Bis wann waren diese Münzen im Umlauf?

Vielen Dank für Deine ausführliche Recherche. Das Zweimarkstück war 1873 überhaupt nicht vorgesehen und wurde erst 1876 als Ersatz für den süddeutschen Gulden nachgeschoben. Im 25- Pfennigstück kann man wohl den Versuch sehen, den Norddeutschen einen Nachfolger für die Münze zu 2 1/2 Silbergroschen zu bieten, was aber eine Generation nach dem Wegfall der Groschen wohl nicht mehr verstanden wurde.
Das 25- Pfennigstück war übrigens eine der ersten Münzen, die Kurt Jäger als Bub erhielt, er berichtet in Wie ich zum Sammeln kam " davon, daß sie noch nach dem Ersten Weltkrieg im Portemonnaie seines Vaters lag.
Um meinen Fragenkatalog zu erweitern: bis wann liefen die 25 Pfennig-Stücke eigentlich um? Nickel war schon im ersten Weltkrieg win kriegswichtiges Metall, so dass die 5 und 10 Pfennig-Stücke mit einem Nickelanteil von nur 25 Prozent alsbald durch Zink und Eisen ersetzt wurden. Die Rückgewinnung aus Reinnickelmünzen ist natürlich deutlich einfacher als aus Legierungen, liefen die 25 Pfennig also ab 1915 überhaupt noch um?
 
Um meinen Fragenkatalog zu erweitern: bis wann liefen die 25 Pfennig-Stücke eigentlich um? Nickel war schon im ersten Weltkrieg win kriegswichtiges Metall, so dass die 5 und 10 Pfennig-Stücke mit einem Nickelanteil von nur 25 Prozent alsbald durch Zink und Eisen ersetzt wurden. Die Rückgewinnung aus Reinnickelmünzen ist natürlich deutlich einfacher als aus Legierungen, liefen die 25 Pfennig also ab 1915 überhaupt noch um?
Laut der Anmerkung bei J 18 im Jäger begann man 1916, die 25er einzuziehen. " Hauptsächlich wegen des kriegswichtigen Nickels " , wie es dort weiter heißt.
 
Nächste Frage: "Bis wann waren die Silbermünzen zu ½ und 1 Reichsmark, die zum 1. Januar 1921 außer Kurs gesetzt wurden, tatsächlich noch im Umlauf zu finden?"

Da steht bei Seidel, dass diese am 13.4.1920 außer Kurs gesetzt wurden. Aber die ganze Sache ist komplexer.

Am 1.8.1919 gab es eine Ermächtigung des Staatenausschusses, außerhalb des Münzgesetzes vom 1.6.1909 Münzen zu 50 Pf, 10 Pf, 5 Pf und 1 Pf in abweichender Gestalt und anderem Metall herstellen zu lassen. Begründet wurde dies einerseits mit einer Forderung der Heeresverwaltung, dass die Nickelmünzen (10 Pf und 5 Pf) nicht schnell genug und ausreichend zurückgegeben wurden, so dass dringend diese in anderem Material dem Zahlungsverkehr zugesetzt werden sollten (nachzulesen u.a. der 176. Tagung des Bundesrates am 10.8.1918); andererseits hat man angeraten von einer Weiterprägung von silberner 50 Pf Stücken Abstand zu nehmen, da wegen des hohen Silberpreises, die Stücke sofort vom Publikum zurückbehalten werden, so dass sie dem Zahlungsverkehr ebenfalls nicht zur Verfügung stehen.

In der Begründung zur VO vom 13.4.1920 hieß es unter anderem, dass diese Maßnahme praktisch keinen Einfluss mehr ausübe, da Silbermünzen tatsächlich schon seit "langer Zeit" keine Verwendung mehr im Zahlungsverkehr finden würden.

Im August 1917 und Februar 1918 wurde vom Vorsitzenden des Bundesrates noch beschlossen, jeweils 10 Millionen Mark in bereits eingezogenen 2 DM-Stücken zu 50 Pfennig-Stücken (1/2 Mark) umzuprägen. Die 2 Mark-Stücke wurden am 12.7.1917 außer Kurs gesetzt. Das Silber der letzten Prägungen stammte also aus den eingeschmolzenen 2-Mark-Stücken (20 Millionen), sowie aus angekauften Silber (45 Millionen).
 
"Wann wurden die 50 Renten-/ Reichspfennig aus Aluminiumbronze außer Kurs gesetzt und wie lange zirkulierten diese Seite an Seite mit den späten Nickel-Münzen?"

Jaeger hat geschrieben, dass man die Münzen wegen zahlreicher Fälschungen schon 1927 wieder eingezogen hat (11. Aufl.). Offiziell ungültig wurden sie erst am 1.12.1929.

Im Rittmann (Dt. Geldgeschichte seit 1914, S. 129):
Rittmann 129.JPG


Die Prägung der 50-Pfennig-Stücke erlangte mit deren Bekanntmachung vom 15.7.1927 Rechtmäßigkeit. Ich gehe davon aus, dass beide Stücke daher kaum nebeneinander umliefen.

In meinen Reproduktionen aus dem Bundesarchiv habe ich keine Unterlagen diesbezüglich gefunden.
 
"Ab wann wurden die Silbermünzen zu 2 und 5 Reichsmark des Dritten Reiches außer Kurs gesetzt?"

Die von Kronerogøre aus Jaeger zitierte Angabe von 76 % umlaufenden 5 RM-Stücke finde ich interessant, zumal ich bei Rittmann folgende Stelle gefunden habe (S. 237f):

"Mit den Silbermünzen hatte es eine andere Bewandtnis [als die Nickelmünzen]. Ihr Metall hatte für die Kriegstechnik nicht die Bedeutung von Nickel. Außerdem wagte man es aus psychologischen Gründen nicht, die Bevölkerung aufzufordern, sie dem Staat abzuliefern. Hinsichtlich der Kriegsfinanzierung war die ganze Propaganda darauf eingestellt, die Deutschen davon zu überzeugen, daß der Krieg, anders als der letzte, den Geldwert nicht gefährden würde. Die Bevölkerung mit ihrer Inflationserfahrung
war aber viel zu mißtrauisch, als daß sie nicht sofort nach Kriegsbeginn die Zweimarkstücke und die Fünfmarkstücke wegen ihres Silberwertes, auch wenn er fürs erste weit niedriger als der Nennwert war, zurückgehalten und massiv gehörtet hätte. Was erlangt werden konnte, wurde auf kaltem Wege gleichwohl eingezogen; zum Ersatz kamen für die Zweimarkstücke die neuen Rentenbankscheine und für die Fünfmarkstücke neue Reichsbanknoten dieses Nominals. Nur die Zweimarkstücke des Gepräges von 1925 bis 1931 wurden zum 1. Januar 1940 außer Kurs gesetzt und noch bis 31. März 1940 umgetauscht."

Die Außerkurssetzung erfolgte in der BRD indirekt durch das "Erste Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens (Währungsgesetz) vom 20.6.1948. §1 sagt:
"Mit Wirkung vom 21. Juni 1948 gilt die Deutsche-Mark-Währung. [...]"
 
"Ab wann wurden die Silbermünzen zu 2 und 5 Reichsmark des Dritten Reiches außer Kurs gesetzt?"

Die von Kronerogøre aus Jaeger zitierte Angabe von 76 % umlaufenden 5 RM-Stücke finde ich interessant, zumal ich bei Rittmann folgende Stelle gefunden habe (S. 237f):

"Mit den Silbermünzen hatte es eine andere Bewandtnis [als die Nickelmünzen]. Ihr Metall hatte für die Kriegstechnik nicht die Bedeutung von Nickel. Außerdem wagte man es aus psychologischen Gründen nicht, die Bevölkerung aufzufordern, sie dem Staat abzuliefern. Hinsichtlich der Kriegsfinanzierung war die ganze Propaganda darauf eingestellt, die Deutschen davon zu überzeugen, daß der Krieg, anders als der letzte, den Geldwert nicht gefährden würde. Die Bevölkerung mit ihrer Inflationserfahrung
war aber viel zu mißtrauisch, als daß sie nicht sofort nach Kriegsbeginn die Zweimarkstücke und die Fünfmarkstücke wegen ihres Silberwertes, auch wenn er fürs erste weit niedriger als der Nennwert war, zurückgehalten und massiv gehörtet hätte. Was erlangt werden konnte, wurde auf kaltem Wege gleichwohl eingezogen; zum Ersatz kamen für die Zweimarkstücke die neuen Rentenbankscheine und für die Fünfmarkstücke neue Reichsbanknoten dieses Nominals. Nur die Zweimarkstücke des Gepräges von 1925 bis 1931 wurden zum 1. Januar 1940 außer Kurs gesetzt und noch bis 31. März 1940 umgetauscht."

Die Außerkurssetzung erfolgte in der BRD indirekt durch das "Erste Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens (Währungsgesetz) vom 20.6.1948. §1 sagt:
"Mit Wirkung vom 21. Juni 1948 gilt die Deutsche-Mark-Währung. [...]"
Bis 1942 gab es neben den sowohl in Weimar und in den ersten Jahren nach 1933 sehr reichlich ausgeprägten Fünfmarkstücken nur den 5 - Rentenmarkschein aus der zweiten Serie, der ebenfalls bis 1948 in Umlauf war. Hätte diese Note den Fortfall des Silbers ausgleichen können ?
 
Meines Wissens ja. Der Fünfer mit dem Mädchen hatte sehr hohe Auflagezahlen und wurde bis 1937 gedruckt.
 
Ab welchem Datum wurden die Zinkmünzen des Dritten Reiches erstmals in den Umlauf gegeben und wann war dies bei den 50 Reichspfennig aus Aluminium der Fall?

Die entsprechenden Verordnungen stammen vom 11.12.1939 (50 Pfennig) bzw. 30.3.1940 (Zinkmünzen), veröffentlicht im Reichsgesetzblatt. Mit Veröffentlichung erhielten sie gesetzliche Zahlkraft, so dass Sie ab diesen Daten herausgegeben wurden.

Die Prägungen hingegen fanden früher statt, im Falle der 50 Pf-Stücke zum Teil bereits im Jahr 1935 (Prägeauftrag vom 2.5.1935). Besonders interessant ist die Tatsache, dass ein 50-Pf-Stück aus Aluminium mit dem Datum 1935 und dem Mz "E" im September 1938 aufgetaucht ist. Man hat es als Falschstück angehalten und es wurde im Geheimen diskutiert, ob man dem Besitzer lieber mitteile, es handele sich um eine Probeprägung, da ja auch erst kürzlich die 50-Pf-Stücke aus Reinnickel verausgabt worden seien (BArch R2/14790). Die ersten Probeprägungen mit dem "Hoheitszeichen" von Professor Schweitzer modelliert legte der damalige Münzdirektor der Berliner Münze mit Schreiben vom 3.11.1939 dem Reichsfinanzministerium vor. Bei erfolgter Genehmigung würde man dann die anderen Prägestätten mit der neuen Patrize beliefern. Gleich am Folgetag wurde die Genehmigung erteilt; Berlin erhielt die ersten 50 kg Plättchen am 16.11.1939, so dass die Prägung zeitnah beginnen konnte. Die Erlaubnis zur Ausgabe der ersten Stücke (70 Millionen RM mit Jz 1935 und sukzessive 60 M. RM mit der Jz 1939/40) wurde am 14.12.1939 vom Reichsminister der Finanzen mit Hinweis auf die veröffentlichte Verordnung erteilt.
Fun Fact: Mit einer Notiz des Reichsbankdirektoriums vom 8.1.1940 wurde erwähnt, dass die Bevölkerung die Stücke aus dem Jahr 1935 zum Teil als Fälschungen ablehnt, so dass empfohlen wurde dies über Rundfunk zu klären.

Für die Zinkmünzen habe ich mal in den Wochenübersichten der Prägestätten (BArch R2/30776) nachgeschaut. Folgende Prägeaufträge habe ich ab 30.3.1940 für Berlin gefunden (die anderen Mengen können dann nach dem üblichen Schlüssel abgeleitet werden):

10 Rpf:
25.4.1940 - 5 Mio RM
24.5.1940 - 20 Mio RM

5 Rpf:
25.4.1940 - 1 Mio RM
24.5.1940 - 10 Mio RM

1 Rpf:
22.4.1940 - 0,5 Mio RM
26.8.1940 - 1,5 Mio RM

Mit Stichtag 29.6.1940 wurden in der quartalsjährlichen Übersicht der Prägeaufträge nur 84.170,80 RM an 5 Pf-Stücken aus dem Auftrag vom 25.4.1940 geprägt (und abgeliefert?). Die restlichen Aufträge an Zinkprägungen blieben unangetastet.
Mit Stichtag 28.9.1940 wurden alle Prägeaufträgen (außer dem vom 26.8.1940) begonnen und abgeliefert. Es war offenbar üblich, dass man immer mehrere Aufträge gleichzeitig vornahm, jedoch nicht vollständig bis zu einem Stichtag ausführte.

Zur Beantwortung der ursprünglichen Fragestellung: Auslieferung 1 Rpf und 10 Rpf wahrscheinlich ab Sommer 1940, 5 Rpf ab Frühjahr 1940.
 
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