Ich versuche immernoch zu lernen, Fehlprägungen durch mitgeprägte Fremdkörper zu erkennen. Da diese ja auf den Münzen auch zu Vertiefungen führen, fällt es mir nicht so leicht, diese von Kratzern zu unterscheiden.
Ich denke Kratzer sind eher sehr grade und dünn, bei mitgeprägtem Draht ist die Vertiefung etwas breiter und im Falle von Draht nicht so grade (aber es kann natürlich auch anderes Material zwischen Ronde und Stempel kommen!).
Drei Fragen dazu:
- Habt ihr Tipps zum Erkennen?
- Zu wievielen Fehlprägungen führt ein mitgeprägtes Objekt in der Regel? Fällt z.B. ein Stück Draht meist nach einer Prägung raus, oder kann es die gleiche Fehlprägung 1000 mal erzeugen? Kann man das grob verallgemeinern?
- Könnte es bei der folgenden Münze wieder der Abdruck von mitgeprägtem Fremdmaterial sein, oder seid ihr hier eher bei nachträglicher Beschädigung? (10 Cent Spanien 2008)
Wie immer vielen Dank für das teilen eures Wissens!
PS: Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr nur eine der drei Fragen beantworten möchtet!
@ "navada51":
Es kommt auf die Art der Vertiefung an und auf die Umgebung dieser Vertiefung.
a) Erkennst Du auf der Münze eine Vertiefung in Form eines U-förmigen "Tals", so ist wahrscheinlicher, dass sich dort im Prägespalt ein Fremdkörper befunden hat.
b) Bei Kratzern ist das "Tal" eher V-förmig.
c) Wichtiger Punkt ist auch, wie weit die Vertiefung an die Buchstaben oder andere Reliefstrukturen heranreicht. Hören sie vorher auf, spricht dies auch eher für eine nachträgliche Beschädigung.
Moin Moin,
Anm. zu "navada51" -
a) Wahrscheinlicher als was ? - ich vermute "als eine Beschädigung" !?
Bei diesem Aussehen der "U-Form-Vertiefung" ("UFV") darf man auf keinen Fall den möglichen Rondenfehler vergessen.
b) Das scharfkantige einer "V-Form-Veretiefung" ("VFV") sehe ich ebenso.
c) Das kann man so allgemein nicht festlegen.
Ein Fremdkörper kann über seine Größe zufällig so auf der Ronde zu liegen gekommen sein, dass die entstandene Vertiefung deutlich vor einem Reliefteil endet oder aber teilweise in den Bereich des Reliefs mit (ein)geprägt wird
Ein Rondenfehler kann sich zufällig überall in jeder Form, an jeder Stelle und in jedem denkbaren Abstand zu z.B. Reliefteilen auf der Münze befinden. Er wird beim Prägen durch den hohen Druck je nach seiner Größe nicht grundsätzlich eleminiert, auf jeden Fall aber durch Materialfluss verkleinert.
Anm. zu den Fragen von "coin-cidence" -
1. Eine gewisse Aussage lässt sich wie zu a) und b) ausgeführt über ein scharfkantiges ("VFV") bzw. gerundetes ("UFV") Aussehen machen, aber ....... .
Bei der "VFV" sehe ich auch eher eine nachträgliche Beschädigung der Münze.
Bei der "UFV" ist eine ebenso relativ sichere Aussage nicht zu machen, da sie grundsätzlich sowohl von einem Fremdkörper als auch von einem Rondenfehler herrühren kann. Eine gewisse Priorisierung zwischen diesen beiden Möglichkeiten kann man evtl. über die Form einer "UFV" vornehmen.
- Bei z.B. unförmigen / unregelmäßigen / flächigen "UFV" spricht evtl. einiges mehr für einen Rondenfehler als für einen mitgeprägten Fremdkörper.
- Bei z.B. reltiv gleichförmigen / schmalen / linienförmigen "UFV" geht die Aussage eher in Richtung eines mitgeprägten Fremdkörpers.
2. Nein.
Das hängt grundsätzlich erst einmal davon ab, wo sich der Fremdkörper beim Prägen befunden hat - am Stempel oder auf einer Ronde.
- Liegt er beim Prägen lose auf der Ronde, dann ist m.E. in erster Näherung davon auszugehen, dass er mit dem Auswurf der Münze ebenfalls vom Prägestock befördert wird.
Dieses kann als relativ fest in die Münze eingeprägt oder eben weiterhin lose bleibend geschehen sein. In diesem Fall würde es die vorliegende "Fehlprägung" einmalig geben.
- Die Produktion mehrerer Münzen mit einer "UFV" (an gleicher Stelle mit relativ ähnlichem Aussehen
*) setzt voraus, dass der Fremdkörper über mehrere Prägevorgänge
ortsfest am Oberstempel kleben geblieben sein muss.
Möglich, m.E. aber eher unwahrscheinlich.
*: nicht identisch, sondern nur relativ ähnlich im Aussehen, da man davon ausgehen muss, dass sich der Fremdkörper bei jedem der Prägevorgänge durch die Krafteinwirkung ein wenig verändert.
- Man könnte auch noch den Fall annehmen, dass sich der Fremdkörper auf dem Unterstempel befunden hat.
So könnten auch hier neben dem Fall einer Entfernung nach dem ersten Prägevorgang (Unikaterzeugung)
bei einem Verbleib über mehrere Prägevorgänge evtl. auch mehrere ähnlich aussehende "UFV" erzeugt worden sein.
Ob sie an gleicher Stelle auftauchen, hängt hier davon ab, ob der Fremdkörper am Stempel geklebt oder nur lose aufgelegen hat.
3. Eine nachträgliche Beschädigung der vorgestellten Münze sehe ich eher nicht. Ich tendiere anhand der Abb. zu einem Rondenfehler.