Besuch bei Victor Huster

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Liebe Medaillenfreunde!

Nachdem ich die von Victor Huster gestalteten Medaillen beeindruckend und in ihrer künstlerischen Gestaltung sehr spannend und interessant finde, hatte ich die Idee, Herrn Huster in seiner Werkstatt in Baden Baden aufzusuchen.

Herr Huster war auf der Münzbörse in Karlsruhe anwesend, so dass ich mit ihm gleich einen Termin für ein "Besüchle" vereinbaren konnte.

Also kurzfristig einen Tag Urlaub genommen, das Familienauto vorgebucht (bei drei Führerscheininhabern in der Familie muss alles geplant sein) und nix wie auf die Autobahn gen Süden. Aber halt: nicht den Dieter (DIWIDAT) vergessen, der unweit von Karlsruhe die Besuchertruppe verstärkt hat. Von ihm bzw. seiner Kamera sind die angehängten Bilder.

Nach einem freundlichen Empfang von Herrn Huster und seinem Atelier-Bewach-Hund, nahm sich der Medailleur ausgiebig Zeit, uns sein Atelier bzw. seine Werkstatt zu zeigen und uns die einzelnen Fertigungsprozesse ausgiebig zu erläutern. Aus seinem "Hochsicherheitstrakt" hat er schließlich viele Medaillen aus seiner über 30jährigen Tätigkeit ans Licht geholt und uns einige interessante Details zu den Geprägen, seinen künstlerischen Intentionen und deren Umsetzung erzählt.

Auf dem ersten Bild seht Ihr das eine seiner zwei kleinen Atelierzimmer, die Wände voll behängt mit Gipsmodellen. Auf dem zweiten Bild seht Ihr Herrn Huster an seinem Arbeitstisch.

Wie geht das nun mit dem Entwerfen, Gestalten einer Medaille und der Umsetzung bei Herrn Huster vonstatten?

Zunächst steht natürlich der Auftrag, der Auftraggeber mit gewissen Vorstellungen, die der Künstler umsetzen soll. Herr Huster recherchiert Hintergründe, macht Ortsbegehungen und arbeitet sich so in das Thema ein. Die Ergebnisse/Ideen müssen nun in eine Beziehung zueinander gesetzt werden; die Elemente werden verbunden und auf die gestalterischen Möglichkeiten einer (Hochrelief)Medaille übertragen. Dies ist der kreative, freie künstlerische Teil, der seinen vorläufigen Abschluss in einer Collage (da dreidimensional) und dann (in der Regel) in einem Gipsmodell findet.

Von diesem Gipsmodell wird aus hartem Kunstharz eine Kopie gegossen. Das noch 4 bis 10 mal so große Modell wird nun in einer Reduktionsmaschine abgetastet und in das spätere Prägewerkzeug eingraviert. Eine zeitraubende Sache, an die sich schließlich die aufwändige Nachgravur des Prägewerkzeuges durch Herrn Huster anschließt.

Die Reduktionsmaschine in Arbeit könnt Ihr auf Bild Nr. 3 sehen. Im Vordergrund das abgetastete Hartplastikmodell; im Hintergrund das Prägewerkzeug, welches laufend von Öl überflossen wird, um die Metallspäne wegzuspülen.

So, weiter geht es im 2. Teil……
 

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Teil 2:

Der Prägestempel wird nun passend zur Aufnahme in den Prägering und die Prägepresse abgedreht. Die Stempeloberfläche wird geglättet und der Randstab angedreht.

Nun muss der Prägestempel gehärtet werden, und dann können die Probeprägungen beginnen. Es ist ein diffiziles Spiel der Reliefformen, dem Münzmetall und dem Prägedruck, das oftmals scheitert, so dass das Modell umgearbeitet werden muss. Hier ist sehr viel Erfahrung notwendig.

Mich fasziniert vor allem das Zusammenwirken zwischen künstlerischer Kreativität auf der einen und der rein technischen Umsetzung auf der anderen Seite. Und das alles in einer Person vereint.

Auf dem ersten Bild seht ihr Herrn Huster nach der anstrengenden Tour sowie Eure zwei wissbegierigen Mitforumler.

Es ist uns natürlich gelungen, in den Schatzkisten von Herrn Huster fündig zu werden und so manche Medaille hat den Besitzer gewechselt.

Auf dem zweiten Bild seht ihr ein paar Medaillen, die Herr Huster uns gezeigt hat. Beeindruckend auch die künstlerische Entwicklung von recht einfach gestalteten Motiven im Flachrelief in den Siebzigern/Achtzigern zu den imposanten Arbeiten im Hochrelief aus neuerer Zeit.

Mein Favorit war jedoch eine kleine (29mm) Medaille in Form eines römischen Denars, die Herr Huster für seine Tochter gestaltet hat. Das liebevolle, entzückende Portrait hatte es nicht nur mir angetan; und so haben Dieter und ich die letzten zwei Exemplare gekauft. Die Medaille seht Ihr im letzten Bild.

So, das war ein kleiner Bericht von unserer Mittwochsexkursion nach Baden Baden. Ich könnte noch viel mehr schreiben, zum Beispiel, welches Forumsmitglied sich etliche von Husters Euro-Sonder-10er-Proben gekauft hat; aber darüber wollen wir mal lieber schweigen……. :cool:
 

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Oh pfui - sagte der Sammler,
- das ist ja eine Medaille (auch Medallie genannt), da möcht ich nichts mit zu tun haben -
die sind sicher ansteckend oder sonstwie kontaminiert :eek:

Meine Medaillen sind jetzt nicht Not-Geschlachtet worden, sondern alle nur in Quarantäne gekommen (in meinen Medaillenschrank), aber nur - weil sie irgendwie eine Beziehung zu meinen anderen geliebten EURO's haben.

Huster-10-E-2000-Karolus.jpg

Huster-10-E-2001-Bundesverf.jpg

Huster-10-E-2002-D-Mark---E.jpg

beim Anschauen wegen der Ansteckungsgefahr bitte einen Mundschutz tragen!
 
Morgen Dieter!

Vielen Dank für die Bilder.

Vielleicht sollte man noch dazu erwähnen, dass sich Herr Huster regelmäßig an den Wettbewerben für die Gestaltung der BRD-Sondermünzen beteiligt.

Die Wettbewerbsentwürfe selbst darf er nicht vermarkten, weshalb er sie ein wenig umgestaltet und dann unter dem Motto "so hätte die Münze auch aussehen können" als Medaille prägt.

Ich hatte bei seinen Erzählungen übrigens nicht den Eindruck, als ob er dies nur aus kommerziellen Gründen tut (die 6-köpfige Familie muss natürlich ernährt werden). Er hat ja bereits ein paar Wettbewerbe gewonnen und ist mit missionarischem Eifer dabei, einen Gegenpol zu den oftmals verstaubten Motiven zu setzen. Wie man auch auf den Entwürfen sieht, versucht er stets, viele ihm wichtige Informationen zum Thema auf einmal unterzubringen.

Wenn ich mir zum Beispiel die Stilikone "Deutsches Fernsehen" anschaue, dann täten der Deutschen Sondermünze ein paar extravagante, experimentelle Entwürfe ganz gut.

Wusstet Ihr übrigens, dass Herr Huster in den 80ziger Jahren in Israel gelebt und einige der dortigen Umlauf- und Gedenkmünzen gestaltet hat?
 
Ein Feedback!!

Danke Tom! Und ich dachte schon, ich schreibe hier einfach ins Leere hinein und keine Sau interessiert es.......:heul:
 
Oh pfui -
- das ist ja eine Medaille (auch Medallie genannt), da möcht ich nichts mit zu tun haben -
die sind sicher ansteckend oder kontaminiert :eek:
...
beim Anschauen bitte einen Mundschutz tragen!

Iiiih, da sind ja gar keine Nominale drauf. :D

Vielen Dank, Andi und Dieter, für den Einblick in die Werkstatt und das Leben des Herrn Huster.

Die Stücke gehen zwar weit an meinen Sammelgebieten vorbei, sind aber sehr schön und interessant.
 
Ein Feedback!!

Danke Tom! Und ich dachte schon, ich schreibe hier einfach ins Leere hinein und keine Sau interessiert es.......:heul:

ne keine Angst du schreibst nicht ins Leere. Ich habe es gerade erst gelesen :). Super bericht, Sehr interesannt wie Medallien hergestellt werden. die Bilder sind auch gut geworden.

Vielen Dank

P.S. Immerhin hast du schon mehr Feedback wie mein Reisebericht ;).
 
Geiger2006 schrieb:

Immerhin hast du schon mehr Feedback wie mein Reisebericht

Reisebericht? Da war doch was?!?:confused:

Irgendwo im Forum verstecken die sich doch. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dort nur selten vorbeischaue. Jetzt werde ich mal Deine Feedback-Bilanz ein wenig aufbessern. ;)
 
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