie während eines heftigen Streites von den Prätorianern, die wiederum Beiden nicht grün waren, kurzerhand erschlagen wurden. Überflüssig es zu erwähnen: wir befinden uns immer noch im Jahre 238.

Ziehen wir nun kurz Bilanz (um in dem ganzen Gemetzel nicht den Überblick zu verlieren): Im Jahr 238 fanden der nominelle Kaiser Maximius I. Thrax sowie sein Nachfolger und Sohn den Tod. Ebenfalls starben 2 Gegenkaiser nach 20 Tagen und 2 weitere nach 99 Tagen Regentschaft. Und unter dem Strich bleibt ein 13jähriger auf dem Kaiserthron. Und wer meint, wir befinden uns nach den ganzen Ereignissen spät im Jahre 238: Gordinanus III. wurde im Juni 238 zum römischer Kaiser ausgrufen.

Die Regierungsdauer seiner 4 Vorgänger war sicherlich kein gutes Omen für seine Regentschaft. Und dennoch zeigen sich Ansätze für eine Konsolidierung der Lage: Der Senat lenkte über einen Beraterstab die Politik des Kindkaisers. Das Volk wurde mit Spielen und Geldzahlungen friedlich gestimmt, die Selbstverwaltung der Städte allgemein gestärkt. Der Konsolidierung im Inneren stand jedoch neue von außen kommende Ungemach entgegen.

Die Perser/Sassaniden überschritten den Euphrat und bedrohten damit die römische Provinz Syria. Man begann, sich auf einen groß angelegten Feldzug vorzubereiten. Aus diesem Grund wurde der Ritter Timesitheus 241 zum Prätorianerpräfekt ernannt und führte ab diesem Zeitpunkt loyal die Regierungsgeschäfte für den jungen Kaiser, den er schließlich sogar mit seiner Tochter verheiratete.

Im Jahr 242 begann der Krieg gegen das Persische Großreich. Das Heer konnte schnell die Sicherheit in der Provinz Syria wieder herstellen. Allerdings verstarb Timesitheus Ende 242 / Anfang 243. Gordianus III. stützte sich nun auf Marcus Iulius Philippus, der zum neuen Prätorianerpräfekten ernannt wurde und somit die Rolle des väterlichen Timesitheus übernehmen sollte.

Doch Philippus (der spätere Kaiser Philippus I. Arabs) war dem jungen Kaiser gegenüber nicht so loyal wie sein Vorgänger. Er verfolgte eigene, ehrgeizige Pläne und begann sogleich, den Kaiser bei seinen Truppen zu diskreditieren.

Das römische Heer jedenfalls rückte 243 in die Provinz Mesopotamien ein und konnte die persische Armee schlagen. Dann wendete sich das Kriegsglück: im Herbst des gleichen Jahres rückte man zwar gegen die persische Hauptresidenz Ktesiphon vor, musste jedoch eine schwere Niederlage einstecken.

Gordian III. starb im Februar 244 im Alter von 19 Jahren. Die Quellen bieten uns mehrere Versionen seines Todes an: zum Einen sollen ihn meuternde Soldaten auf dem Rückzug erschlagen haben. Auch Philippus wird nachgesagt, für die Ermordung verantwortlich zu sein. Die Perser schließlich behaupten, der Kaiser sei in der Schlacht von Mesiche (natürlich durch persische Hand) gefallen.

Dem jugendlichen Kaiser wurde zu Lebzeiten ein freundliches und unbekümmertes Wesen nachgesagt. Insoweit passt auch die Rückseite der gezeigten Münze, welche die Laetitia darstellt, nämlich die Macht, die eine freudige Haltung bewirkte.

Der Pärtorianerpräfekt Philippus, aus Syrien stammend, lies sich von seinen Truppen zum Kaiser ausrufen. Er schloss mit den Sassaniden Frieden und konnte so die Ostgrenze des Reiches befrieden.

In seiner 5 Jahre dauernden Amtszeit konnte er dem Reich eine gewisse Stabilität verschaffen und beging im Jahr 248 die 1000 Jahrfeier der Stadtgründung Roms. Im Jahr 249 ereilte ihn jedoch ebenfalls ein früher Tod, nachdem der von ihm eingesetzte, militärisch erfolgreiche Senator Decius von dessen Truppen zum Kaiser ausgerufen wurde und Philippus I. Arabs in einer Entscheidungsschlacht bei Verona besiegen konnte. In dieser Schlacht kam Philippus ums Leben. Sein Sohn, den er zum Caesar ernannt hatte, wurde später von Prätorianern erschlagen.

Der hier gezeigte Antoninian des Philippus I. Arabs zeigt im Revers Aequitas, nach links stehend, in der linken Armbeuge ein Füllhorn und in der erhobenen rechten Hand eine Waage haltend. Aequitas war die Macht, die allen das ihnen Zustehende zuteilte.

Vielleicht noch ein paar Sätze zu den Antoninianen im Allgemeinen: Diese Silbermünze wurde im Jahr 214 von Kaiser Marcus Aurelius Antoninus (genannt Caracalla) eingeführt. Der Name leitet sich von dessen Namen Antoninus ab und ist im Mittelalter entstanden (die antike Bezeichnung ist unbekannt). Zu Beginn hatte der Antoninian die Wertigkeit von zwei Denaren, wurde jedoch im Laufe des 3. Jahrhunderts infolge der Inflation immer minderwertiger, sowohl was seinen Silbergehalt als auch sein Gewicht betrifft. Gegen Ende des Jahrhunderts war er zu einer kleinen Münze aus Bronze verkommen und wurde schließlich durch die Münzreform Kaiser Diocletians abgelöst.

Da mein neuer Scanner noch irgendwo auf dem Postweg unterwegs ist, zeige ich Euch mit freundlicher Genehmigung der Firma Lanz die beiden Antoniniane mit den Bildern aus den Auktionen.
 

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Hallo Andreas,

vielen Dank für diesen lehrreichen und sehr interessanten Beitrag. Im alten Rom war schon was los, was die Regentschaft betraf. Heute ist es glaube ich im Vergleich zu anderen Ländern nicht viel besser dort:D

Aber du hättest den Titel mit einem FSK 16 kennzeichnen sollen;) bei der Menge Blut...
 
Hallo Andreas,

kam erst heute dazu Deinen Beitrag zu lesen. Historische Münzen aus dem Alten Rom sind zwar nicht mein Sammelgebiet, doch hier hatte es nicht geschadet einmal über den "Tellerrand" zu schauen.

Vielen Dank für diesen Beitrag und viele Grüße von

epareiner
 
Nette Schilderung; zur Anschauung habe ich mir glatt einen gut erhaltenen Silberdenar des Caracalla besorgt :), ist nicht mein Sammelgebiet. MfG.
 
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