Der Karlsruher Münzskandal - Der Versuch einer Zusammenfassung

Hier noch ein ganz interessanter (Teil-)Artikel dazu vom Spiegel 06/75, aus dem hervorgeht, das auch Strafanzeige gegen Lucht und Balke erhoben worden sei, welche anscheinend aber nicht verfolgt wurde.


Besondere Rarität
Im Karlsruher Münzskandal wird demnächst Anklage erhoben -- auch gegen den Direktor der Staatlichen Münze.

01.06.1975, 13.00 Uhr • aus DER SPIEGEL 23/1975

Aber die Bundesbank als Münzen-Aufsichtsbehörde ermittelte gewissermaßen hausintern in Karlsruhe und kontaktierte jene, die mutmaßlich betroffen sein mußten: Ott und Vize Heiling, die als einzige über Schlüssel für den Tresor verfügten, in dem alle Prägestempel -- ob noch benutzt oder bereits archiviert -- aufbewahrt werden.
Erst acht Wochen nach dem Bundesbankbrief an Kaplan wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Kaplan: »Eine bühnenreife Farce, denn es gab bis dahin gar keine Ermittlungen, die gefährdet werden konnten.«
Stellvertreter Heiling samt Helfer Fetzner wurde überführt, Direktor Ott zunächst wegen möglicher Unterlassungen bei der Aufsichtspflicht vorläufig suspendiert. Erst nach weiteren Nachforschungen wurde er als Mitbeschuldigter eingestuft: Er habe von den Vorgängen in seiner Anstalt gewußt und sie geduldet.
Die Ermittlungen betrafen auch die achtwöchige Spanne zwischen der Einschaltung von Bundesbank und Staatsanwaltschaft. Zumindest war zu prüfen, ob Heiling und Fetzner, die zu Ostern aus der Untersuchungshaft entlassen wurden, und auch Ott Gelegenheit oder Absicht hatten, etwas zu vertuschen oder zu verlagern. Abnehmer zu tarnen oder illegales Neugeld einzuwechseln.
Denn die Menge der -- nach Kripofeststellung -- seit mindestens sechs Jahren illegal geprägten Kursmünzen beträgt nach Händler- und Sammler-Schätzung ein Vielfaches der gefundenen Restbestände. Hinweise von Sammlern, die sich Ankläger erhofft hatten, »um das ganze Ausmaß festzustellen«, blieben allerdings aus -- als echte Falsifikate werden die falschen Fuffziger offenbar als eine besondere Rarität bewertet und verwahrt.
Bis Ende Juni will der Karlsruher Oberstaatsanwalt Adolf Müller nun die Anklageschrift gegen Ott, Heiling und Fetzner abschließen. Eine gezielte Strafanzeige ist derweil noch bei ihm eingegangen: Münzfachmann Kaplan meint, Bundesbankdirektor Lucht und sein Falschgeld-Experte Ernst Balke hätten sich der Mitwisserschaft und Beihilfe schuldig gemacht -- durch Verzögerung der Ermittlungen und auch dadurch, daß die Bundesbank seit Jahren Nachprägungen trotz erkennbarer Fehler für echt attestiert habe.
 
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